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Stadt Rehburg-Loccum Deponiegase nur noch passiv abführen
Deponiegase nur noch passiv abführen
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20:27 15.12.2013
In großer Runde hat der Vorsitzende des Bewertungsgremiums, Meinfried Striegnitz (2. von rechts, sitzend) den Jahresbericht zur Sonderabfalldeponie erläutert.
In großer Runde hat der Vorsitzende des Bewertungsgremiums, Meinfried Striegnitz (2. von rechts, sitzend) den Jahresbericht zur Sonderabfalldeponie erläutert. Quelle: ade
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Rehburg-Loccum

In den neunziger Jahren verursachte der Name Münchehagen bundesweit Unbehagen. SAD – die Sonderabfalldeponie – war das, was damit in Verbindung gebracht wurde. Kommunen und Anwohner gingen damals auf die Barrikaden, das Land stieg in den Prozess ein und alles gipfelte darin, dass ein Sicherungskonzept entwickelt und 1999 bis 2000 umgesetzt wurde. Damit konnte der Name Münchehagen sich eher wieder sehen lassen, denn nun wurde dieses Sicherungskonzept als Vorbild genommen für andere Fälle, in denen Deponien ähnlicher Art Probleme bereiteten.

 Für Kommunen und Anwohner ist mit der Umsetzung des Sicherungskonzeptes der Prozess aber nicht beendet gewesen. Ständige Beobachtung und ein Gremium, in das alle beteiligten, beziehungsweise betroffenen Parteien, Vertreter gesandt haben, das jährliche Berichte vorlegt, gehören auch heute noch dazu. Kritisch beäugt wird alles, was sich auf der Deponie tut. Selbst jetzt, wo nach weit mehr als zehn Jahren durchweg positive Erfahrungen gemacht wurden, stellen alle Vertreter in Aussicht, dass sich dieses Gremium auch in weiteren zehn Jahren immer noch regelmäßig treffen wird. Die Giftstoffe sind schließlich immer noch in dem ummantelten, abgedeckten und überwachten Deponiekörper enthalten.

 Die gute Nachricht dieses Jahres hat der Ausschussvorsitzende Striegnitz an den Anfang seines Statements gestellt: kein Schadstoffaustrag. Das ist wichtig. Was sich jedoch nach etlichen Jahren Beobachtung und einigen Versuchen ändern soll, ist die Abschaltung der Absaugung von Deponiegas. Vor rund drei Jahren wurde dieses erstmals versucht, die Erfahrungen waren durchweg gut und somit ist nun der Stand erreicht, dieser Absaugung endgültig den Rücken zu kehren und nur noch passiv Deponiegase abzulassen.

 Was sich außerdem auf dem Gelände ändern soll, ist der Abriss von zwei Hochbehältern. Jeder von ihnen kann 2000 Kubikmeter Wasser fassen, jeder ist rund sieben Meter hoch. Noch vor Beginn der Sicherungsmaßnahmen seien sie gebaut worden, sagte Striegnitz. Ursprünglich sollte kontaminiertes Wasser darin gesammelt werden. Zum vollen Einsatz seien sie jedoch nie gekommen und im Prinzip überflüssig auf dem Gelände. Der Rückbau, sagt ein Mitarbeiter des Umweltministeriums des Landes, werde rund 300000 Euro kosten, das Land habe sich vertraglich verpflichtet, diesen Rückbau vornehmen zu lassen. Der Bau der beiden Behälter kostete seinerzeit rund fünf Millionen Mark.

 Wer sich für das Gelände interessiere, fügte Striegnitz hinzu, könne einen Tag der offenen Tür nutzen, der für Freitag, 9. Mai 2014, geplant sei. Das hätten unter anderem die Kommunen angeregt, sagte Bürgermeister Martin Franke. ade

KOMMENTAR VON BEATE NEY-JANSSEN

Alles schön und gut, wie es dort auf der Sonderabfalldeponie Münchehagen läuft. Sehr gut sogar, schließlich können sich diejenigen, die im Umkreis der Deponie leben, seit mehr als zehn Jahren wieder sicher fühlen und sich sicher sein, dass das Land Niedersachsen auch weiterhin mitzieht und auch weiterhin Geld hinein stecken wird, dass das so bleibt.
Manchmal scheint der Teufel aber im Detail zu stecken und manchmal könnte es durchaus sein, dass auch bei Gutem des Guten zu viel getan wird. Das Detail in diesem Fall und in diesem Jahresbericht könnten bei genauerem Hinsehen die Hochbehälter sein, deren Rückbau freudestrahlend verkündet worden ist. Sie verursachen keinen Schlagschatten und keinen Lärm. Sie pusten keine Emissionen in die Luft und verschandeln nicht das Landschaftsbild. Sie stehen nicht an exponierter Stelle und können auch für Spaziergänger nicht zur Gefahr werden - schließlich stehen die beiden Hochbehälter, die das Umweltministerium des Landes nun zurückbauen – also abreißen – will, auf einem Gelände, das ringsum eingezäunt und gut gesichert ist und das zudem weitab von jeglicher menschlicher Siedlung liegt.
Dennoch, der Rückbau müsse sein, sagt ein Ministeriumssprecher. Schließlich bestehe eine vertragliche Verpflichtung dazu. Und das Umweltministerium halte sich an solche Verpflichtungen.
300 000 Euro soll es also kosten, diese Behälter auf dem Gelände der Sonderabfalldeponie abzureißen. Weil sich das Land Niedersachsen irgendwann einmal dazu verpflichtet hat. Drängt sich da nicht die Frage auf, ob es sinnvoll wäre, wenn auch Ministerien gelegentlich über ihre eigene Nasenspitze hinaus sehen würden? Und versuchen, das große Ganze im Blick zu behalten?
300 000 Euro sind im Haushalt des Landes vielleicht nur Peanuts. In mancher der Kommunen, die Jahr für Jahr die Berichte des Bewertungsgremiums anhören, sind sie aber eine erkleckliche Summe. Und für den durchschnittlichen Steuerzahler eine Menge Geld, die durchaus sinnvoller angelegt werden könnte.