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Barsinghausen Landvolk: Image der Landwirte verbessern
Aus der Region Region Hannover Barsinghausen Landvolk: Image der Landwirte verbessern
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00:22 29.11.2018
Zahlreiche Mitglieder des Landvolks sind zur Versammlung ins Rittergut Wichtringhausen gekommen. Quelle: Lisa Malecha
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Wichtringhausen

Wie kann die Wahrnehmung der Landwirtschaft in Medien und Gesellschaft verbessert werden? Mit dieser und vielen weiteren Fragen haben sich am Montagnachmittag zahlreiche Mitglieder vom Landvolk Hannover bei ihrer Jahresversammlung auf dem Rittergut Wichtringhausen auseinandergesetzt.

Die Anwesenden diskutierten mit Axel Finkenwirth, Pressesprecher des Deutschen Bauernverbands, darüber, wie das Image der Landwirtschaft in den Medien verbessert werden könne. „Wir als Landwirte geraten immer wieder ins Schussfeld, nehmen immer mehr den Druck aus der Gesellschaft wahr“, sagte Charlotte Schumacher vom Arbeitskreis junger Landwirte im Calenberger Land bereits bei der Begrüßung. Daher sei es wichtig, mit Menschen ins Gespräch zu kommen – und das gehe häufig schon durch ganz kleine Aktionen vor Ort. „Wir haben zum Beispiels Blühstreifen rund um unsere Äcker angelegt und dafür viel positives Feedback bekommen“, sagt sie. Leider stünden sonst eher die negativen Themen im Vordergrund. „Dabei haben wir gegen eine gewisse Schizophrenie anzukämpfen: Die Menschen fordern mehr Tierwohl, an der Kasse haben sie aber trotzdem das Billigfleisch im Einkaufskorb“, sagte Finkenwirth.

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Tierwohl und Dürre beschäftigten Landwirte

Um Tierwohl ging es auch bei der Rede von Volker Hahn, Vorsitzender des Landvolks Hannover. Er betonte, dass sich jeder der Verantwortung bewusst sein muss, den der Umgang mit lebenden Tieren von der Geburt bis zum Tod mit sich bringt. Allerdings komme es auch im landwirtschaftlichen Bereich zu Burn Out und hohen psychischen Belastungen, „weil Betriebsleiter den Spagat zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und wirtschaftlicher Realität nicht mehr aushalten.“

Das Jahr 2018 wird den Landwirten vor allem wegen der Dürre in Erinnerung bleiben, sagte Hahn. „In der Region Hannover sind die Konsequenzen höchst unterschiedlich“, sagte er. So seien Landwirte südlich des Mittellandkanals zwar mit einem blauen Auge davon gekommen, im Norden allerdings verzeichnen sie Ertragseinbußen von mindestens 50 Prozent. „Insgesamt aber kann man unumwunden sagen, dass die Auswirkungen erst langsam offensichtlich werden.“ Dazu kristallisiere sich immer mehr heraus, dass die meisten Betriebe aus den unterschiedlichsten Gründen keine Hilfsgelder erhalten werden und die Landwirtschaft die Verluste weitestgehend allein tragen wird, kritisierte er und wies darauf hin, dass die Existenzfähigkeit gerade kleinerer bäuerlicher Betriebe auf dem Spiel steht.

Auch die Düngeverordnung war Thema. Hahn bekannte sich zu dem Gesetz, betonte allerdings, dass die Betriebe auch in der Lage sein müssen, es umzusetzen. „Ich nenne hier den Bau von Lagerstätten und Futtervorratslager: Ohne finanzielle Unterstützung sowie gesetzlichen Änderungen beim Baurecht, werden viele Betriebe an den Herausforderungen scheitern“, sagte er.

Diskussion ist wichtig

Doch um so mehr sich die öffentliche Diskussion zuspitz, umso wichtiger sei es, ehrlich, transparent und konsequent nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. „Ich möchte sehr deutlich dafür werben, die Menschen, die die gesetzlichen Vorgaben umsetzen müssen, nicht zu vergessen“, sagte er und führt das Beispiel Ferkelkastration an.Es hätten bereits fünf Betriebe im Verbandsgebiet mit der Sauenhaltung aufgehört oder die Landwirtschaft komplett aufgeben.

Geehrt wurden Landwirte, die besonders durch ihr Engagement aufgefallen sind. Unter anderem wurden Hemmingens Bezirkslandwirt Burkhard Köhler und sein Sohn Frederic sowie Björn Esotrf aus Gestorf für ihr Engagement ihren Imagefilm zur Kampagne „Echt grün“ geehrt. Auch Jannes Henri Knabbe aus Fredenbeck im Landkreis Stade wurde ausgezeichnet. Er hatte den ersten Platz im Kreisleistungspflügen belegt. Auch das Engamgent der Familien Sustrath aus Völksen und Hanne aus Vardegötzen wurde gewürdigt. Die Hanne-Sustrath GbR züchtet sei 2003 Holstein-Rinder für die Milchproduktion und bekam bereits Anfang des Monats mit dem Staatsehrenpreis 2018 für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Tierzucht.

Von Lisa Malecha