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Loccum Vom Nachhall getragen
Vom Nachhall getragen
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15:03 13.02.2013
Sieben von zwölf Autoren der Werkstattgruppe Literatur lesen im Refektorium des Klosters Loccum aus ihrem neuen Buch vor.
Sieben von zwölf Autoren der Werkstattgruppe Literatur lesen im Refektorium des Klosters Loccum aus ihrem neuen Buch vor. Quelle: ade
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Loccum (ade)

Jeder hat seinen eigenen Stil. Manche bevorzugen Lyrik, andere Prosa. Schreibt der eine seine Kindheitserinnerungen nieder, so lässt die andere ihre Eindrücke von Tagen im Kloster lebendig werden. Intime Einblicke in ihre Beziehung gewährt eine Autorin, Verbitterung über Erlebtes klingt bei einem anderen nach. Humorvoll ist manches, anderes von Trauer durchzogen oder auch von Hoffnung.

So unterschiedlich das auch ist, was die sieben Autoren aus ihrem neuen Buch „Vom Nachhall getragen“ vorgelesen haben, so haben sie doch mehrere Elemente, die sie verbinden: Nach ihrer theologischen Ausbildung sind sie nicht in den Pfarrdienst übernommen worden, weil damals, vor 15 Jahren, nicht genügend Stellen vorhanden waren. Der Schriftsteller Heinz Kattner reagierte darauf mit der Gründung der „Werkstattgruppe Literatur“, um den Theologen eine Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken und Gefühle zu Papier zu bringen. Dass aus dieser Werkstattgruppe ein fester Zusammenschluss geworden ist, der sich bereits 14 Mal im Kloster Loccum zu Tagen rund um ihre eigene Literatur getroffen hat, ahnte damals wohl keiner. Und nun ist bereits die dritte Anthologie erschienen. Loccum als Ort der Treffen ist übrigens wohlweislich gewählt, denn dieses ist der Ort, an dem sie im Predigerseminar ihre Ausbildung für den Pfarrdienst erhielten.

Mit Träumen von Kirchen hat die Lesung ihren Anfang genommen und ist auch so geendet. Mit dem „Albtraum Kirche“ ist Detlef Albrecht eingestiegen – er träumte von 300 rülpsenden Konfirmanden, die sich schmutzige Witze erzählen, einer Kanzel weit oben unter der Kirchendecke, auf der er fernab der Gemeinde eine Predigt nur für sich hält, und Fluren in dieser luftigen Höhe, in denen die Gebeine früherer Pastoren, die nicht wieder herabsteigen wollten, vermodern. Nach dem Albtraum zum Einstieg wünschte sich Jutta Schlesselmann als letzte Leserin der sieben Autoren, dass sie sich, wenn ihr Leben ende, auf die Klänge einer Orgel setzen und von ihnen hinauf in den Himmel tragen lassen könne.
Das Buch der Werkstattgruppe Literatur „Vom Nachhall getragen“ ist bei BoD erschienen und kostet 18,90 Euro. ISBN 978-3-848-25123.