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Stadt Rehburg-Loccum Akten werden Bauklötzen weichen
Akten werden Bauklötzen weichen
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11:58 18.01.2012
Schluss mit dem Amt: Dieter Hüsemann – noch Bürgermeister Rehburg-Loccums – entledigt sich etlicher Akten, bevor er frohgemut in den Ruhestand geht.
Schluss mit dem Amt: Dieter Hüsemann – noch Bürgermeister Rehburg-Loccums – entledigt sich etlicher Akten, bevor er frohgemut in den Ruhestand geht. Quelle: ade
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Rehburg-Loccum (ade). Er will es mit Eisenhower halten, sich nach seiner Pensionierung zunächst in einen Schaukelstuhl setzen – und in sechs Monaten ganz langsam mit dem Schaukeln beginnen. Das zumindest behauptet Dieter Hüsemann, wenn er auf das ‚Danach’ angesprochen wird. Mit einem Zwinkern sagt er es allerdings und ganz und gar stimmen kann es nicht. Ansonsten hätte er wohl kaum erst vor wenigen Tagen zugestimmt, den Vorsitz des Fördervereins der ‚Romantik Bad Rehburg’ zu übernehmen. Dieses Ehrenamt hat er gerne im Hinblick auf die Zeit nach dem Rathaus übernommen. Sein anderes Ehrenamt – den Sitz im Vorstand der Evangelischen Heimvolkshochschule Loccum – will er ebenso gerne behalten. Und dann sind da noch die Enkeltöchter, eine erst wenige Monate, die andere etwas mehr als ein Jahr alt, um die er sich gemeinsam mit seiner Frau viel mehr kümmern will. Stunden mit Akten auf dem Schreibtischstuhl werden also vermutlich Stunden mit Bauklötzen und Bilderbüchern auf dem Fußboden weichen.
Den Schreibtisch hat Dieter Hüsemann eigentlich sowieso nicht zum Ziel gehabt, als er seinen Schulabschluss im heimischen Dortmund in der Tasche hatte. „Irgendwas mit Chemie“ war damals sein Ziel. Das klappte nicht so wie gewollt. Da bewarb er sich als Steueranwärter beim Finanzamt Dortmund, fand doch Gefallen an Schreibtischarbeit und studierte schließlich noch berufsbegleitend „Verwaltung und Recht“. So landete er schließlich bei der Stadt Espelkamp und das gleich als allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. 17 Jahre blieb er dort und jonglierte als Kämmerer mit Zahlen. Dann, meint er, habe er Lust darauf bekommen, etwas Neues anzufangen und von der zweiten auf die erste Position zu rücken. Es traf sich gut, dass die Stadt Rehburg-Loccum einen Stadtdirektor suchte. Hüsemann bewarb sich – und trat seinen Posten am 1. Juni 1989 an.

Gefallen habe ihm an der Arbeit für die Stadt, dass er in der relativ kleinen Kommune unmittelbar gestaltend wirken konnte, sagt er. Manches habe ihn zwar verwundert – dass er sich zu Schützenfesten mit Zylinder und Säbel uniformieren musste, hatte er nicht erwartet – habe aber respektiert, dass zu solch einem Amt auch die Verantwortung für die Pflege der Traditionen gehört. Was ihn im Rückblick freue an dem, was sich während seiner Amtszeit in der Stadt getan habe, das seien wohl auch die großen Projekte, die zu einem guten Abschluss gekommen seien, wie etwa die Sanierung der historischen Kuranlage in Bad Rehburg. Nicht minder sei er aber froh über viele kleine Dinge, die umgesetzt werden konnten. Und was die Arbeit immer erleichtert und den Spaß daran erhalten habe, das sei die Zusammenarbeit mit den Menschen aus der Verwaltung, aus der Politik und aus den Vereinen gewesen. „Es gab immer Leute, auf die ich mich verlassen konnte“, sagt er.

Diejenigen, auf die er sich verlassen konnte, haben wohl auch gemeint, dass er jemand sei, auf den sie sich verlassen könnten. So jedenfalls einigten sich alle Stadtratsfraktionen darauf, Hüsemann zu unterstützen und keinen anderen Kandidaten aufzustellen, als im Jahr 2001 keine Stadtdirektoren mehr in den Ämtern sitzen sollten, sondern hauptamtliche Bürgermeister. Sowohl 2001 wie auch 2006 wurde er von den Bürgern „seiner“ Stadt zum Bürgermeister gewählt.

Manche Verlockungen habe es in den mehr als 22 Jahren gegeben, bekennt Hüsemann. Hauptverwaltungsbeamter habe er auch in anderen Kommunen werden könne, und als Landrat für den Kreis Nienburg hätten ihn manche gerne gehabt. Allen Versuchungen habe er aber gerne widerstanden, weil ihm seine Arbeit genau an dieser Stelle gut gefallen habe.
Nun hat er allerdings wieder Lust, etwas Neues anzufangen und lässt sich zum 1. Februar von seinem Nachfolger Martin Franke im Rathaus ablösen. Zu seinem Geburtstag bekommt er zuvor aber noch einen Empfang, den Rat und Verwaltung für ihn vorbereitet haben.

„Noch keine Begräbnisreden“ wünschte sich Hüsemann im vergangenen Oktober, als er die silberne Ehrennadel für 20 Jahre als Hauptverwaltungsbeamter ans Revers geheftet bekam. Ob sich alle Anwesenden bei dem Empfang daran halten werden, muss sich noch zeigen. Fast sicher aber ist, dass der Jubilar einen Zettel aus seiner Jackentasche ziehen wird, auf dem ein treffsicheres Zitat von Wilhelm Busch steht. Das hat er schließlich fast jedes Mal gemacht, wenn er in den nun vergangenen Jahren gehalten war, einige Worte vor Publikum zum Besten zu geben. Dass er seine „spitze Ironie“, die Nienburgs Landrat Detlev Kohlmeier ihm einmal bescheinigte, an diesem Abend nicht ablegen wird, ist fast ebenso sicher.