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Loccum Rumpelkammer wird zum Museum
Rumpelkammer wird zum Museum
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18:15 27.02.2013
Den wertvollsten Schatz des Klosters, das Loccumer Evangeliar, sieht sich Horst Hirschler mit Sabine Schormann an, bevor das Buch in die Vitrine wandert. Quelle: ade
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Von Beate Ney-Janßen

Loccum. Als „ein lustig schön Gemach“ hat Abt Eduard Stracke vor rund 400 Jahren die Bibliothek im Kloster Loccum bezeichnet. Stracke, auf dessen Initiative die Gründung dieser Bibliothek zurückgeht, hat wohl oft und ausgiebig in den papiernen Schätzen des Klosters geblättert. Das können die Vikare, die im Kloster ausgebildet werden, auch heute noch tun – wenngleich es auch für sie schwierig sein dürfte, die wirklich wertvollen Stücke zu begutachten. Denn fernab des öffentlich zugänglichen Bereiches der Bibliothek sind die Handschriften, Papst-Urkunden, handgemalten Bibeln und alten Kräuterbücher in einem kleinen Raum gut gesichert unter Verschluss.

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 „Die teuersten zehn Quadratmeter Niedersachsens“ hat ein Konventual-Studiendirektor einmal diesen Raum genannt und damit vermutlich nicht allzu falsch gelegen. Nur zu sehr besonderen Gelegenheiten haben Besucher bisher eines dieser Werke sehen können – und dann meist nicht mehr als einen Blick auf eine Seite erhascht. Mit der Einrichtung einer kleinen Seitenkapelle in der Loccumer Stiftskirche wird es jetzt für jeden möglich, zumindest einen dieser Schätze Seite für Seite genau zu begutachten.

 Da der Raum nicht groß genug sei, um viele Exponate aus der Geschichte des Klosters zu zeigen, habe er vorgeschlagen, lediglich ein Exponat zu präsentieren, erklärt Ausstellungsplaner Stefan Iglhaut aus. Ansonsten solle die kleine Kapelle der Andacht und Kontemplation dienen.

 Dass dieses eine Exponat dann jedoch ein sehr besonderes sein muss, versteht sich von selbst – und so legt Abt Horst Hirschler schließlich das kostbarste Stück des Klosters in die mit Panzerglas gesicherte Vitrine im Zentrum der Kapelle: das Loccumer Evangeliar. Aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammt dieses einmalige, handgemalte und reich illustrierte Buch.

 200000 Euro hat das Kloster bekommen – von der Sparkassenstiftung, den Sparkassen Nienburg und Hannover sowie der Nord/LB. Die Einrichtung der Kapelle, ein Leitsystem, das bis zum Beginn des Klosterjubiläums am 21. März errichtet werden und über das Gelände und durch die Gebäude führen soll, wie auch ein kleines Buch als Klosterführer werden davon finanziert. Diese drei Bestandteile sind die Einheit, die das Kloster insgesamt als Ort mit lebendiger Geschichte darstellen sollen.

 Worauf Abt Hirschler nach vollbrachter Tat mit dem Füllen der Vitrine noch hinweist, ist eine kleine Medienstation in der Kapelle. „Das ist der letzte Schrei – man kann das Buch nämlich auch blättern“, sagt er. Sämtliche Seiten des Evangeliars sind eingescannt und können über einen Touchscreen angesehen werden. Als Zusatzmaterial und für diejenigen, die des Lateinischen nicht mächtig sind, gibt es Erläuterungen zu jeder Seite. Das Evangeliar wird indes nicht das einzige Buch sein, das jemals in die Vitrine kommt. Im dreimonatigen Rhythmus sollen andere Bücher ebenfalls gezeigt werden. Derzeit wird die erste gedruckte Bilderbibel – die Kölner Bibel von 1473 – eingescannt. Abt Stracke wäre vermutlich auch von diesem „lustig schön Gemach“ begeistert gewesen.

 „Kommen Sie mit in unsere Museums-Kapelle“, lädt Abt Horst Hirschler beim Pressegespräch ein und biegt vor dem Altar links ab. Versteckt hinter der neuen Orgel führt eine Tür in den kleinen Seitenraum. „Das war in den letzten Jahren unsere Rumpelkammer“, sagt der Abt. Ausstellungsplaner Stefan Iglhaut bestätigt, dass er vor einem Jahr dort noch Stühle und Gießkannen gesehen hat, als der Abt mit der Idee zu ihm kam, aus diesem Raum ein Museum zu machen. Was sich hinter dem Gerümpel verbarg, hat Constantin Anastasiou, der für die Sanierung der Klosterkirche zuständig ist, wieder sichtbar machen lassen, den musealen Charakter arbeitete Iglhaut heraus.

 Die Taufe Jesu ist als Wandmalerei über der Tür zur Sakristei zu sehen, ein röhrender Hirsch weist auf den Psalm 42 „Wie der Hirsch nach Wasser dürstet, so sehne ich mich nach dir, mein Gott…“ hin, unter einem Buntglasfenster ist eine schlichte hölzerne Bank aufgebaut, die den Blick auf eine Statue in der Kirche freigibt.

 Hilfestellung bekommt Hirschler dabei von Sabine Schormann, der Direktorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Durch die Stiftung sei dieses erst möglich geworden, sagt Hirschler.