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Rehburg „Kinder gehen sang- und klanglos unter“
„Kinder gehen sang- und klanglos unter“
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18:01 02.06.2014
523 Unterschriften für den Erhalt der Rehburger Förderschule hat Grant-Hendrik Tonne (Zweiter von rechts) von Eltern und Lehrern der Wilhelm-Busch-Schule überreicht bekommen.  Quelle: ade
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Rehburg

„Die Kinder gehen sang- und klanglos unter, wenn sie integrativ beschult werden sollen“, sagte Lydia Grote. Ihr Sohn besucht seit einigen Jahren die Förderschule in Rehburg. Nachdem er an einer Grundschule nichts anderes als Niederlagen einstecken musste, habe er nun Erfolgserlebnisse, sein Selbstbewusstsein sei gewachsen, und es gehe ihm einfach gut, sagte sie. Ähnliches erzählte Nicole Aselmann von ihrem Sohn. Ihn womöglich wieder auf eine andere Schule schicken zu müssen, ist eine Vision, die nicht nur sie, sondern auch ihr Kind zittern lässt.

Lernen sei der Schwerpunkt der Förderung in der Wilhelm-Busch-Schule, erläuterte Schulleiter Jens Notzke dem Landtagsabgeordneten. Was bei vielen der Kinder, die diese Schule besuchten, aber auch hinzukomme, seien psychologische Probleme. Marlis Köster-Bode und Dietmar Hoffmann konnten das nur bestätigen. Beide arbeiten als Therapeuten in der Rehburger Kinder- und Jugendeinrichtung „Die Güldene Sonne“. Dort, sagten sie, leben viele traumatisierte Kinder, für die eine intensive Betreuung in der Schule wichtig sei.

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Das Ziel der Inklusion wollten sie ebenso wie alle anderen, die mit Tonne an einem Tisch sitzen, nicht in Frage stellen. Die Umsetzung durch die Landesregierung bemängelten sie jedoch stark. Werden momentan die Schüler in der Förderschule ausschließlich von ausgebildeten Förderschul-Pädagogen unterrichtet, so soll das künftig von den Lehrkräften an den Regelschulen geleistet werden. Inklusion sieht vor, dass je Klasse und Woche lediglich für zwei Stunden ein Förderschullehrer eingesetzt wird.

Eltern der Förderschule haben versucht, auf diese Situation aufmerksam zu machen und 523 Unterschriften für den Erhalt der Schule gesammelt. Das wird voraussichtlich keine Wirkung zeigen, auch wenn Tonne zusagte, die Listen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt zu überreichen – zusammen mit den Bedenken, die Lehrer, Eltern und Schüler haben. An dem Beschluss, Inklusion konsequent umzusetzen, sei nicht mehr zu rütteln, sagte Tonne. Eine Förderung von zwei Stunden pro Woche als Pauschale könne so aber nicht Bestand haben, und aus dem Ausscheiden weiterer Förderschulzweige müsse eindeutig Tempo herausgenommen werden, damit das wichtige Ziel der Inklusion nicht gefährdet werde, indem Schüler damit Ängste, Versagen und Scheitern verbinden.

Von Beate Ney-Janssen