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Nach Sperrandrohung kommen Raten oder Dunkelheit
Nach Sperrandrohung kommen Raten oder Dunkelheit
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13:56 13.01.2012
Wenn es für eine warme Wohnung nicht mehr reicht: Die Energiekosten wachsen vielen geringverdienenden Familien über den Kopf.
Wenn es für eine warme Wohnung nicht mehr reicht: Die Energiekosten wachsen vielen geringverdienenden Familien über den Kopf. Quelle: Imh
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Landkreis (lmh). Für viele sei die Sperrandrohung von Strom oder Gas der Anlass, bei ihr Hilfe zu suchen, berichtet Carina Prinz, Schuldnerberaterin beim Diakonischen Werk in Stadthagen. Die Tendenz sei steigend – wie die Stromkosten. „Die Menschen, die wenig Geld haben, leben in der Regel auch in schlechten Wohnverhältnissen“, verdeutlicht Heidemarie Hanauske, Kreisgeschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Unter anderem uralte Heizungen, schlechte Isolierungen oder stromfressende Billiggeräte sorgten für überdurchschnittliche Energierechnungen. „Da beißt sich die Katze so ein bisschen in den Schwanz.“

Awo-Sozialberaterin Ulrike Domnich kann ein Lied davon singen. „Das betrifft viele Haushalte, wo zwar Verdiener da sind, das Einkommen aber nur ganz knapp die Grenze der Bezuschussungsmöglichkeiten übersteigt“, erklärt die Sozialpädagogin. „Eine Rechnung von mehreren hundert Euro stellt dann ein riesiges Problem dar.“

Oft scheuten sich die Betroffenen, um Hilfe zu bitten, berichtet Domnich. „Die Leute versuchen das irgendwie noch zu managen, bis sie an einem Punkt angelangt sind, an dem gar nichts mehr geht.“ Manche Menschen kämen erst, wenn sie schon mehrere Monate ohne Strom, Heizung und warmes Wasser hinter sich hätten. „Das sind oft Familien mit kleinen Kindern“, verdeutlicht Domnich.

Besonders deutlich stehe ihr noch ein Fall vor Augen, in dem eine berufstätige Alleinerziehende sich drei Jahre lang ohne Gasheizung arrangiert hatte. „Dann kam letztes Jahr der harte Winter, und sie hat sich mit Elektroöfen beholfen. Klar, dass dann eine riesige Stromrechnung aufgelaufen ist, die sie nun auch nicht bezahlen kann.“

Laut Aussage von Edgar Schroeren, Pressesprecher von E.on Westfalen-Weser, zeige sich dieser Stromkonzern in solchen Fällen durchaus verhandlungsbereit: „Es liegt ja nun wirklich nicht in unserem Interesse, dass die Leute im Dunkeln sitzen.“ Ombudsleute vereinbarten Ratenzahlungen – oft unter Vermittlung von Awo und Schuldnerberatung.

Prinzipiell sei der Stromversorger aber befugt, ab einer dreistelligen Schuldensumme seine Belieferung einzustellen. In der Praxis geschehe das aber nur in Einzelfällen, betonte Schroeren. Von denen kennt Domnich in Schaumburg wiederum „bestimmt zwei Hände voll“, die ohne Strom, ohne Heizung oder ohne Beides dasitzen.