Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Münchehagen Gang über die Deponie weckt Erinnerungen
Gang über die Deponie weckt Erinnerungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:34 11.05.2014
Wachsam zu bleiben ist ein Anliegen, das Dieter Hüsemann (links) und Wolfgang Völkel im Bezug auf die Sonderabfalldeponie teilen. Quelle: ade
Anzeige
Münchehagen.

„Früher haben wir hier gebadet“, sagt ein älterer Herr, „als hier noch eine Tongrube war.“ Dann lässt er sich anhand von Querschnitten und Grundrissen erklären, was in den Jahrzehnten danach auf dem Platz passiert ist, an den er so schöne Kindheitserinnerungen hat.

Das Misstrauen hat sich auch nach der Sicherung der Altlast in der Bevölkerung nicht ganz gelegt. Wolfgang Völkel ist einer derjenigen, die seinerzeit in den achtziger Jahren vor dem Tor standen. Wachsam zu bleiben, das ist sein vorrangiges Ziel. 30 Jahre sind schließlich seit der Schließung der Anlage vergangen. Da interessieren sich nicht mehr so viele Menschen für das Gift, das in dem riesigen Deponiekörper eingeschlossen ist. „Eigentlich war unser Ziel, dass der Dreck hier weg kommt“, bekräftigt Völkel. Jetzt liegt er immer noch dort in den Gruben, wenn auch gesichert.

Anzeige

Hautnah erlebt hat auch Dieter Hüsemann die Geschichte der Altlast, wenn auch erst ab 1989. Damals wurde er Stadtdirektor Rehburg-Loccums – und wusste kurz nach Amtsantritt kaum wie ihm geschah, als er sich zu der Problematik äußern sollte. Ahnung hat er schnell bekommen und hat manche harte Verhandlung geführt in den Folgejahren, sich in mancherlei Beziehung mit den Bürgerinitiativen solidarisiert und sowohl mit ihnen als auch mit dem Land Niedersachsen nach einer Lösung gesucht. Dass die Erinnerung an das, was dort unter der grünen Decke liegt, nicht verblassen darf, dass die Kontrolle nahtlos weitergehen muss, auch wenn das Land Jahr für Jahr sechsstellige Summen dafür ausgibt – das sieht er genauso wie Wolfgang Völkel. ade

SAD - Eckpunkte einer langen Geschichte

15 Jahre lang sind Abfälle aller Art in der Münchehäger Deponie abgeladen worden, bevor sie 1983 geschlossen wurde. Welche Stoffe genau in dem Deponiekörper lagern, ist bis heute nicht bekannt. Bundesweit für Aufsehen erregte die Deponie, als der Verdacht aufkam, das so genannte Seveso-Gift könne sich dort befinden. Fakt ist, dass damals die weltweit höchste Konzentration von Dioxin in Münchehagen gemessen wurde.

Sowohl etliche Anlieger als auch die betroffenen Kommunen – die Städte Rehburg-Loccum und Petershagen sowie die Samtgemeinde Niedernwöhren - machten in dieser Zeit mobil. Da die Eigentümer der Deponie insolvent waren, trat das Land Niedersachsen schließlich ein. Und da es nicht möglich erschien, die Giftstoffe aus dem Deponiekörper zu entfernen, wurde als Lösung der Misere die Sicherung der Deponie beschlossen. Dazu gehört unter anderem der Bau einer umschließenden Dichtwand um den Deponiekörper, die bis in 30 Meter Tiefe getrieben wurde. Eine Abdeckung an der Oberfläche ist eine weitere Maßnahme, die umgesetzt wurde. Zugleich wurden auch Messstationen eingerichtet.

Zur Kontrolle und Auswertung dieser Messungen ist ein Bewertungsgremium eingesetzt worden, das aus Gutachtern besteht, die zum einen von Kommunen und Anliegern, zum anderen vom Land Niedersachsen eingesetzt wurden. Dieses Gremium legt jährlich einen Bericht vor und spricht Empfehlungen für die weitere Verfahrensweise aus. ade