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Barsinghausen 600 Wohnungen fehlen: So wollen Stadt und Region die Wende schaffen
Aus der Region Region Hannover Barsinghausen 600 Wohnungen fehlen: So wollen Stadt und Region die Wende schaffen
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00:24 29.06.2019
Das gut eineinhalb Hektar große Grundstück an der Ecke Holunderweg/ Am Spalterhals befindet sich im Eigentum der Region Hannover. Es ist für eine Bebauung in guter Lage bestens geeignet. Quelle: Andreas Kannegießer
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Barsinghausen

Im Barsinghäuser Stadtgebiet werden bis zum Jahr 2025 rund 600 zusätzliche Wohnungen benötigt. Das geht aus den Berechnungen der Region Hannover für deren regionales Wohnraumversorgungskonzept hervor. Im gesamten Regionsgebiet fehlen bis dahin sogar 28.300 Wohnungen.

Die Region setzt in ihrem Handlungskonzept unter anderem auf finanzielle Unterstützung der Kommunen, um den Wohnungsbau anzukurbeln. So können neue Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit 5500 Euro je Wohneinheit gefördert werden, weitere 3000 Euro Fördersumme sind möglich, wenn es sich um eine Wohnung mit einer Sozialbindung von mindestens 20 Jahren handelt.

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Trend zu Kleinhaushalten ist ungebrochen

Von den 600 Wohnungen, die in Barsinghausen zur Bedarfsdeckung entstehen müssten, handelt es sich den Prognosen der Region zufolge um rund 340 Wohneinheiten (57 Prozent) in Mehrfamilienhäusern. Weitere 260 Wohnungen sollen in Ein- oder Zweifamilienhäusern neu gebaut werden, wie Isabell Kurz vom Team Wohnraumförderung der Region und Regionalplaner Wolfgang Jung im städtischen Bauausschuss erläuterten.

Der Grund für den hohen Bedarf in den nächsten sechs Jahren ist nach den Worten der Experten einerseits der anhaltende demografische Trend zu immer mehr Kleinhaushalten mit einer oder maximal zwei Personen. Darüber hinaus gebe es einen erheblichen Nachholbedarf, weil in den vergangenen Jahren einfach nicht genug gebaut worden sei.

Das Wohnraumversorgungskonzept sieht regionsweit eine ganze Anzahl neuer Instrumente vor, um das ehrgeizige Ziel der Bedarfsdeckung zu erreichen. So wird es mehrere Arbeitsgruppen und eine neue Koordinierungsstelle Wohnungsbau geben. Beim sogenannten Flächendialog ist ein interkommunaler Erfahrungsaustausch zu Themen wie Erbbaurecht oder städtebaulichen Verträgen geplant.

Verkauft die Region Fläche am Holunderweg

„Wir fühlen uns gestärkt in unserem Ziel, den Wohnungsbau voranzutreiben“, sagte CDU-Ratsherr Max Matthiesen nach dem Vortrag der Regionsexperten. „Was macht die Region selbst eigentlich mit ihren Flächen in Barsinghausen?“, fragte Kerstin Beckmann (Wählergemeinschaft Aktiv für Barsinghausen).

So ist die Region Hannover Eigentümerin der großen Freifläche unterhalb des Schulzentrums Am Spalterhals am Holunderweg. Das mehr als eineinhalb Hektar große Areal wäre für eine schnelle Bebauung bestens geeignet. Auch das erklärte Ziel der Kommune, erst innerörtliche Freiflächen statt Neubaugebieten am Ortsrand zu entwickeln, wäre am Holunderweg erfüllt.

Laut Wolfgang Jung gibt es bei der Region offenbar die Bereitschaft, das Grundstück zu verkaufen. Marlene Hunte-Grüne (SPD) forderte eine bessere und schnellere Abstimmung zwischen der Stadtverwaltung und der Region. Über das Areal am Holunderweg werde schließlich „nicht erst seit ein paar Monaten gesprochen“.

Stadt soll Baugesellschaften Flächen anbieten

Grundsätzlich sollen nach dem Willen der Barsinghäuser Politik die Bedingungen für den Wohnungsbau im Stadtgebiet verbessert werden. Der Bauausschuss hat einem Antrag der SPD zugestimmt, dass die Stadt Wohnungsbaugesellschaften oder Genossenschaften wie etwa der Kreissiedlungsgesellschaft (KSG) städtische Grundstücke anbietet, für die bereits Baurecht besteht. Die Verwaltung soll prüfen, ob derartige Flächen zu Preisen auch unterhalb des Bodenrichtwertes abgegeben werden können.

Im ersten Schritt soll demnach der ehemalige Festplatz an der Wilhelm-Heß-Straße gegenüber dem Penny-Supermarkt für die Bebauung mit Mehrfamilienhäusern oder Sozialwohnungen zur Verfügung gestellt werden.

Außerdem hat der Bauausschuss die Weichen dafür gestellt, dass das geplante Neubaugebiet Dreisteinanger in der Verlängerung des Hartjehäuser Weges zwischen Wilhelm-Heß-Straße und S-Bahn-Trasse deutlich größer ausfällt als bislang vorgesehen.

Die Pläne für das bereits 2015 grundsätzlich beschlossene Projekt werden nun unter der Bezeichnung „Neue Bergwiese 3“ vorangetrieben. Die Fläche wird nach Westen ausgedehnt und ist mehr als doppelt so groß wie bisher. Etwa Ende 2022 könnte dort mit dem Bau der ersten neuen Gebäude begonnen werden.

Von Andreas Kannegießer