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Loccum „Schwupsdiwups“ im Kreis wirbeln
„Schwupsdiwups“ im Kreis wirbeln
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17:40 02.01.2013
„Schwupsdiwups“ ist der Name, den Hannah (rechts) sich als Clown gegeben hat – wenn Clownin Kiki sie im Kreis wirbelt, passt dieser Name noch einmal so gut zu ihr. Fotos: ade
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Loccum

„Luna“ und „Schwupsdiwups“, „Mondbär“ und „Jana Glitzer“ hüpfen durch den Raum. Diese Namen haben sie sich selbst gegeben und üben nun, mal so richtig traurig zu sein. Jammervoll verziehen sie ihre Gesichter, schluchzen herzzerreißend und beklagen laut ihr Leid. In der nächsten Minute tollen sie wieder fröhlich umher und lassen sich von „Kiki“ im Kreis wirbeln.

 Kiki – im eigentlichen Leben Kerstin Beese – ist Clownin und bei der Silvestertagung für die Gruppe der Kinder bis zehn Jahre engagiert worden. Das Thema der Tagung greift auch sie mit den Kindern auf, aber eben spielerisch. Geht es bei den Erwachsenen in zehn Workshops um die Frage nach der eigenen Authentizität, so arbeiten die Kinder daran, als Clown einmal ganz anders zu sein.

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 Während die kleinen Clowns spielen, klingt aus dem Hörsaal hämmernder Beat, gefolgt vom rhythmischen Klatschen aufeinander schlagender Stöcke. Stock-Kampfkunst wird dort geübt. Wenige Türen weiter ist eine Spinnwebstube eingerichtet, ein Stockwerk darüber wird an Enneagrammen gearbeitet, etwas abseits der geräuschvollen Kurse meditiert und im Klosterforst sind die Jugendlichen mit Pfeil, Bogen und Pilgerstab auf der Pirsch. Die Auswahl der Workshop-Angebote ist groß und jeder nähert sich dem Thema der fünftägigen Tagung auf seine eigene Art und Weise an.

 So vielfältig die Angebote, so bunt gemischt sind auch die Teilnehmer. Die Jüngsten sind im Grundschulalter, die Ältesten weit jenseits der Pensions-Grenze. Familien, Singles, Paare – jeder kann sich anmelden. „In diesem Jahr haben wir darauf geachtet, dass die Altersstruktur sehr gemischt ist“, sagt Tagungsleiterin Gabriele Arndt-Sandrock und freut sich besonders, dass 28 der 175 Teilnehmer jünger als 14 Jahre sind.

 Eine Familientagung sollten die Tage um Silvester sein, das sei die Bedingung, unter der die Akademie Jahr für Jahr dieses Angebot mache. Bei verhältnismäßig günstigen Preisen und zwölf Workshops mit ausgewiesenen Spezialisten in ihren jeweiligen Bereichen sei die Tagung keineswegs kostendeckend. Und so geht es auch darum, sowohl „Wiederholungstäter“, die seit vielen Jahren den Jahreswechsel in Loccum erleben, dabei zu haben, wie auch Neueinsteiger, die die Akademie bisher nicht oder zumindest nicht unter diesem Gesichtspunkt kennen.

 So ist die Silvestertagung ein Baustein der Akademie, weitere Menschen für ihre Arbeit zu interessieren, auf den gesellschaftlichen Diskurs, der bei rund 80 Tagungen pro Jahr gepflegt wird, aufmerksam zu machen und eben auch junge und jüngste Menschen mit dieser Institution vertraut zu machen.

 Inwieweit die Teilnehmer den christlichen Hintergrund der Tagung und des Hauses für sich in Anspruch nehmen wollen, bleibt indes jedem selbst überlassen. Andachten, Meditation in der Kapelle, ein Gang zum benachbarten Kloster und schließlich ein Gottesdienst zu Silvester werden angeboten, aber keinem aufgedrängt.

 „Mein Mann ist nicht gläubig“, sagt eine junge Teilnehmerin, „aber weil er auch ohne Glauben hier schöne Tage haben kann, fährt er gerne mit mir nach Loccum.“

 Der schönste Platz für die Kinder im Plenum ist der Fußboden – dort sind sie im Mittelpunkt und haben einen guten Überblick.