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Minden Wago drückt aufs Tempo
Aus der Region Minden Wago drückt aufs Tempo
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15:44 02.04.2019
Die Erweiterung der Spritzerei nimmt schon deutlich Formen an.  Quelle: mt
Minden

Mit einem weiteren deutlichen Umsatzplus nähert sich der Mindener Elektrotechnik-Konzern Wago langsam der Milliardengrenze: Im vergangenen Jahr sind die Erlöse um 8,1 Prozent auf 932 Millionen Euro gestiegen. Ohne währungsbedingte Einbußen wäre der Zuwachs auch in diesem Jahr wieder im zweistelligen Prozentbereich ausgefallen, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Sven Hohorst.

2018 war damit das neunte Wachstumsjahr in Folge, im Krisenjahr 2009 lag der Umsatz noch bei 380 Millionen Euro. Auch mit dem Ergebnis ist Hohorst zufrieden, auch wenn es etwas schwächer gewesen sei als 2017. Für das laufende Jahr sowie auch für 2020 erwartet die Geschäftsleitung ein Umsatzwachstum mittleren einstelligen Bereich.

Sportliches Jahr

Hohorst spricht von einem positiven, aber sportlichen Jahr, die Produktion sei gut ausgelastet gewesen. Das Ergebnis ist ein konstant hohes Investitionsvolumen. Im vergangenen Jahr flossen 120 Millionen Euro auf diesem Weg zurück in das Unternehmen, das entspricht 14 Prozent des Jahresumsatzes. „Ein außergewöhnlicher Wert“, erklärt der für die Finanzen zuständige Geschäftsführer Axel Börner. Auch im laufenden Geschäftsjahr will Wago – Arbeitgeber auch für viele Schaumburger – dieses Niveau mindestens halten. „Das zeigt auch den Mut aller Beteiligten, dass es weiter nach vorn geht“, sagt Börner.

Sichtbar werden die Investitionen unter anderem an der Erweiterung der Spritzerei am Stammsitz an der Hansastraße, wenige Meter weiter laufen bereits die Erdarbeiten für eine Erweiterung des Wareneingangs. Nächstes Projekt wird ein Parkhaus an der Werftstraße. Das wird notwendig, weil die knappen Freiflächen zunehmend bebaut werden. Allein in die deutschen Standorte in Minden und Sondershausen flossen im vergangenen Jahr 70 Prozent der gesamten Investitionen, also etwa 84 Millionen Euro.

Neue Mitarbeiter aus ganzen Republik

Ein weiteres Spiegelbild der positiven Entwicklung ist der Personalstand. Insgesamt mehr als 8600 Mitarbeiter beschäftigte die Wago-Gruppe am Stichtag zum Jahreswechsel, etwa 580 mehr als im Vorjahr. Mit 3900 hat ein großer Teil davon seinen Arbeitssitz in Deutschland, allein in Minden sind es 2900. Die Personalentwicklung bereitet der Wirtschaft insgesamt und damit auch Wago allerdings auch zunehmend Sorgen. Allein aus der Region ist der Bedarf an Fachkräften schon lange nicht mehr zu decken, neue Mitarbeiter müssen aus der ganzen Republik rekrutiert werden. Dabei steht der Standort Minden in Konkurrenz mit attraktiven Metropolregionen wie Berlin, Hamburg oder dem Rheinland. Mit einer eigenen Kampagne will Wago deshalb um neue Mitarbeiter werben und spielt dabei bewusst mit Motiven aus dem ländlichen Raum, die mit Technologiethemen aufgeladen werden. Die Botschaft ist klar: „Wir haben es hier wunderschön“, sagt Axel Börner. Damit müsse sich die Region viel stärker positionieren. Er verweist dabei auch auf seine persönliche Geschichte: Börner kam nach 20 Jahren in München nach Minden.

Europa bereitet Sorgen

Trotz der guten Zahlen und der insgesamt positiven Entwicklung bereitet Sven Hohorst ausgerechnet ein Herzensthema zunehmend Sorge: Europa. Ein Europa ohne Grenzen und mit einer einheitlichen Währung sei wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg. Das Erstarken antieuropäischer Kräfte und eine damit verbundene Rückkehr zu Kleinstaaterei betrachte er „mit ganz großer Sorge“. Als Reaktion zeigt Wago im Wortsinne Flagge: Zentral vor dem Haupteingang zum Communication Center stehen drei neue Fahnenmasten, an jedem weht eine Europaflagge.

Grundsätzlich sei es zwar richtig, wenn sich Wirtschaft mit politischen Äußerungen zurückhalte. Für das Thema Europa aber gelte das ebenso wenig wie für die Flüchtlingsdebatte. Als Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Minden-Lübbecke hatte Hohorst im vergangenen Jahr auch dazu klar Position bezogen. Axel Börner untermauert beides mit einer Zahl: Ohne Zuzug von Arbeitskräften sei das Wirtschaftswachstum auf etwa 1,6 Prozent praktisch gedeckelt. Zwischen den Wirtschaftsgroßmächten USA und China habe Europa nur als Gemeinschaft eine Chance. Hier sei nicht nur die Wirtschaft gefragt. Alle müssten sich positionieren.

Von Henning Wandel