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Rehburg Auf die Zugspitze geht es weniger bergauf
Auf die Zugspitze geht es weniger bergauf
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12:43 30.07.2012
Den Laufschuhen von Holger Vergin ist ebenso wenig wie ihm selbst anzusehen, dass sie gemeinsam gerade einen Lauf über 160 Kilometer innerhalb von wenig mehr als 24 Stunden hinter sich gebracht haben.
Den Laufschuhen von Holger Vergin ist ebenso wenig wie ihm selbst anzusehen, dass sie gemeinsam gerade einen Lauf über 160 Kilometer innerhalb von wenig mehr als 24 Stunden hinter sich gebracht haben. Quelle: ade
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Rehburg (ade). „Für das bisschen Training bin ich ziemlich weit gekommen.“ ‚Das bisschen Training’ heißt für Holger Vergin, dass er über Monate pro Woche 75 Kilometer gelaufen ist, entweder nach der Arbeit oder an den Wochenenden. Einmal in der Woche stand eine Marathon-Distanz auf seinem Trainingsplan. Was für andere eine Herausforderung ist, macht er quasi als Entspannungseinheit nach Büroschluss.

Schließlich hatte er ein klares Ziel vor Augen: nach seinem letzten Ultra-Lauf – so werden die Distanzen über 100 Meilen genannt - vor drei Jahren wollte er erneut dazu antreten. Ein Einladungslauf sei das gewesen, erzählt er. Einer, zu dem sich nicht jeder Interessent einfach anmelden konnte. Nur diejenigen, denen die Einladung vom Vorsitzenden des TSV Sibbesse ins Haus flatterte, hatten eine Chance, dabei zu sein.

Was ihn in Sibbesse nahe bei Hildesheim erwartete, wusste Vergin schon ziemlich genau, denn drei Jahre zuvor hatte er das Abenteuer dort erstmals gewagt: 100 Meilen in vier Schleifen um Sibbesse herum und nicht nur tagsüber, sondern auch in stockfinsterer Nacht waren sein Ziel.

Die erste Schleife, erzählt er, sei besonders schwierig gewesen. Brennnesseln bis zur Brust, schmale Waldpfade, die kaum mehr als ein Wildwechsel waren, Wurzeln und Steine auf dem Boden – da muss jeder Schritt mit Bedacht gewählt werden, wenn es nicht der letzte auf dem Lauf sein soll. Die Wege, die er nachts lief, waren besser ausgebaut, die Kopflampe auf weiten Strecken aber dennoch die einzige Lichtquelle. Da versteht es sich von selbst, dass mehr als nur Wasser zum Gepäck gehört, Pflaster, Jacke, Mütze und Erdnüsse im Rucksack auf und ab hüpfen. Schließlich sind die Läufer auf weiten Strecken alleine unterwegs und die Versorgungsstationen kilometerweit voneinander entfernt.

Mit 20 Jahren hat Vergin mit dem Laufen begonnen. Damals spielte er nicht nur recht erfolgreich Badminton, sondern rauchte auch noch – was sich unvorteilhaft auf seine Kondition auswirkte. Um mit seinen Teamkameraden besser mithalten zu können, begann er zu laufen. Badminton und Rauchen hat er mittlerweile sein lassen, nur das Laufen ist geblieben und das seit nunmehr 30 Jahren. Vor wenigen Monaten hat er seinen 50. Geburtstag gefeiert.

„Schnell werde ich nie sein“, sagt er, dafür aber eben ausdauernd. Und immerhin habe er dieses Mal rund eine Stunde weniger für die 100 Meilen gebraucht, als noch vor drei Jahren. Dafür hat er auch zum ersten Mal in seiner Läufer-Laufbahn leichte Blessuren an den Füßen davongetragen. Das schreckt ihn aber nicht davon ab, in diesem Jahr noch einen dieser ‚Ultra’ zu laufen, wie sie bei den Läufern genannt werden. Der werde auch weniger anstrengend meint er - zwar genauso lang wie der Lauf in Sibbesse, aber mit weniger Höhenmetern. Denn das sei die größte Herausforderung gewesen: 3.000 Meter auf Berge herauf und genauso viele Meter wieder herunter zu laufen. Hört sich so an, als ob ein Lauf auf die Zugspitze mit ihren 2.962 Metern über Normalnull für Holger Vergin fast ein Kinderspiel sein müsste.