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Barsinghausen Wennigser Straße: Stadt muss Verkehrsspiegel wieder abbauen
Aus der Region Region Hannover Barsinghausen Wennigser Straße: Stadt muss Verkehrsspiegel wieder abbauen
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15:20 11.10.2019
Die Probleme an der großen Kreuzung in der Egestorfer Ortsmitte bleiben vorerst ungelöst. Das Land lehnt die von der Stadt vorgeschlagenen Umgestaltungen ab. Quelle: Andreas Kannegießer
Egestorf

Die Probleme wegen mangelnder Übersichtlichkeit an zwei Kreuzungen im Egestorfer Ortszentrum bleiben wohl vorerst bestehen. Jetzt hat es sogar einen Rückschritt gegeben: Die Stadt musste auf Anordnung der Landesstraßenbaubehörde an der Einmündung der Winkelstraße in die Wennigser Straße den dort montierten Verkehrsspiegel wieder abmontieren. Auch für die große Kreuzung Wennigser Straße/Nienstedter Straße sind derzeit keine Fortschritte bei der Problemlösung in Sicht: Das Land hat alle von der Stadtverwaltung vorgelegten Veränderungsvorschläge abgelehnt.

Viele Egestorfer Einwohner sind extrem unzufrieden mit der Verkehrssituation im Ortszentrum, seitdem im Herbst 2016 die Ampel an der Einmündung der Nienstedter Straße in die Wennigser Straße abgebaut worden ist. Als Ersatz wurde eine Dunkelampel für Fußgänger installiert, die nur auf Knopfdruck leuchtet. Ziel war es damals, den Verkehrsfluss im Egestorfer Ortszentrum zu verbessern und Wartezeiten für Auto- und Fahrradfahrer zu vermeiden. Danach wurde aber schnell klar, dass der schnellere Verkehrsfluss offenbar zu Lasten der Sicherheit geht: Wer von der Wennigser Straße aus nach links in die Nienstedter Straße abbiegen möchte, kann den Gegenverkehr aus Richtung Barsinghausen wegen der 90-Grad-Kurve erst im letzten Augenblick sehen.

Kritik wegen Unübersichtlichkeit

Ähnliche Probleme bestehen auch an der kaum 100 Meter entfernten Einmündung der Winkelstraße: Fahrer, die aus Richtung Barsinghausen kommen und nach links in die Winkelstraße abbiegen möchten, haben erst im allerletzten Moment Sicht auf den Gegenverkehr aus Richtung Ortszentrum. Sie müssen fast auf Verdacht losfahren.

Die Situation an der Einmündung der Winkelstraße ist für Linksabbieger unübersichtlich. Quelle: Andreas Kannegießer

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Kritik von Bürgern sowie Politik und Vereinen aus Egestorf an der Situation gegeben. Bei Ortsterminen wurde die Forderung nach der Montage von Verkehrsspiegeln laut. Die Stadt Barsinghausen unterstützte die Forderung, konnte aber bei der für die Wennigser Straße zuständigen Landesstraßenbaubehörde mit ihren Argumenten nicht durchdringen. Im Sommer dieses Jahres hatte die Stadt dann zumindest an der Einmündung Winkelstraße vollendete Tatsachen geschaffen und einen Spiegel montiert. Der musste nun aber wieder verschwinden.

Land droht der Kommune

„Die Stadt hat den Spiegel wieder abbauen müssen, nachdem das Land gedroht hatte, den Spiegel selbst abzubauen und der Stadt dafür die Rechnung zu schicken“, berichtet Stadtsprecher Benjamin Schrader. Daraufhin hätten Mitarbeiter des Baubetriebshofes Ende September den Spiegel demontiert, der sich auf einem Grundstück des Landes befunden habe.

Der an der Einmündung Winkelstraße montierte Verkehrsspiegel ist inzwischen wieder verschwunden. Die Stadt musste ihn auf Anweisung der Landesstraßenbaubehörde abmontieren. Quelle: Archiv (Andreas Kannegießer)

Nach Schraders Worten vertritt die Landesbehörde die Auffassung, „dass Spiegel die Sicherheit im Straßenverkehr nicht erhöhen“. Die Straßenbaubehörde habe argumentiert, die Spiegel hätten „eine verzerrende Wirkung und ein begrenztes Sichtfeld“, sodass die Geschwindigkeit vieler Fahrzeuge falsch eingeschätzt werde und es tote Winkel gebe. Besonders bei kleineren Objekten wie Fahrrad- und Motorradfahrern bestehe dieses Problem. Eine weitere Gefahr aus Sicht der Landesbehörde: Verkehrsteilnehmer neigen dazu, sich zu sehr auf den Spiegel zu konzentrieren und deshalb nicht mehr auf andere Fahrzeuge und Fußgänger zu achten. Verkehrsspiegel sorgten deshalb oft nur für den Anschein von Sicherheit, tatsächlich seien sie in vielen Fällen der Sicherheit sogar abträglich. „Wir können diese Argumente nachvollziehen“, sagt Schrader. Deshalb stehe fest: „Der Spiegel an der Winkelstraße wird nicht wieder aufgebaut.“

Keine Lösung für Ortsmitte in Sicht

Für die große Einmündung in der Ortsmitte hatte die Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten verschiedene Ideen zur Problemlösung entwickelt und diskutieren lassen: neben einem Verkehrsspiegel auch den Wiederaufbau der alten Ampel etwa oder auch den Umbau des Einmündungsbereichs in einen Minikreisel. Nichts davon kann offenbar realisiert werden: „Leider sind alle Vorschläge der Stadt, die Verkehrssituation zu regeln, sei es durch Spiegel, kleine Kreisel oder andere Maßnahmen, vom Land rundweg abgelehnt worden“, sagt Schrader. Das Land wolle an der Dunkelampel festhalten und habe deutlich gemacht, dass es eine erneute Umrüstung der Ampel nicht geben werde.

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Die Ampel gegen den Widerstand des Landes durchzusetzen, wäre ein „Jahre dauernder Prozess“, sagt Schrader. „Letztlich werden wir diese Frage nochmal in der Politik diskutieren müssen.“ Immerhin: Einen Anstieg der Unfallzahlen hat die Stadt Barsinghausen nach Schraders Worten seit der Umrüstung der Einmündung im Jahr 2016 nicht festgestellt.

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Von Andreas Kannegießer

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