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Barsinghausen Blechspardosen und Waagen gehen von Barsinghausen in die Welt
Aus der Region Region Hannover Barsinghausen Blechspardosen und Waagen gehen von Barsinghausen in die Welt
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20:17 09.09.2019
Seit Jahren befindet sich das Schild am nördlichen Gebäude der ehemaligen Metallwarenfabrik am Egestorfer Kirchweg. Quelle: Mirko Haendel
Barsinghausen

Eine Universität in Barsinghausen? Das können sich die Wenigsten vorstellen. Dennoch vermittelt ein Schild an einem alten Fabrikgebäude am Egestorfer Kirchweg den Eindruck, dass es dort einmal eine Universität gegeben haben könnte. Das Schild trägt die Aufschrift „1. Kinderschutz Universität zur Erforschung von Kinderschutz-Waren“. Eine Leserin hat uns nun gefragt, was es damit auf sich hat.

Unsere Recherchen haben ergeben, dass der hintere Teil des Gebäudeensembles zeitweise offenbar bewohnt war. Zumindest stieg im Winter immer mal wieder Rauch aus einem kleinen Schornstein hoch. Augenscheinlich lebte dort ein recht betagter Mann. Doch die auf dem Adressschild am ehemaligen Fabriktor angegebene Handynummer ist nicht mehr vergeben, und auch auf unser mehrmaliges Klingeln reagiert niemand. Eine Anfrage bei der Stadt Barsinghausen ergibt: Eine Kinderschutzuniversität existierte wohl nur im Kopf des alten Mannes.

Eine Kinderuni gab es auf dem Gelände noch nie, dafür aber eine Stanzerei für technische Massenartikel.

50 Jahre Barsinghäuser Industriegeschichte

Das Fabrikgebäude ist jedoch Teil einer interessanten Geschichte, die in Hannover begann und am Deister endete. Vor fast genau 80 Jahren, am 1. Oktober 1938, gründeten die Brüder Wilhelm und Heinrich Rose in Hannover eine Stanzerei für technische Massenartikel und nannten diese Wilhelm Rose (später Gebrüder Rose) Metallwarenfabrik.

Die Firma, die Stanz- Press- und Ziehteile für Büromaschinenhersteller produzierte, wuchs schnell und beschäftigte 1941 etwa 180 Mitarbeiter. In der Nacht auf den 9. Oktober 1943 wurden die Fabrikgebäude von Bomben schwer beschädigt. Die Brüder flüchteten ins sicherere Barsinghausen und verlagerten ihren Betrieb in die sogenannte Mensingsche Scheune, einem Wirtschaftsgebäude westlich der Rehrbrinkstraße in Höhe der Reithalle von St. Georg. Hier produzierten sie unter behelfsmäßigen Bedingungen weiter, bis sie 1945 in neu errichte benachbarte Gebäude einziehen und expandieren konnten.

Teilumzug aufs ehemalige Zechengelände

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten die Brüder eine zweite Sparte und stellten nun – ebenfalls erfolgreich – Haus- und Küchengeräte wie die noch heute unter Barsinghäusern bekannten Blechspardosen oder Körperwaagen her. 1955 bauten die Gebrüder Rose in unmittelbarer Nachbarschaft zur Niedermühle an der Rehrbrinkstraße ein weiteres Gebäude. Als bereits drei Jahre später der Platz schon nicht mehr ausreichte, entschlossen sich die Inhaber, einen Teil der erst kurz zuvor stillgelegten Zechenanlage der Preußag südlich des Egestorfer Kirchwegs zu erwerben. Hier stand das Gaswerk der Zeche mit Maschinenhaus, zwei großen Gasometern, Schwefelgasreinigung und Gleisanschluss, das Wilhelm Rose umbaute und erweiterte. Dann spalteten die Brüder ihre Firma auf. Oben am Wald produzierte fortan die Firma Wilhelm Rose Metallwarenfabrik die Zieh-, Stanz- und Pressteile als Zulieferbetrieb für die Industrie. Heinrich Rose übernahm das Werk an der Rehrbrinkstraße und stellte unter dem Namen „Gebrüder Rose Metallwarenfabrik“ Haus- und Küchengeräte her. Ab 1949 produzierten beide Werke auch für den Export. Im Jahr 1960 beschäftigten sie insgesamt 200 Mitarbeiter.

Giftige Hinterlassenschaften

Die Firma Wilhelm Rose ist noch bis 1998 unter unterschiedlichen Namen im Adressbuch gelistet. Das genaue Ende des Unternehmens ist nicht bekannt. Die Firma Gebrüder Rose beendete die Produktion in Barsinghausen 1988 und ging 1991 in Konkurs. Das sogenannte Rose-Grundstück an der Dresdener Straße war viele Jahre mit Schwermetallen und chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) verseucht. Eine Umweltfirma musste Teile des Grundstücks bis zu acht Meter tief auskoffern, etwa 7000 Tonnen Erdreich austauschen und eine Grundwasserreinigungsanlage errichten. Nach der Entgiftung des Geländes könnten hier nach Plänen der Firma Helma bis zu 30 Reihenhäuser entstehen.

Ob das Gelände am Waldrand in ähnlicher Weise verseucht ist, ist nicht bekannt. Aber allein aufgrund seiner Vergangenheit als Teil des Zechengeländes ist dies zu vermuten. Einige Orte auf dem Gelände verströmen zumindest einen verdächtigen, ungesund anmutenden Geruch.

Von Mirko Haendel

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