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Stadt Rehburg-Loccum Gemeinschaftsgefühl steht nicht im Baugesetzbuch
Gemeinschaftsgefühl steht nicht im Baugesetzbuch
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19:00 11.03.2014
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Von Beate Ney-Janssen

Vikare kommen mittlerweile zur Ausbildung im Loccumer Kloster nicht mehr ausschließlich aus der Landeskirche Hannovers. Auch andere Landeskirchen schicken ihre angehenden Pastoren dorthin. Die Folge ist, dass die Bettenkapazitäten nicht mehr ausreichen. Also soll auf dem Klostergelände gebaut werden: Ein Gästehaus mit 30 Zimmern ist im Gespräch, das Konventsgebäude soll saniert werden und auch eine Erweiterung der Bibliothek in großem Umfang steht an.

 Eine erste Voraussetzung für die Umsetzung dieser Bauvorhaben ist die Zustimmung der politischen Gremien der Stadt Rehburg-Loccum zu einer Satzungsänderung. Eine Innenbereichssatzung für große Teile des Klostergeländes existiert zwar, aber eben nicht für alle Flächen, die sich hinter der Klostermauer befinden. Genau dort soll aber unter anderem auch gebaut werden. Der Empfehlung von Bürgermeister Martin Franke, diese Satzungsänderung zuzulassen, wollte sich der Ortsrat jedoch nicht anschließen.

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 Sie halte das Kloster nicht ausschließlich für eine Einrichtung, die Pastoren ausbilde, sagte Stadtratsmitglied Anne Sator. Tourismus sei ebenfalls ein wichtiger Faktor und deshalb plädiere sie dafür, der Kirche nicht auf einfachem Wege freie Hand für die Planungen zu geben. Insbesondere die Planung des Gästehauses führte sie an, das an exponierter Stelle nahe dem Brauteich gebaut werden solle und damit althergebrachte Wege und Ansichten verstelle. Franke entgegnete, dass die Landeskirche den touristischen Aspekt sehr wohl in ihre Planungen einbezogen habe. Beispielsweise solle in „Priors Garten“ eine Campus-Situation geschaffen werden. Auch Loccums Ortsbürgermeisterin Dörte Zieseniß schaltete sich in die Diskussion ein. An dieser Stelle dürfe der Ortsrat nicht mehr zu allem Ja und Amen sagen. Einstimmig lehnte das Gremium schließlich die Satzungsänderung ab.

 Nicht nur die touristischen Belange solle der Ortsrat bedenken, meldete sich in der Einwohnerfragestunde die Loccumerin Christin Ehlerding zu Wort. Dort im Kloster komme auch die Gemeinde zusammen. Das allein sei ein Grund, die Planungen nicht vom Dorf trennen zu können. Sie habe gemeinsam mit einem weiteren Loccumer bereits vor Monaten Briefe an das Landeskirchenamt und zahlreiche andere Entscheidungsträger versandt, in denen sie darauf aufmerksam und Alternativvorschläge zu den Planungen gemacht habe. Franke entgegnete, dass er die Motivation von Ehlerding gut nachvollziehen könne. Rat und Verwaltung seien in dieser Beziehung aber die Hände gebunden. Ihre Entscheidungskompetenz orientiere sich an den bestehenden Gesetzen – und das Gemeinschaftsgefühl der Loccumer stehe nun einmal nicht im Baugesetzbuch.