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Minden Portaner Fußballer feiern mit Nazi-Parole: Stadt schaltet Verfassungsschutz ein
Aus der Region Minden Portaner Fußballer feiern mit Nazi-Parole: Stadt schaltet Verfassungsschutz ein
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12:36 04.09.2019
Ein Video der Fußballer des TuS Holzhausen/Porta landet im Internet. Quelle: mt
Porta Westfalica

Im Hintergrund des Videos sind auch einige kritische Stimmen zu hören, die sagen: "Jungs, was macht ihr da?" Sie gehen jedoch in lauten Parolen unter.

Das Video ist offenbar direkt in der Kabine des TuS aufgenommen worden. Der Zeitstempel datiert es auf den 5. Mai 2019, 21.48 Uhr. Kurz zuvor war die erste Mannschaft des TuS "HoPo", wie der Verein unter Fußballern kurz genannt wird, mit einem 6:0 gegen den TuS Bad Oeynhausen II in die Fußball Kreisliga A aufgestiegen.

Vereins-Vorsitzende distanziert sich

Warum das Video erst jetzt, rund vier Monate nach der Aufnahme, öffentlich wird, steht bisher noch nicht fest. Womöglich hat es mit dem überraschenden Einzug des Teams ins Halbfinale des Kreispokals zu tun.

Matthias Adamkowitsch, Vorsitzender des TuS Holzhausen/Porta, hat das Video am Morgen erstmals gesehen. „Ich bin geschockt und immer noch völlig durch den Wind", sagt er sichtlich mitgenommen im Gespräch in der MT-Redaktion. „Wir distanzieren uns von diesem Video. So etwas darf und wird nicht wieder vorkommen." Der Vorstand werde sich am Mittwochabend zusammensetzen, um herauszufinden, wie es zu diesem Vorfall kam, wer auf dem Video zu sehen ist, wer es mit dem Handy aufgenommen hat.

Auch Mike Achtelik, Trainer der ersten Mannschaft, und womöglich auch einige Spieler sollen kurzfristig dazu befragt werden. Zunächst habe der Vorstand den Coach am Mittwoch noch nicht telefonisch erreichen können. Auch Anfragen des MT wurden von Achtelik bisher nicht beantwortet. In der Sitzung werde man das weitere Vorgehen besprechen. Was Adamkowitsch bereits in seiner ersten Stellungnahme sagen kann: „Dieser Vorfall wird definitiv Konsequenzen haben. So etwas lassen wir nicht zu."

Stadt schaltet Verfassungsschutz ein

Die Stadt Porta hat das Video ebenfalls erhalten und wertet es als eine Straftat nach Paragraf 86a Absatz 1 und 2 StGB, darüber hinaus greife auch Paragraf 130 Volksverhetzung StGB. "Die Stadt wird sich in dieser Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft und den Verfassungsschutz wenden und darüber hinaus umgehend das Gespräch mit dem Verein TuS Holzhausen Porta 1905 und dem Vorsitzenden des Stadtsportverbandes suchen", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme.

Bürgermeister Bernd Hedtmann: „Ein solches Verhalten kann und darf nicht toleriert werden. Abgesehen von der strafrechtlichen Relevanz halte ich es für dringend notwendig, hier das Gespräch zu suchen. Gerade vor dem Hintergrund, dass an der Porta 3000 Menschen unter dem nationalsozialistischen Regime in drei Lagern schwer gelitten haben und seit einigen Jahren intensive Aufklärungsarbeit hierzu geleistet wird, trifft mich ein solches Verhalten persönlich und auch als Bürgermeister, der den Ruf dieser Stadt zu schützen hat."

Mannschaften denken über Boykott nach

Die RWS Baustoff-Recyling GmbH fungiert beim TuS Holzhausen/Porta als Trikotsponsor – und wird diese Tätigkeit auch nach dem Vorfall fortsetzen, wie Geschäftsführer Rainer Spier auf MT-Anfrage mitteilt. „Ich stehe weiterhin zum Verein." Von den Geschehnissen und dem in den Sozialen Medien kursierenden Video habe er bislang noch nichts gehört, als das MT ihn am Mittwoch kontaktiert. „Ich sehe es aber tolerant. Die Jungs haben an dem Tag schön gefeiert. Das kommt immer mal vor. Das Thema wird mir zu sehr an die große Glocke gehängt", sagt Spier.

Ein Großteil der Mindener Fußballszene bewertet das offenbar anders. In zahlreichen WhatsApp-Gruppen wurde das Video am Mittwoch heiß diskutiert. Einige Mannschaften denken demnach auch über einen Boykott des Teams nach. Der Tus Holzhausen/Porta hat am Donnerstagabend sein nächstes Spiel gegen RW Maaslingen II. Anstoß ist um 18.15 Uhr in Maaslingen.

Kreisvorstand zeigt sich erschrocken

Auch im Vorstand des Fußball- und Leichtathletikkreises Minden herrscht Fassungslosigkeit. „Ich bin entsetzt darüber, dass so etwas in unserem schönen Fußballkreis passiert ist", sagt Vorsitzender Thomas Schickentanz. Er spreche im Namen aller ehrenamtlich Aktiven des Fußball- und Leichtathletikkreises Minden: „Wir haben dafür kein Verständnis." Ebenso erschrocken sei der Kreisvorstand darüber, „dass aus dem Umfeld des Vereins so ein Fehlverhalten bagatellisiert wird".

Ob und wenn ja welche Konsequenzen der Vorfall für den TuS Holzhausen/Porta haben werde, kann er in einer ersten Stellungnahme noch nicht sagen. Er habe die Rechtsabteilung des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW) in Kaiserau umgehend informiert und um eine Bewertung des Sachverhaltes gebeten.

Recherchen zu Hintergründen abwarten

Dass es in der Fußballszene bereits Erwägungen gibt, den Verein künftig zu boykottieren, sieht Schickentanz kritisch. Man solle jetzt erst einmal abwarten, was die Recherchen des Vereins zu den Hintergründen des Vorfalls ergeben. „Wir sollten nicht alle unter Generalverdacht stellen", appelliert er.

Ob das Video strafrechtlich relevant ist, steht bisher noch nicht fest. Eine Anfrage bei der Staatsanwaltschaft läuft. mt