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Stadt Rehburg-Loccum „Morema“ soll mehr Mobilität bringen
„Morema“ soll mehr Mobilität bringen
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19:12 28.08.2013
Wie schlecht die Versorgung im ÖPNV derzeit ist, zeigt die Übersicht, die Martin Franke und Timo Fichtner präsentieren. Mit Morema soll diese Situation deutlich verbessert werden. Quelle: ade
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Von Beate Ney-Janssen

Rehburg-Loccum. Eigentlich sei „Morema“ noch gar nicht wirklich bekannt gemacht worden, sagt Timo Fichtner, irgendwie müsse es aber doch die Runde gemacht haben. Wie sonst sei es zu erklären, dass er bereits dreimal nach Berlin eingeladen worden sei, um vorzustellen, was das „Regionalmanagement Mitte Niedersachsen“ zum Thema Mobilität in seiner ländlichen Region ausgetüftelt hat.

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 Fichtner ist seit 2010 Chef des Regionalmanagements, zu dem 16 Städte und Gemeinden aus den Landkreisen Nienburg, Diepholz und Verden gehören. Und „Morema“ ist eines der Projekte, die dort umgesetzt werden sollen. Die Abkürzung steht für „Mobilitäts-Ressourcen-Management“. „Ein besserer Name ist uns noch nicht eingefallen“, bekennt Martin Franke. Der Bürgermeister der Stadt Rehburg-Loccum ist Sprecher der Arbeitsgruppe, die sich dieses „Morema“ auf die Fahne geschrieben hat, und arbeitet entsprechend eng mit Fichtner zusammen. Ihr Ziel ist es, das Landleben trotz der negativen Vorzeichen und Konsequenzen, die der demografische Wandel mit sich bringt, ein Stück weit attraktiver zu machen.

 Weniger Menschen in ländlichen Regionen, führt Franke aus, bedeuteten zwangsläufig auch, dass die Infrastruktur zurückgehe – das fange bei der Ärzteversorgung an und höre bei den Einkaufsmöglichkeiten noch lange nicht auf. Weitere Wege für diejenigen, die in den unterversorgten Regionen lebten, seien die Folge – und nicht jeder habe ein Fahrzeug, mit dem er schnell von A nach B kommen könne. Hinzu komme, dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) jetzt schon etliche Bereiche nur ungenügend abdecke. Außerhalb der Zeiten, zu denen Schüler transportiert werden, würden Fahrten nur sehr unzureichend angeboten.

 Worauf „Morema“ nun setzt, das ist ein zu erarbeitendes Konzept, in dem der öffentliche Nahverkehr verzahnt wird mit anderen Fuhrparks, die nur partiell genutzt werden. Feuerwehren, sagt Franke, seien ein gutes Beispiel dafür. Jede Feuerwehr habe einen Mannschaftswagen, der meist aber nur selten bewegt werde. Warum nicht solche Fahrzeuge auf die Straße bringen, ähnliche Fuhrparks einbinden, Haupt- und Ehrenamtliche mobilisieren und ein Netzwerk aufbauen, das vielen Bedürfnissen gerecht werden kann? Ein erster Versuch in dieser Richtung läuft seit einigen Wochen in Rehburg-Loccum. Dort bieten die Feuerwehren und der ASB an den Wochenenden einen „Schwimmbadbus“ an. Die Wege sind weit in der Stadt, aus manchen Ortsteilen müssen Kinder zehn Kilometer mit dem Rad fahren, um zum Freibad zu kommen. Der Bus ist die Alternative dazu: Auf Rundkurs durch die Stadt bringt er Kinder zunächst zum Freibad und holt sie nach einigen Stunden auch wieder ab.

 Auf ähnliche Art soll das Projekt aufgebaut werden – und noch viel mehr können. Fichtner erläutert, dass zunächst ein Grundgerüst an „starken Buslinien“ in der Region aufgebaut werden soll. Vorgabe ist, dass diese Buslinien ein Skelett bilden, das einen großen Raum relativ schnell erschließt. Die Konsequenz sei dann allerdings, fügt Franke hinzu, dass diese Linien nicht „an jeder Milchkanne“ halten könnten. Schnelligkeit gehe nur dann, wenn nicht jede kleine Haltestelle berücksichtigt werde. Um alle anderen Ecken und Winkel der Region jedoch auch berücksichtigen zu können, sollen die zusätzlichen Angebote geschaffen werden – wie etwa mit Mannschaftswagen der Feuerwehren, die dann eben auch die „Milchkannen“ abklappern und alle Reisewilligen zu den schnellen Buslinien bringen.

 Diejenigen, die unterwegs sein wollen, und diejenigen, die erweiterte Angebote machen mögen, sollen über eine EDV-gestützte Plattform zueinander gebracht werden. 300000 Euro wird der Aufbau dieses Systems voraussichtlich kosten. Das Land hat bereits signalisiert, sich mit 146000 Euro daran zu beteiligen. Die Landkreise wollen ebenfalls Geld beisteuern und vom Bund erhoffen sich Franke und Fichtner Unterstützung mit einer sechsstelligen Summe. Wenn „Morema“ dann erst einmal läuft, soll ein guter Teil der Folgekosten über die Beiträge der Reisenden getragen werden, denn die Fahrten sollen selbstverständlich nicht unentgeltlich sein. Der öffentliche Start des Projekts ist für Ende 2015 avisiert.

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