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Minden, Hameln & Nienburg Prozess um Marihuana-Plantage in Ilvese: 50-Jähriger verurteilt
Aus der Region Minden, Hameln & Nienburg Prozess um Marihuana-Plantage in Ilvese: 50-Jähriger verurteilt
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17:20 17.09.2019
Zu drei Jahren und drei Monaten Haft ist ein 50-Jähriger aus Espelkamp wegen Beihilfe zum Drogenhandel verurteilt worden. Quelle: dpa
Espelkamp/Petershagen/Bielefeld

45.000 Euro plus ein vor Gericht nicht näher beziffertes Handgeld hatte Bartholomäus F. (Name geändert) im Sommer des vergangenen Jahres gezahlt, als er ein verwinkeltes und ländlich gelegenes Anwesen in Petershagen-Ilvese kaufte. Dieses kann der 50 Jahre alte Mann aus Espelkamp nun in den Wind schreiben: Weil er den Hof weitervermietete, damit dort mit seinem Wissen eine hochprofessionelle Cannabisplantage errichtet werden konnte, verurteilte das Bielefelder Landgericht Bartholomäus F. nun zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Das Gehöft zog das Gericht ein, da es sich bei der Immobilie um ein Tatwerkzeug handelte.

Anfang dieses Jahres war eine Gruppe von Marihuanadealern ins Visier der niedersächsischen Polizei geraten. Während der Ermittlungen stießen die Beamten auf einen Mann aus Espelkamp, der zwar nicht zu den Dealern gehörte, offenbar aber dennoch mit diesen zu tun hatte. Bei einer Hausdurchsuchung in Espelkamp fanden die Ermittler eine Cannabisplantage mit 150 Pflanzen.

Diese hatte F. der Dealerbande, hiervon geht die Justiz bislang aus, zur Verfügung gestellt. Das Verfahren wurde jedoch in Hinblick auf die wegen der Hanfplantage in Petershagen zu erwartende Strafe etwas später vorläufig eingestellt.

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Bei der Hausdurchsuchung in Espelkamp fanden die Beamten eine Stromrechnung für ein an der Ilveser Straße in Petershagen gelegenes Anwesen – jenes, das F. im August 2018 erworben hatte. Dort stellten die Polizisten bei einer Durchsuchung am 11. März 2019 in zwei Hallen 32 Kilogramm Marihuana sowie 920 Marihuanapflanzen unterschiedlicher Wachstumsphasen sicher, dazu entsprechendes Equipment. Bei dieser Plantage habe es sich, so die Kriminalpolizei, hinsichtlich der Professionalität und Lukrativität um eine der Top-20-Plantagen in Nordrhein-Westfalen gehandelt.

Bartholomäus F. wurde noch am selben Tag festgenommen und wanderte in Untersuchungshaft. In der mehrtägigen Verhandlung vor dem Bielefelder Landgericht räumte der nicht vorbestrafte Mann ein, der Dealer-Bande das Gehöft gegen eine Monatsmiete von 1000 Euro überlassen zu haben – wissend, dass dort Cannabis angebaut werden solle.

Räume gezielt Dealern zur Verfügung gestellt

Allerdings habe er den Hof zunächst für eigene Zwecke gekauft. Letzterem folgte das Gericht jedoch nicht. Aus Sicht der Kammer hatte F. gezielt nach weiteren Räumen gesucht, um diese der Dealer-Bande zur Errichtung einer Cannabisplantage zur Verfügung zu stellen.

Zunächst war F. angeklagt gewesen, der Betreiber der Anlage gewesen zu sein – dieser Verdacht erhärtete sich jedoch nicht. Keiner der geladenen Zeugen hatte ihn nach Erwerb des Grundstücks jemals wieder an der Ilveser Straße gesehen. Stattdessen hatten die Ermittler bei der Durchsuchung des Anwesens Schlafstätten und Zahnbürsten gefunden, die für die Anwesenheit von mehreren Beteiligter sprachen. Das Gericht verurteilte F. nun wegen der Beihilfe zum Drogenhandel zu drei Jahren und drei Monaten Haft. mt/nim