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Barsinghausen WSS-Zukunft: Wird Entscheidung verschoben?
Aus der Region Region Hannover Barsinghausen WSS-Zukunft: Wird Entscheidung verschoben?
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00:16 31.01.2019
Die Wilhelm-Stedler-Grundschule soll abgerissen und neu gebaut werden. Noch offen ist, wo der Neubau entsteht. Quelle: Andreas Kannegießer
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Barsinghausen

Wenn sich am Dienstag um 18 Uhr der Schulausschuss im Schulzentrum am Spalterhals trifft, dann könnte es zu einem wichtigem Thema keine Empfehlung geben: Zur Zukunft der Wilhelm-Stedler-Schule. Denn die Ratsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen hat Beratungsbedarf angemeldet, will die Entscheidung verschieben. „Es gibt eine Vielzahl von ungeklärten Fragen“, begründet die schulpolitische Sprecherin Ulrike Westphal und kritisiert: „Wir sollen über viele Millionen Steuergelder und die bauliche Zukunft unserer Innenstadt entscheiden und haben hierfür keinerlei Grundlage.“

Verwaltung soll ungeklärte Fragen beantworten

Deshalb haben SPD, Grüne und FDP bereits einige Fragen formuliert und an die Verwaltung geschickt. Sie wollen zunächst die Antworten abwarten, um dann am 4. April, statt wie bisher vorgesehen am 13. Februar, abschließend im Rat entscheiden, wo der Neubau entstehen soll. „Diese Zeit müssen wir uns nehmen, wenn wir verantwortliche Politik in Barsinghausen machen wollen, das sind wir unseren Bürgern schuldig“, sagt Fraktionsvorsitzender Christian Röver und erinnert auch daran, dass der Rat bereits Mitte der letzten Legislaturperiode vor rund fünf Jahren den umgehenden Neubau am jetzigen Standort beschlossen hatte. „Das Ergebnis dieses Beschlusses hat Bürgermeister Marc Lahmann und der CDU offenkundig nicht gefallen - so wurde der Beschluss einfach nicht umgesetzt und zu Beginn der neuen Legislaturperiode (mit anderen Mehrheitsverhältnissen) gekippt“, heißt es in der Mitteilung der Grünen.

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Man brauche Antworten auf die dringenden inhaltlichen Fragen, um das „von dem Bürgermeister gewünschte Verschwinden der Wilhelm-Stedler-Schule aus der Fußgängerzone zu begründen“, sagt Westphal. Diese habe die Verwaltung noch nicht geliefert. „Angesichts dieser Vorgehensweise brauchen wir uns nicht über Politikverdrossenheit in unserer Gesellschaft wundern - und für mich persönlich stellt sich zunehmend mehr eine ‘Bürgermeister-Lahmann-Verdrossenheit‘ ein, sein Agieren lässt die Tätigkeit als ehrenamtliches Ratsmitglied (das nicht in der CDU ist) zum Kampf gegen Windmühlen werden.“

Ist ein neues Einzelhandelsstandort sinnvoll?

Die Fraktionen wollen unter anderem wissen, wie hoch die Baukosten am aktuellen und am Standort der Bert-Brecht-Schule wären – inklusive Vorbereitung des Baugeländes, Neubau des Schulgebäudes mit und ohne Sporthalle, Herrichtung des Schulhof- und Außengeländes. Zudem fragen sie, mit welchen Kosten für eine eigenständige Stadtbücherei in der Innenstadt kalkuliert wird, sollte an der Schulstraße gebaut werden. Sie wollen auch wissen, welchen Einfluss es auf die Geschwindigkeit des Vorhabens und die Notwendigkeiten der Ausquartierung hat, wenn der Neubau am jetzigen Standort in zwei bis drei Abriss- und Bauabschnitten durchgeführt würde.

Sollte die Wilhelm-Stedler-Schule am Mont-Saint-Aignan-Platz neu gebaut werden, könnte das Areal an der Schulstraße (im Plan unten rechts) zur Entwicklung eines neuen Wohnquartiers genutzt werden. Quelle: Stadt Barsinghausen

Zudem dränge sich die Frage auf, ob die gewerbliche Nachnutzung des Geländes mit den Gewerbetreibenden besprochen wurde. „ Ist es sinnvoll, für den Einzelhandelsstandort Innenstadt eine quantitative Erweiterung in der Kirchstraße vorzunehmen? Bestünde die Gefahr des Leerstands an anderen Stellen in der Innenstadt?“, fragen die Fraktionen und wollen auch wissen, ob beide Standorte gleich gut geeignet seien, im Rahmen der Nachnutzung den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

SPD spricht sich für Neubau an aktuellem Standort aus

Die SPD spricht sich für den Neubau der Wilhelm-Stedler-Schule an ihrem aktuellen Standort aus. „Für uns ist die Verlagerung der Grundschule in die Schulstraße mit zu vielen Unwägbarkeiten verbunden und darüber hinaus ist absolut nicht ersichtlich, worin der Gewinn für die Grundschule besteht“, sagt Ortsvereinsvorsitzender Reinhard Dobelmann.

Zum einen stehe der Schule derzeit effektiv eine größere Fläche zur Verfügung als es auf dem Gelände der Bert-Brecht-Schule der Fall sein würde, auch wenn das Grundstück dort größer ist. „Tatsächliche grenzen an das Grundstück der WSS der Schulsportplatz, ein Spielplatz und die Glück-Auf-Halle, sodass die WSS derzeit effektiv über 10.000 Quadratmeter nutzt und damit eine größere Fläche als an der Schulstraße zur Verfügung hat“, heißt es in der Stellungnahme.

Auch sei ungeklärt, wie bei einer Nachnutzung des WSS-Geländes eine sinnvolle Verkehrsanbindung der neuen Wohn- und Geschäftsgebäude erfolgen soll. „Eine Zuwegung über die Fläche zwischen Rathaus und Kloster verbietet sich nach Auffassung der SPD. Auch die schmale Zufahrt über den Mitarbeiterparkplatz der Stadtverwaltung mit starkem Gefälle ist alles andere als gut.“ Auch stünden bereits zwei große Projekte in der Innenstadt an. „Wir warnen vor eine Planungsbrache inmitten unserer Stadt und unser Eindruck ist auch, dass die Schule und die Bürger aus Alt-Barsinghausen den Standort als Schulstandort behalten wollen“, betont der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Maximilian Schneider.

Von Lisa Malecha