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Loccum ‚Notabeln des Landes’ kommen nach Loccum
‚Notabeln des Landes’ kommen nach Loccum
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18:15 02.01.2012
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Loccum (ade). Die größte Nervosität von David McAllister dürfte sich gelegt haben – schließlich hat er seine Neujahrsrede bereits im vorigen Jahr vor dem erlauchten Publikum halten dürfen. Damals freute er sich fast spitzbübisch, dass er nun aus der zweiten Reihe und vom Nachbartisch direkt an den Tisch rücken durfte, an dem die Gastgeber des Empfangs sitzen.

Erneut und seit 1988 durchgehend wird Horst Hirschler einer der beiden Gastgeber sein. Hatte er diese Rolle zunächst als Landesbischof übernommen, so blieb sie ihm auch im Anschluss an die Bischofszeit erhalten – das Kloster lädt ebenso zu dem Empfang ein wie auch die Landeskirche und als Abt des Loccumer Klosters steht es Hirschler folglich immer noch zu, alle Gäste an der schweren hölzernen Tür des ehemaligen Speisesaals der Mönche zu begrüßen und nach dem Kaffeetrinken seinen Teil zu den offiziellen Reden beizusteuern.

Erstmals wird jedoch Ralf Meister an diesem 6. Januar eine Gastgeberrolle haben. Zwar stand vor einem Jahr schon fest, dass er Bischof werden würde, offiziell war er aber noch nicht in das Amt eingeführt. So übernahm ausnahms- und vertretungsweise Bischofsvikar Hans-Hermann Jantzen dessen Part. Nun darf Meister erstmals an den Tisch in der Mitte, mit der langen Bücherwand im Rücken, die einen kleinen Teil der Klosterbibliothek darstellt. Dass er vor gefülltem Raum seine erste Neujahrsansprache halten wird, daran besteht kein Zweifel. Die Einladungen zu dem Empfang sind heiß begehrt, der Erhalt des Kärtchens, das den Einlass sichert, eine Ehre. Denn mehr als 150 Menschen fasst das Refektorium nicht – auf diese Anzahl muss die Spitze der Gesellschaft Niedersachsens Jahr für Jahr reduziert werden. An Loccum als Ort für den Empfang hält die Landeskirche aber dennoch gerne fest. Neben Hannover ist der kleine Ort mit seinem Kloster, dem Predigerseminar, der Evangelischen Akademie und zahlreichen anderen kirchlichen Bildungsstätten unbestritten ein Zentrum der Landeskirche.

Seinen Ursprung hat der Epiphaniasempfang indes bei Hanns Lilje. Dieser lud 1950 nach seiner Wahl zum Abt und Landesbischof erstmals zum „Empfang zwischen den Jahren“ ein – damals noch für den 28. Dezember. Zu Ehren Liljes, der am 6. Januar 1977 starb, legten seine Nachfolger den Termin auf jenen Tag. Die „Notabeln des Landes“ nannte Lilje seine Gäste gerne – so wurden einst die Mitglieder der königlichen Ratsversammlungen in Frankreich genannt.
Ein Rückblick auf das zurückliegende Jahr aus der Sicht der Kirche und auch aus der Sicht der Landespolitik wird den Gästen stets geboten, ein Ausblick auf das, was kommen soll, ebenfalls. Und nach der Zeit „zwischen den Jahren“ in der immer alles etwas langsamer vonstatten geht, ist der Epiphaniasempfang nun schon seit mehr als 60 Jahren der Startschuss in neue Betriebsamkeit. Der Rückblick des folgenden Jahres wird zeigen, welche Ergebnisse Politik und Kirche nach ihren Absichtserklärungen vorzuweisen haben.