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Rehburg Arbeiten mit Plänen aus Katakomben
Arbeiten mit Plänen aus Katakomben
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22:27 10.08.2010
Mit den alten Zeichnungen von Ernst Meßwarb arbeitet Architekt Thorsten Schirmer, um unter anderem auch den Giebel zu rekonstruieren. Foto: ade
Mit den alten Zeichnungen von Ernst Meßwarb arbeitet Architekt Thorsten Schirmer, um unter anderem auch den Giebel zu rekonstruieren. Foto: ade
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In wenigen Tagen wird die Villa an der Straße zwischen Rehburg und Bad Rehburg eingerüstet. Dafür hat Architekt Thorsten Schirmer bereits die riesigen Rhododendren-Büsche zurückschneiden lassen. „Sonst kommen wir mit dem Gerüst gar nicht an die Fassade“, sagt er. Die Rhododendren sollen allerdings erhalten bleiben, denn sie stammen noch von 1901 und bildeten damals, als das Haus gebaut wurde, einen der ersten Rhododendren-Parks Norddeutschlands.
Der Giebel, der der Straße zugewandt ist, ist eine der großen Herausforderungen, denen sich Schirmer bei der Sanierung stellt. Alte Pläne von Meßwarb, die Schirmer „in den Katakomben des Archivs der Universität Hannover ausgebuddelt hat“, zeigen die geschwungenen Linien, die dieser Giebel einst hatte und die schmiedeeisernen Verzierungen auf dem First, die sich in den Himmel reckten. Vermutlich sei der Giebel irgendwann gebröckelt und auf einfache Art repariert worden, meint der Architekt mit Blick auf das schmucklose Satteldach, dass bald sein altes Aussehen wieder annehmen soll. Im Haus sind bereits zahlreiche Handwerker bei der Arbeit. Elektroinstallation, Sanitäranlagen, Bäder und Küche müssen von Grund auf erneuert beziehungsweise erstmals eingebaut werden.
„Wir rühren so wenig wie möglich und so viel wie nötig an“, sagt Schirmer und handelt damit im Einklang mit dem neuen Eigentümer. Der habe die Villa vor einiger Zeit bei einer Motorradtour entdeckt und sich spontan in das Haus verguckt. Einige Zeit später habe ein Freund von ihm das Maklerschild vor der Tür gesehen – im November will der Schleswig-Holsteiner in die Ernst-Jünger-Villa einziehen.
Unter Denkmalschutz stehen das Haus, der Park und die Toranlage, werden eingegliedert in den „Rehburger Baustil“, den Ernst Meßwarb (1873-1960) und sein Vater Wilhelm Meßwarb prägten. Irgendwo zwischen Historismus und Jugendstil, mit klassizistischen Elementen, sind die Bauten der Meßwarbs einzuordnen und prägen insbesondere das Erscheinungsbild Rehburgs. Verspielt, phantasievoll und detailverliebt sind alle diese Bauten. Das zeigt sich auch im Inneren der Jünger-Villa, wie sie in Rehburg genannt wird. Vom fein geschnitzten Treppengeländer über Intarsien-Arbeiten auf den Wandvertäfelungen bis zum Kamin in der Empfangshalle hat Meßwarb kaum etwas dem Zufall überlassen. Der Stil werde sich auch bei den neuen Einbauten widerspiegeln, sagt Schirmer. So solle beispielsweise die Ausstattung der Badezimmer soweit möglich historisch angeglichen werden.
Auf eine Restaurierung der Parkanlage hofft Schirmer im kommenden Jahr ebenso wie darauf, dass das Haus zum „Tag des offenen Denkmals“ besichtigt werden kann. Mit solch einer Öffnung könnten viele Menschen aus der Umgebung einen direkten Vergleich bekommen, nachdem die Maklerin im vergangenen Jahr zu einem Tag der offenen Tür eingeladen hatte, den nicht nur Kaufinteressenten nutzten. Über Kreisgrenzen hinweg reisten sie damals an, um zu sehen, wo Ernst Jünger einst gelebt und Ernst Meßwarb gebaut hat.