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Loccum Viel Lob und Tränen der Rührung
Viel Lob und Tränen der Rührung
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20:06 06.09.2013
Horst Hirschler hat bei seiner Geburtstagfeier im Kloster Loccum viele Glückwünsche bekommen. Quelle: ade
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Von Beate Ney-Janssen

„Wir haben eine lange Wegstrecke gemeinsam verbracht.“ Nicht nur zu Fritz Erich Anhelm, dem ehemaligen Direktor der Evangelischen Akademie Loccum, hat Hirschler an diesem Tag Dinge solcher Art gesagt. Denn schließlich hat er soeben seinen 80. Geburtstag gefeiert und seine Zeit immer viel genutzt. Manche Freundschaften, viele Verbundenheiten und manches Lob für sein Lebenswerk bekam Hirschler bereits beim Defilee vor der Loccumer Klosterkirche zu hören, als er unermüdlich die Hände seiner 700 Gäste schüttelte.

 Einer, der auch schon zum 75. Geburtstag des ehemaligen Landesbischofs geduldig in langer Reihe gestanden hatte, kam auch dieses Mal, nun allerdings nicht mehr aus politischen, sondern aus rein persönlichen Beweggründen: Christian Wulff, ehemaliger Bundespräsident und vor fünf Jahren noch Ministerpräsident Niedersachsens, ließ sich diese Gratulation nicht nehmen. Im Geflecht von Politik und Kirche sind sich die beiden Männer nahe gekommen. So nahe, dass Hirschler vor Jahren den Sohn Wulffs in Loccum taufte – in aller Stille und fernab jeglicher Öffentlichkeit.

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 Einen Platz in der ersten Reihe hatte Wulff bei Hora und Grußworten in der Klosterkirche sicher. Zu den Rednern gehörte er nicht. Wohl die Hälfte der Gäste habe darum gebeten, ein Grußwort sprechen zu dürfen, sagte Arend de Vries, geistlicher Vizepräsident im Landeskirchenamt und Prior des Klosters. Das sprenge den Zeitrahmen, vier Gäste habe das Kloster gebeten, sich zu Hirschler zu äußern.

 Zu Wort kam zunächst Landtagspräsident Bernd Busemann, der auf 850 Jahre Kloster Loccum verwies, in denen die Landesherren immer gut beraten gewesen seien, sich mit dem Loccumer Abt gut zu stellen. Ohne Hirschler, sagte Busemann, wäre es auch nicht möglich, nun in dieser wundervoll restaurierten Kirche zu sitzen – was ohne diesen Abt alles nicht möglich gewesen wäre, bekam Hirschler in der folgenden Stunde noch manches Mal zu hören. Busemann wünschte sich Hirschler auch in seinem neunten Jahrzehnt als Mahner und Ratgeber.

 Ein Mann des Wortes sei Hirschler, ein mitreißender Prediger und einer, dessen Faszination man sich nicht entziehen könne, sagte Ministerpräsident Stephan Weil. Landesbischof Ralf Meister erntete Kichern von den Kirchenstühlen, als er eine Begebenheit aus Hirschlers Zeit als Konventual-Studiendirektor in Loccum erzählte. Damals habe er dem amtierenden Bischof und Abt Hanns Lilje geraten, nicht mehr mit Mitra und Krummstab in die Kirche einzuziehen – woran Lilje sich auch gehalten habe. Erheiterung gab es, weil alle Gäste wussten, dass Hirschler mittlerweile seit 13 Jahren als Abt stets bei großen Anlässen diese Relikte aus der katholischen Zeit des Klosters anlegt.

 Auch Meister nahm Bezug auf die Leistung, die Hirschler mit Kirchensanierung und Vorbereitung des Jubiläums, das das Kloster in diesem Jahr feiert, vollbracht hat. Er zog gar Parallelen zu Fontane, der „Effi Briest“ erst in hohem Alter schrieb, und Verdi, der ebenfalls alt werden musste, um eine seiner schönsten Opern zu komponieren. Als „große Taten alter Männer“ fasste er dieses zusammen. Friedrich von Lenthe, Aufsichtsratsvorsitzender der VGH, war schließlich so sehr angetan von dem, was Hirschler in Loccum vollbringt, dass er sich wünschte, im nächsten Leben Abt von Loccum zu werden.

 Hirschler selbst trat zum Schluss an das Rednerpult. Sichtlich bewegt, zu Tränen gerührt, bedankte er sich bei allen Gästen und erzählte sehr persönlich von der Zeit vor fast genau drei Jahren, als die Ärzte ihn eigentlich schon aufgegeben hatten – zu viele Metastasen an der Wirbelsäule. Dass es ihn gerettet hat, dass er sich für ein neues Medikament als Versuchskaninchen zur Verfügung stellte, will er wohl glauben. Mehr aber noch glaubt er, dass es das gütige Schicksal und sein Vertrauen in Gott waren, die ihn drei Jahre, nachdem er bereits totgesagt war, seinen 80. Geburtstag feiern ließen.