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Barsinghausen Neues Wasserwerk: Darum wird die Suche nach Planern Monate dauern
Aus der Region Region Hannover Barsinghausen Neues Wasserwerk: Darum wird die Suche nach Planern Monate dauern
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18:43 02.01.2020
Die Technik im Grundwasserwerk Eckerde ist veraltet, die Aufbereitungskapazität begrenzt. Für den Neubau werden derzeit die Planungsleistungen ausgeschrieben. Quelle: Andreas Kannegießer (Archiv)
Eckerde

Die Barsinghäuser Stadtwerke treiben die Vorbereitungen zum Neubau des Eckerder Grundwasserwerks voran. Alle notwendigen Beschlüsse liegen inzwischen vor: Nachdem der Rat der Stadt im September den Grundsatzbeschluss für den Bau gefasst hatte, hat nun auch die Gesellschafterversammlung der Stadtwerke den Beschluss endgültig bestätigt. Damit ist der Weg frei für den Planungsstart.

„Wir bereiten die Ausschreibung für die Planungsleistungen vor“, sagt der technische Leiter der Stadtwerke, Torsten Holzhausen. Das Verfahren ist aufwendig. Wegen des großen Gesamtvolumens des Bauprojektes muss sogar bereits die Planung europaweit ausgeschrieben werden. Weil das Verfahren sehr komplex ist, werde die Ausschreibung zudem von einer Rechtsanwaltskanzlei begleitet, erläutert Holzhausen.

Stadtwerke müssen Gutachten einholen

Bei der Ausschreibung handelt es sich um ein zweistufiges Verfahren, das nach Einschätzung der Stadtwerke-Verantwortlichen etwa drei bis fünf Monate Zeit benötigen wird. In einem ersten Schritt ist es Aufgabe der Stadtwerke, möglichen Interessenten Informationen über das geplante Vorhaben zu vermitteln. Ingenieurbüros, die daraufhin ihr grundsätzliches Interesse bekunden, die Planungsleistungen für das Projekt zu übernehmen, werden dann auf ihre Leistungsfähigkeit hin beurteilt. Erst im zweiten Teil wird das Fachplanungsunternehmen endgültig ausgewählt. „Wir hoffen, dass wir die Fachplaner im Mai oder Juni gefunden haben“, sagt Holzhausen.

Parallel zur Suche nach geeigneten Planern müssen die Stadtwerke verschiedene Gutachten zu den Auswirkungen des neuen Grundwasserwerks auf die umliegenden Bäche einholen. Nach Holzhausens Worten wird dabei beurteilt, welche Auswirkungen die Einleitung des bei der Wasseraufbereitung anfallenden Prozesswassers auf die Vorfluter haben wird. Prozesswasser ist Wasser, das in industriellen Anlagen benötigt oder zur Herstellung von Produkten verwendet wird. Vorfluter nennt man einen natürlichen oder künstlichen Wasserlauf, der Wasser und – gegebenenfalls vorgereinigtes – Abwasser aufnimmt und weiterleitet.

Gesetzliche Vorgabe sei ein Verschlechterungsverbot für den Gewässerzustand, sagt der technische Leiter des Versorgungsunternehmens. Die notwendigen gewässerbiologischen Untersuchungen seien abgeschlossen und lägen bereits vor. „Jetzt stehen noch die gewässerchemischen Gutachten aus.“

Wenn das Fachplanungsunternehmen Mitte 2020 die Arbeit aufnehmen kann, wird der Planungsprozess nach Einschätzung der Stadtwerke etwa ein bis anderthalb Jahre dauern. Der Prozess gliedere sich ebenfalls in verschiedene Phasen, erläutert Holzhausen. Nach der Entwurfsplanung müsse die Ausführungsplanung und schließlich die Genehmigungsplanung erledigt werden.

Baustart frühestens Ende 2021

Läuft alles reibungslos, könnte etwa Ende 2021 mit den Bauarbeiten für das neue Grundwasserwerk begonnen werden. Holzhausen geht von einer Bauzeit von eineinhalb bis zwei Jahren aus, sodass das neue Werk frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2023 in Betrieb gehen könnte.

Ersten Schätzungen zufolge könnte das Bauprojekt rund 10 Millionen Euro kosten. Wo gebaut wird, steht noch nicht endgültig fest. Vorgesehen ist derzeit das Grundstück unmittelbar gegenüber dem vorhandenen Wasserwerk auf der Nordseite der Gehrdener Straße. „Dort könnten wir auf jeden Fall bauen“, sagt Holzhausen. Diese Freifläche neben der Galerie der Tiefbrunnen befindet sich im Eigentum der Stadtwerke. Im Zuge der Planung solle aber auch nochmals geprüft werden, ob sich die neue Anlage eventuell doch auf dem jetzt genutzten Wasserwerkgrundstück realisieren lasse, sagt Holzhausen.

Diskussion über Aufbereitungsverfahren

Das geplante neue Wasserwerk hatte im vergangenen Jahr zu zeitweise hitzigen Diskussionen geführt. Die Stadtverwaltung hatte vorgeschlagen, die Anlage so auszulegen, dass ein Teil des in Eckerde geförderten Grundwassers an das Versorgungsunternehmen Purena verkauft werden könnte – etwa zur Versorgung der Nachbarstadt Gehrden. Die große Mehrheit des Rates hatte sich gegen diese Überlegungen ausgesprochen. Auch das Verfahren zur Wasseraufbereitung war bis zuletzt umstritten. Die Stadtverwaltung hatte dafür plädiert, auch in Zukunft auf das in der alten Anlage bewährte Verfahren der Schnellentkarbonisierung zu setzen, also die Entfernung des Kalkes. Die Ratsmehrheit dagegen entschied sich für den Einsatz des sogenannten Carix-Verfahrens, mit dem auch Sulfat und Nitrat aus dem Grundwasser entfernt werden können.

Unstrittig ist die Dringlichkeit des Neubaus: Das alte Wasserwerk ist technisch veraltet und die Aufbereitungskapazität begrenzt. In den beiden vergangenen heißen Sommern konnten Versorgungsengpässe für die Barsinghäuser Bevölkerung mehrfach nur um Haaresbreite vermieden werden.

Derzeit wird im Grundwasserwerk Eckerde das Verfahren der Schnellentkarbonisierung zur Wasseraufbereitung genutzt. Im neuen Werk soll das modernere Carix-Verfahren eingesetzt werden, mit dem auch Sulfat und Nitrat aus dem Rohwasser entfernt werden können. Quelle: Andreas Kannegießer (Archiv)

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Von Andreas Kannegießer

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