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Loccum Martin Walser liest im Kloster
Martin Walser liest im Kloster
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19:15 21.02.2013
Vorfreude: Traugott Wrede mit den Büchern, aus denen Martin Walser in Loccum lesen wird und dem Brief mit der Zusage des Schriftstellers. Quelle: ade
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Loccum (ade)

„Ich glaube nichts und knie“. Diese Zeile aus einem Gedicht von Martin Walser hat der Leiter des Pastoralkollegs, Traugott Wrede, als Titel für das Seminar ausgewählt. Die Haltung des bekennenden Atheisten Walser komme in dieser Zeile ebenso zum Ausdruck wie auch die katholische Frömmigkeit, die er quasi mit der Muttermilch aufgesogen habe, sagt Wrede.

Was ihn allerdings darauf gebracht habe, sich für Walser, diese „große Gestalt der Nachkriegsliteratur“, zu entscheiden, sei die Lektüre eines Buches gewesen, das Anfang 2012 erschien. "Über Rechtfertigung, eine Versuchung" ist dessen Titel. Walser selbst bezeichnet es als Versuch, das Religiöse vor dem Vergessen zu bewahren.

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Zu seinem 85. Geburtstag brachte er das Buch an die Öffentlichkeit. Manche Spötter meinten schnell, dass diese Thematik nur dessen hohem Alter geschuldet sein könne.

Wrede hingegen blieb an dem Satz hängen „Wenn ich von einem Atheisten, und sei es von einem ‚bekennenden’, höre, dass es Gott nicht gebe, fällt mir ein: Aber er fehlt. Mir.“ Wie nun Martin Walser zur Religion steht, darüber können sich die Teilnehmer des Seminars mit ihm unterhalten.

Um den Schriftsteller dafür zu interessieren, sich mit einer Gruppe von Theologen genau darüber zu unterhalten, dafür zitierte Wrede einen weiteren Satz aus Walsers Buch: „Wenn ich Professor wäre für Theologie und Literatur und Philosophie, würde ich die Studenten einladen zu einem Seminar, das heißen soll: Friedrich Nietzsche und Karl Barth.“ „Das können Sie bei uns bekommen“, schrieb Wrede an Walser – und bekam bald darauf die handschriftliche Antwort: „… Loccum ist mir nicht unbekannt. März 2013 könnte gehen. Rechtfertigung bleibt mein Thema. Also müsste man sehen, wie das aussehen könnte.“

„Wie das aussehen könnte“, können die Besucher der Lesung erfahren. Um einen Überblick zu bekommen, ob die Plätze im Refektorium ausreichend für die Anzahl der Zuhörer sein werden, bittet Traugott Wrede um eine kurze Anmeldung unter der Telefonnummer (0 57 66) 81-1 25.

Bei größerem Interesse wird die Veranstaltung in die Stiftskirche verlegt.