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Münchehagen Bauen für den „ersten Abschnitt der Ewigkeit"
Bauen für den „ersten Abschnitt der Ewigkeit"
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16:12 31.01.2013
Wieder sicher: Constantin Anastasiou und Wolfram Braselmann sehen sich den sanierten Dachreiter an. Quelle: ade
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Münchehagen (ade). Problematisch wurde es, als Kirche und Staat an dem kleinen Gotteshaus in Münchehagens Zentrum eine Verquickung eingingen. Damals, im Jahr 1750, wollte die Kommune Münchehagen sich ein Stückchen weiter vom benachbarten Kloster in Loccum lösen und erfüllte sich den Wunsch, der Kapelle einen Dachreiter aufzusetzen. Damit konnte eine Glocke in Münchehagen geläutet werden – vorher hatten die Münchehäger auf Glockenklänge aus Loccum lauschen müssen. Die Kirche selbst gehörte zum Stiftsbezirk des Klosters und war von diesem im Jahr 1713 auch errichtet worden.

Das gut gemeinte Werk der Kommune erwies sich im Nachhinein aber als eine Arbeit, die arge statische Probleme schaffte. Obwohl nur ein kleines Türmchen aus dem Kirchendach herausragt, steckt darunter doch eine hohe und schwere Konstruktion. 20 Meter, sagt Anastasiou, sei der Dachreiter hoch. Wer die Kirche betrete, gehe praktisch durch die Tragkonstruktion. Und da der Bau ursprünglich nun einmal nicht auf eine solche Belastung ausgerichtet gewesen sei, habe er unter dem Türmchen zu leiden gehabt.

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Bereits in den 1990er Jahren hat Anastasiou eine umfangreiche Sanierung der Kirche geleitet, damals stand der Turm aber noch nicht zur Diskussion. Dass dieses nachträglich eingefügte Bauwerk es war, das manche der Risse und Wasserschäden an der Kirche verursachte, stellte sich erst heraus, als 2008 eine neue Orgel eingebaut werden sollte.

Rund 90 000 Euro sollte die Orgel kosten, ein Drittel der Kosten wollte die Landeskirche finanzieren, den Rest des Geldes hatte die Kirche in langen Jahren mühsam angespart und aus Spenden zusammen bekommen. Dann aber stiegen Anastasiou und Braselmann aufs Dach und stellten fest, dass mit den Balken des Achtecks, das der Dachreiter bildet, nicht alles zum Besten stand. Die Hoffnung auf kleinere Ausbesserungen war bald passé und es stand fest, dass nahezu alle Balken so verfault waren, dass der Turm komplett neu aufgebaut werden musste. Glück war es da für die Kirchengemeinde, dass sie noch nicht die Baulast vom Kloster übertragen bekommen hatte – so lag es am Kloster, die Kosten in Höhe von rund 380 000 Euro für die Sanierung aufzubringen. Die Kommune hatte schon lange zuvor ihre Verantwortung für den Dachreiter an das Kloster abgetreten und war somit ebenfalls aus dieser Verantwortung heraus.
Der Orgelbauer, der eigentlich schon parat gestanden hatte, um den Klangkörper auszutauschen, wurde wieder nach Hause geschickt, die Orgel eingelagert und die neuerliche Sanierung der Kirche begonnen. „Die Giebelwand“, erzählt der Bauleiter, „hatte eigentlich keinen Halt mehr.“ Alles andere als einfach sei diese Sanierung gewesen, auch wenn die Kirche so klein erscheine. Durch die Bewegungen des Turms, den Wind, der an ihm rüttelte, und die immer wiederkehrenden Schwingungen der Glocke hatte sich die Wand nach vorne geneigt – um 26 Zentimeter.

Gehämmert, gesägt und angestrichen wird auch jetzt noch – vier Jahre nach dem Beginn der Bauarbeiten. Allerdings ist nun auch der Orgelbauer wieder angerückt. Das Gerüst für die Orgel steht, bald werden die ersten Pfeifen eingebaut, dann muss sie noch gestimmt werden. „Auf einige Wochen mehr oder weniger kommt es jetzt nicht mehr an“, sagt Braselmann – aber im Sommer sollen die gelungene Sanierung und die neue Orgel mit einem Fest gefeiert werden. Steht dieser Termin auch noch nicht fest, so hat die Gemeinde ein anderes Datum aber schon notiert: am 31. August will sie nicht nur ihr Erntefest feiern, sondern auch das 300-jährige Bestehen ihrer Kirche – auf dem Weg zum ‚ersten Abschnitt der Ewigkeit’.