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Rehburg Bügeleisen als Hochzeitsgeschenk
Bügeleisen als Hochzeitsgeschenk
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16:38 17.05.2013
Etliche ausgefallene Stücke seiner Bügeleisen-Sammlung zeigt Günter Hetebrink noch bis zum 2. Juni im Rehburger Heimatmuseum.
Etliche ausgefallene Stücke seiner Bügeleisen-Sammlung zeigt Günter Hetebrink noch bis zum 2. Juni im Rehburger Heimatmuseum. Quelle: ade
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Rehburg. Das außergewöhnlichste Stück, das Schneidermeister Günter Hetebrink mitgebracht hat, ist vermutlich das Billardtisch-Bügeleisen. Die Frage, ob das ein Scherz sein solle, hat er sich am ersten Tag seiner Ausstellung im Rehburger Heimatmuseum einige Male anhören müssen – und bestimmt noch nicht zum letzten Mal. Doch, doch, antwortet er dann stets, ein Billardtisch habe schließlich rechte Winkel und weshalb solle das Tuch dann mit einem konisch zulaufenden Bügeleisen in Form gebracht werden? Vier rechte Winkel seien dann doch viel besser. Die Geschichte, wie er zu diesem Gerät gekommen ist, erzählt er dann auch gleich noch: auf einer Reise durch Schottland habe er es in seiner Pension entdeckt – dort wurde es als Türstopper genutzt.

Die hohe Kunst des Bügelns hat Hetebrink während seiner Lehrzeit gelernt, hatte irgendwann vier oder fünf alte Bügeleisen einfach so zum Spaß in seinem Haus aufgestellt und las dann in einer Schneider-Zeitung von einem Kreis von Sammlern, der zu einem Treffen einlud. Das war 1993 und seitdem fährt er jährlich mindestens einmal los, um sich mit anderen zu treffen, die ebenfalls Bügeleisen sammeln. Nationale Treffen gibt es, aber auch internationale. In Jugoslawien, erzählt er, seien sie bei einem Sammler zusammen gekommen, der einen ganzen Raum nur mit gefälschten Bügeleisen gefüllt habe. Bei einer Sammlungs-Größe von 25.000 Stück ist das nicht unbedingt schwer. Die nächste Reise ins französische Metz ist schon geplant und wird wie bei den Treffen zuvor immer mit einem kleinen Urlaub kombiniert.

Rund 300 Bügeleisen besitze er selbst, sagt Hetebrink – alt oder aber außergewöhnlich müssen alle Stücke sein, die bei ihm bleiben dürfen. Wie etwa das Bügeleisen mit Glutbolzen aus dem Jahr 1870. Der metallene Griff wird von sich windenden Fischen getragen, in die Klappe im hinteren Teil konnte ein heißer Stein gelegt werden. Und auf der Klappe ist eine Inschrift. „Das war zu jener Zeit ein übliches Hochzeitsgeschenk“, sagt Hetebrink. Der Bräutigam ließ beim Schmied ein Bügeleisen für seine Braut anfertigen. Immerhin – die Damen wurden mit Unikaten bedacht, die heutzutage Sammlerherzen höher schlagen lassen.

Eher für größere Schneidereien hingegen waren die Öfen für Bügeleisen gedacht – facettenartig sind auf diesem Ofen die Wände angeordnet. So lässt sich auf jede Fläche ein einfaches Bügeleisen stellen – und kein Geselle konnte Pause machen, weil sein Werkzeug nicht heiß war. Mit Spiritus, Benzin oder Holzkohle wurden andere Bügeleisen befeuert. Kaum etwas, das im Lauf der Jahre nicht als neueste Errungenschaft und beste Technik an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht werden sollte.

Weil er Lust hatte, einige Stücke seiner Sammlung zu zeigen, hat Günter Hetebrink sich mit dem Heimatmuseum in Rehburg in Verbindung gesetzt. Ansonsten bekommen nur seine Kunden die angesammelte Vielfalt zu sehen. Nebenbei, sagt der 66-Jährige, mache er in seiner Schneiderwerkstatt in Gandesbergen immer noch einige Schneiderarbeiten. Das Ankleidezimmer, das seine Kunden dann nutzten – das sei auch sein Ausstellungsraum.