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Barsinghausen Nachbarn klagen über Lärm der Geflüchteten
Aus der Region Region Hannover Barsinghausen Nachbarn klagen über Lärm der Geflüchteten
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00:15 28.05.2017
In der Flüchtlingsunterkunft am Rottkampweg leben derzeit rund 90 Menschen, darunter viele Kinder.
In der Flüchtlingsunterkunft am Rottkampweg leben derzeit rund 90 Menschen, darunter viele Kinder. Quelle: Andreas Kannegießer
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Egestorf

Bei einem Anliegergespräch haben die Betroffenen sowie Vertreter der Stadtverwaltung und der für die Unterkunft zuständigen Sicherheitsfirma in dieser Woche nach Problemlösungen gesucht. „Manche direkte Anlieger sind verzweifelt, sie haben keine ruhige Minute mehr“, sagt Uwe Seidel, der ebenfalls in der Nachbarschaft der Flüchtlingsunterkunft wohnt.

Nach Angaben der Stadtverwaltung sind in der Einrichtung derzeit rund 90 Menschen untergebracht, darunter sind 35 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre. Die meisten Bewohner kommen aus dem Irak, aus Syrien und Somalia. Das temperamentvolle Leben in der Unterkunft spielt sich offenbar sehr oft bis spätabends draußen ab – mit allen akustischen Auswirkungen auf die Nachbarschaft. Seidel und seine Mitstreiter kritisieren die bauliche Situation, die erheblich zu der Lärmbelästigung beitrage: Die beiden Gebäudekörper mit dem Spielplatz davor seien so ausgerichtet, dass der Schall wie durch ein Megafon direkt in Richtung der Nachbarn zurückgeworfen werde. „Als Architekt hätte man das wissen müssen“, sagt Seidel. Die taghelle Beleuchtung vom Unterkunftsgelände strahle rund um die Uhr in die Wohnungen der Anlieger und habe weitere Auswirkungen: „Die früher hier häufigen Fledermäuse meiden unsere Gärten schon.“

Das Anliegergespräch ist auf Wunsch der Verwaltung hinter verschlossenen Türen geführt worden. Im Anschluss gab es durchaus Lob der Anlieger: „Es war ein positives Gespräch“, sagt Seidel und berichtet, dass Lösungsvorschläge für alle Kritikpunkte der Anlieger gefunden worden seien. „Wir haben Verständnis für die Situation der Anwohner“, sagt auch der Erste Stadtrat Thomas Wolf, der zu dem Gespräch eingeladen hatte. Die bauliche Situation sei allerdings nicht zu ändern, betont er. Verabredet worden sei aber, dass die für die Einrichtung zuständigen Betreuer gezielt auf die Bewohner einwirken sollen. „Sie werden immer wieder im Gespräch auf die Lärmproblematik hinweisen“, sagt Wolf. Auch die rund um die Uhr anwesenden Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sollen stärker eingebunden werden und die Hausordnung durchsetzen.

Nach Wolfs Worten will die Verwaltung prüfen, ob der Basketballkorb und die Tischtennisplatte hinter das Gebäude in Richtung des angrenzenden Friedhofes versetzt werden können. Für die Beleuchtung käme eventuell der Einsatz von Dimmern oder eine Spätabschaltung von einigen der Lampen in Frage. „Wir prüfen das, können aber nicht versprechen, dass alles in wenigen Tagen umgesetzt ist“, sagt Wolf und verweist darauf, dass die Unterkunft Eigentum der Region sei. In etwa drei Monaten wollen alle Beteiligten laut Absprache zu einem erneuten Treffen zusammenkommen. „Wir werden darauf drängen, dass dieses Revisionsgespräch dann öffentlich geführt wird“, kündigt Seidel an.

Von Andreas Kannegießer