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Stadt Rehburg-Loccum Gute Butter und breite Daumen
Gute Butter und breite Daumen
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12:25 23.03.2011
Ein einsames Stück liegt noch auf dem Teller: der Rehburg-Loccumer Butterkuchen hat am Tisch der Würdenträger der Kirche und der Minister keine lange Lebensdauer.
Ein einsames Stück liegt noch auf dem Teller: der Rehburg-Loccumer Butterkuchen hat am Tisch der Würdenträger der Kirche und der Minister keine lange Lebensdauer. Quelle: ade
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Rehburg-Loccum (ade). So groß war seine Sehnsucht nach dem süßen Gebäck, dass er seinem Nachfolger David McAllister bereits am Morgen eine SMS schrieb. McAllister solle dem Abt des Klosters, Horst Hirschler, herzliche Grüße ausrichten, in Gedanken sei er bei dem Empfang und mit dem Butterkuchen werde ihm „echt etwas fehlen“.

Wulff ist nicht der Einzige, der ein Hohelied auf das Gebäck singt, das traditionell beim Epiphaniasempfang gereicht wird. Schon Gerhard Schröder, damals noch Ministerpräsident, stellte 1997 die Frage: „Wo gibt es in solch schlechten Zeiten noch so guten Butterkuchen?“ Und bei dem Empfang, der als Gäste stets ein „Who is who“ aus Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in das Refektorium des Klosters bringt, sind die Butterkuchen-Teller stets die ersten, die geleert werden.

Über Jahrzehnte hat Wilfried Wiegrebe große Bleche voller Butterkuchen gebacken und von seiner Loccumer Backstube zu vielen besonderen Anlässen einmal quer über die Straße ins benachbarte Kloster gebracht. Was das Besondere an seinem Butterkuchen ist, wo man doch meinen sollte, dass so hohen Herrschaften mehr kredenzt wird, als ein verhältnismäßig einfaches und günstiges Gebäck? So genau kann Wiegrebe das auch nicht beantworten, drei Gründe vermutet er aber. Zum ersten bekomme sein Butterkuchen immer eine Extraportion der Butter, die ihm zu seinem Namen verholfen habe, auf den Teig gelegt. Dann müsse der Kuchen unbedingt mit Liebe gebacken werden. Und außerdem – er reckt einen ansehnlichen Daumen in die Luft – komme es darauf an, dass der Daumen des Bäckers breit genug sei, damit die Butterlöcher im Teig auch schön groß werden.

Die breiten Daumen, die hat auch Wolfgang Wulf – Wulf mit einem „f“ und nicht verwandt oder verschwägert mit dem zuvor genannten Bundespräsidenten. Er ist Bäckermeister, so wie Wiegrebe, seit Jahrzehnten schon, aber bei dem Loccumer Bäcker ist er vor einiger Zeit doch noch einmal in die Lehre gegangen. Als Wiegrebe nämlich meinte, dass sein Berufsleben lang genug gedauert habe und er sich selbst pensionierte, da stand im Kloster die Frage an, wer denn nun den Butterkuchen liefern werde. Schließlich war der in aller Munde – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Die Wahl fiel auf Wulf, der damit quasi die Ehrenbezeichnung des „Klosterbäckers“ von Wiegrebe übernahm, auch wenn seine Backstube nicht in Loccum, sondern im benachbarten Rehburg steht.

Mit breiten Daumen: Wilfried Wiegrebe und Wolfgang Wulf fügen dem Rehburg-Loccumer Butterkuchen seine wohl wichtigste Zutat hinzu.

Das Rezept hat Wiegrebe seinem Nachfolger aufgeschrieben und ist zu ihm in die Backstube gekommen, um gemeinsam den Butterkuchen so herzustellen, wie die hohen Herrschaften ihn lieben. Einträchtig stehen die beiden Herren nebeneinander, schnipseln Butterstückchen von einem Block ab und drücken sie mit breitem Daumen in den Teig. Mit dem Ergebnis, das duftend und heiß aus dem Ofen kommt, ‚prosten’ sich die beiden Bäcker zu und lassen es sich lachend schmecken.

Aus dem Loccumer Butterkuchen ist so ein Rehburg-Loccumer Butterkuchen geworden. Das hat Wiegrebe übrigens auch im Kloster verkündet und dem Abt dazu gleich eine Urkunde überreicht. Als der nämlich zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, wollte der Loccumer Bäcker den Bekundungen, dass aus dem Konstrukt der fünf Ortsteile Rehburg-Loccums nun wirklich eine Einheit geworden ist, noch eins draufsetzen: wenn Rehburg und Loccum, Bad Rehburg, Winzlar und Münchehagen nun so zusammengehörten und uralte Zwiste, die zwischen den Orten schwelten, nun endgültig begraben sein sollten, wenn der Loccumer Abt Ehrenbürger Rehburg-Loccums werde, dann müsse auch der Butterkuchen seinen Namen ändern.

Das Rezept des Butterkuchens, der diese Einheit demonstrieren soll, halten die beiden Bäcker nicht unter Verschluss. An das Ende dieses Artikels ist es mit ihrem ausdrücklichen Einverständnis angehängt. Wer also Rehburg-Loccumer Butterkuchen selbst backen möchte, kann sich daran versuchen. Wer jedoch nicht weiß, wie ein Kuchen einen Fuß bekommt oder über keinen Gärschrank verfügt, der sollte die Bäckerei von Wolfgang Wulf in Rehburgs Mühlentorstraße aufsuchen. Dort wird nach diesem Rezept täglich gebacken. Ob Christian Wulffs Sehnsucht berechtigt ist, davon kann sich dann jeder selbst ein Bild machen.

Rehburg-Loccumer Butterkuchen

Zutaten: ein Liter Milch (Backstubenwärme), 150 Gramm Hefe, 220 Gramm Zucker, zwei Eier, 15 Gramm Salz, 300 Gramm Butter, vier bis fünf Pfund Mehl und zwei Päckchen Backpulver ergeben zirka sieben Pfund Teig.

Zubereitung: Alles zusammen gut durchkneten bis sich der Teig vom Kesselrand löst. Teig zirka 20 Minuten warm stellen und nochmals kurz durchkneten. Anschließend abwiegen, zustoßen und ruhen lassen. Dann ausrollen und auf Bleche zum Belegen in den Gärschrank stellen. Etwa zehn Minuten später belegen und dünn mit Zucker und Mandeln bestreuen. Alles wieder für zirka 15 Minuten in den Gärschrank stellen, je nachdem wie sehr der Teig aufgegangen ist.

Dann bei 220 Grad in den Ofen schieben und nach sieben bis acht Minuten den Zug öffnen und bei fallender Hitze ausbacken. Wichtig ist, dass der Kuchen einen Fuß hat. Von oben darf er ruhig etwas heller sein.