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Barsinghausen Fichten in Gefahr: Borkenkäfer im Deister greifen in Massen an
Aus der Region Region Hannover Barsinghausen Fichten in Gefahr: Borkenkäfer im Deister greifen in Massen an
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15:00 09.08.2019
Revierförster Frank Nüsser hat alle Hände voll zu tun, um die von Borkenkäfern befallenen Fichten zu identifizieren. Die Bäume werden auffällig gekennzeichnet und müssen schnell gefällt werden. Quelle: Andreas Kannegießer
Egestorf

Die Fichtenbestände im Deister sind wegen Borkenkäferbefalls in akuter Gefahr: In den vergangenen Wochen hat bereits die zweite Generation der aggressiven Schadinsekten in diesem Jahr zu schwärmen begonnen. „Jetzt kommt es ganz dicke“, sagt Revierförster Frank Nüsser von der Revierförsterei Georgsplatz. „Wir finden fast täglich neue Ecken im Wald, die befallen sind.“

Borkenkäfer wie Buchdrucker und Kupferstecher bohren sich in die Rinde der Nadelbäume und können diese binnen kurzer Zeit zum Absterben bringen. Die Käfer haben in diesem Jahr besonders leichtes Spiel, weil die Fichten wegen der anhaltenden Trockenheit geschwächt sind. Die Bäume schaffen es nicht, sich mit vermehrtem Harzfluss gegen die Schädlinge zur Wehr zu setzen.

Keine Rettung nach Befall

Wenn Nadelbäume einmal von Borkenkäfern befallen sind, gibt es für sie keine Rettung: Die Fichten müssen möglichst schnell gefällt und das Holz aus den Beständen entfernt werden, um den Befall der umstehenden Bäume zu verhindern.

Bohrmehl am Stammfuß von Fichten ist ein untrügliches Zeichen für den Borkenkäferbefall. Quelle: Andreas Kannegießer

Nüsser und seine Forstwirte sind derzeit mit nichts anderem beschäftigt, als die Bestände zu durchstreifen und nach befallenen Fichten Ausschau zu halten. Untrügliche Indizien sind Bohrlöcher in der Rinde, Bohrmehl zu Füßen der Bäume und trockene Baumkronen. Sehr bald fällt auch die Rinde von befallenen Fichten ab. „Binnen drei Wochen können die Bäume tot sein“, erläutert Nüsser.

Bei der Kontrolle der Bestände werden die Förster derzeit überall fündig. „Wir finden täglich neue befallene Ecken“, sagt Nüsser. Oft seien es dann schon 80, 100 oder mehr Fichten auf einmal, die von den Käfern angegriffen seien. Auf 2500 bis 3000 Exemplare schätzt der Revierförster die Zahl der Fichten, die alleine in den vergangenen zwei bis drei Wochen von der zweiten Käfergeneration befallen worden sind. „Die erste Generation hatten wir noch im Griff, aber jetzt kommt der Hammer“, sagt der Revierförster.

Wenn sich die Rinde von käferbefallenen Fichten großflächig ablöst, ist der Baum nach Einschätzung der Förster bereits tot. Quelle: Andreas Kannegießer

Substanzverlust für den Wald

Beim Fällen und Aufarbeiten der Stämme haben die Mitarbeiter des Forstamtes Saupark Unterstützung von Fremdunternehmen mit schwerem Gerät. So sind derzeit ein sogenannter Harvester und ein Rückezug in den Beständen der Revierförsterei Georgsplatz im Einsatz. Dennoch gelingt es wegen der großen Menge kaum, das angefallene Holz schnell aus dem Deister zu entfernen. „Allein im Revier Georgsplatz liegen zurzeit 2000 Raummeter Holz“, sagt Nüsser.

Die Borkenkäfer bohren sich unter die Rinde der Fichten ein. Die Fraßgänge sind in diesem Rindenstück gut zu erkennen. Quelle: Andreas Kannegießer

Der Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Saupark, Christian Boele-Keimer, spricht von einem „erheblichen Substanz- und damit Vermögensverlust“ bei den Landesforsten angesichts der aktuellen Bedrohung durch Borkenkäfer. Die Absatzmöglichkeiten für das Holz seien schwierig „und die Preise vollkommen im Keller“. Das sei auch volkswirtschaftlich ein Problem, erläutert der Forstamtsleiter. Ein erheblicher Teil des Holzes werde aufgrund der überfüllten Lagerkapazitäten der heimischen Sägewerke exportiert. „Es wird uns in den kommenden Jahrzehnten als regulärer Einschlag bitter fehlen.“ Immerhin werde ein Großteil aller Dachstühle in Deutschland aus Fichtenbalken gebaut.

Ziel: Fichtenanteile retten

Nach Boele-Keimers Worten ist das Forstamt trotz der angespannten Lage „zuversichtlich, dass es gelingt, nennenswerte Fichtenanteile im Deister zu retten“. Für eine deutliche Verbesserung der Lage seien aber mehr und höhere Niederschläge dringend notwendig, „damit die Fichten neue Abwehrkräfte entwickeln können“.

Im Deister haben die jüngsten Gewittergüsse nach Einschätzung der Experten nichts gebracht. „Der Boden ist wie Beton. Das Wasser sickert nicht ein“, sagt Nüsser. „Wir bräuchten ein Jahr wie 2017, wo wir nicht rücken konnten, weil es zu nass war – und davon am besten gleich mehrere hintereinander.“

Sorgen auch bei den Buchen

Große Sorgen bereiten den Förstern im Deister auch die Buchen. „Wir beobachten bei vielen Bäumen massive Trockenschäden“, sagt der Revierförster. Die Buchenbestände seien zwar noch längst nicht in ihrer Existenz bedroht. Zu denken gebe aber, dass gerade alte, mehr als 100-jährige und damit wertvolle Buchen betroffen seien. Erst werden Äste trocken, bald zeigen sich in den Kronen Lücken. Oft komme es dann zu Pilzbefall, und Äste brächen ab, erläutert Nüsser. „Das birgt auch große Gefahren für Spaziergänger und Forstwirte, die in die Bestände hineinmüssen.“

Forstamtsleiter Boele-Keimer geht davon aus, dass „voraussichtlich noch bis Ende Oktober alle Kapazitäten des Forstamtes in der Bekämpfung der Borkenkäfer gebunden sein werden“. Erst dann werde es jahreszeitlich bedingt ruhiger.

Auch immer mehr Buchen im Deister weisen Trockenschäden auf. Als erstes werden einzelne Äste trocken. Quelle: Andreas Kannegießer

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Von Andreas Kannegießer

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