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Loccum "Plattdüütsch in de Kark" musste erst schick werden
"Plattdüütsch in de Kark" musste erst schick werden
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14:45 20.02.2013
Nach 50 Jahren ist "Plattdüütsch in de Kark" so anerkannt in der Landeskirche, dass zur Jubiläumsfeier nicht nur Arend de Vries (links), sondern auch Ralf Meister (4. von links) anreisen.
Nach 50 Jahren ist "Plattdüütsch in de Kark" so anerkannt in der Landeskirche, dass zur Jubiläumsfeier nicht nur Arend de Vries (links), sondern auch Ralf Meister (4. von links) anreisen. Quelle: ade
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Loccum (ade)

Manchem kommt es spanisch vor, wenn sich einmal im Jahr für eine Woche in der Evangelischen Akademie Loccum die meisten der Gäste auf plattdeutsch unterhalten. Das ist aber üblich und eine Vorgabe, die alle Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft "Plattdüütsch in de Kark" gerne mittragen. Um zu wenige Anmeldungen muss der Rektor des Loccumer Pastoralkollegs, Traugott Wrede, jedenfalls niemals bangen, wenn er ein weiteres Mal eine plattdeutsche Tagung in sein Programm hebt.

Rund 300 Mitglieder hat die Arbeitsgemeinschaft. Eine recht konstante Zahl sei das, sagt deren Leiterin Anita Christians-Albrecht. Sie kann auch fließend hochdeutsch sprechen, aber zu Höchstform läuft sie auf, als sie dem Auditorium gemeinsam mit ihrem Vorgänger Walter Scheller humorig und im Dialog vorträgt, wie das damals vor 50 Jahren war, als Pastoren die Idee hatten, eine ‚Arbeitsgemeinschaft plattdeutscher Pastoren’ zu gründen. Der Name war nach einigen Jahren wieder vom Tisch, als die Pastoren feststellten, dass es sehr viele Laien gibt, die ohne weiteres und manches Mal besser – weil authentischer - als die ordinierten Kräfte, das Evangelium auf Plattdeutsch verkünden können. Fortan nannte sich die Arbeitsgemeinschaft ‚Plattdüütsch in de Kark’. Misstrauisch beäugt wurden die ersten Pastoren, die dem Hochdeutschen auf der Kanzel gelegentlich entsagen wollten, erzählt Hein Kröger. Er ist einer dieser Männer der ersten Stunde und berichtet davon, mit welchen Widerständen vom damaligen Bischof und von Seiten des Landeskirchenamtes sie konfrontiert wurden. Mit offenen Armen wurden die Plattdeutschen hingegen im Loccumer Pastoralkolleg empfangen. Damals, um 1963, war plattdeutsch eben nicht in Mode. Erst in den 1980er Jahren änderte sich die Anschauung gegenüber den Dialekten – plötzlich war schick, was ‚Plattdüütsch in de Kark’ schon eine ganze Weile machte.

So erklärt sich vielleicht auch, weshalb zum 50-jährigen Bestehen einer der Festredner kein anderer als Landesbischof Ralf Meister war – und dieser sich der Wurzeln seiner nordfriesischen Großeltern erinnerte: die Begrüßung der Teilnehmer legte Meister in recht einwandfreiem Platt hin. Mit seinem geistlichen Vizepräsidenten Arend de Vries konnte er allerdings nicht mithalten. Der verkündete stolz, dass er der letzte Mitarbeiter im Landeskirchenamt sei, der mit Plattdeutsch als Muttersprache aufwuchs. Klar, dass der Ostfriese es genoss, an diesem Abend keinen Millimeter von seiner Muttersprache abweichen zu müssen.