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Burgdorf Altenpfleger wehren sich gegen Bevormundung
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00:19 02.02.2019
Die examinierten Altenpfleger Torsten Nesemann (42, von links), Manuela Keßling (52) und Karmen Gronau (47) wehren sich gegen die Gängelung ihres Berufsstandes und fordern spürbare Verbesserungen in der Pflege. Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Manuela Keßling (52) ist examinierte Altenpflegerin, stellvertretende Pflegedienstleiterin in der Tagespflegeeinrichtung Café Klönschnack der Diakoniestation Burgdorf am Rubensplatz und – mit Unterbrechungen – seit 30 Jahren im Job. Am Sonnabend will sie auf dem Opernplatz in Hannover demonstrieren – für eine bessere Pflege, mehr Wertschätzung ihres Berufsstands und gegen die als Gängelung empfundene Zwangsmitgliedschaft in der neuen Pflegekammer Niedersachsen.

„Das ist doch furchtbar, wie man über uns bestimmt“, sagt die Pflegerin entrüstet. Dass sie nun Mitglied werden soll in einer Pflegekammer, die sie so nicht wolle und in der sie nichts mitzubestimmen habe, empfindet sie als Zumutung. Zumal ihr ein Bußgeld von 500 Euro angedroht worden sei für den Fall, dass sie ihre Zulassung nicht rechtzeitig einreicht, um ihre Qualifikation nachzuweisen.

Keßling ließ sich nicht einschüchtern und ignorierte das Schreiben der Pflegekammer. Was diese nicht gehindert habe, bei ihr noch vor Weihnachten den Mitgliedsbeitrag einzufordern. Und zwar den Höchstsatz von 240 Euro im Jahr, der anfällt, wenn jemand mehr als 70.000 Euro im Jahr verdient. „Ich verdiene 3000 Euro brutto im Monat und bin nicht die am schlechtesten Bezahlte“, sagt Keßling. Ihr Kollege Torsten Nesemann muss bei 30 Wochenstunden mit 2200 Euro brutto über die Runden kommen. Auf 70.000 Euro komme in der Pflege so gut wie niemand, sagt Keßling.

Dass sie das belegen muss, um nicht den Höchstsatz zu zahlen, empfindet sie als Bevormundung. Erst recht die Verpflichtung zum Nachweis, dass sie sich regelmäßig fortbildet. Das mache sie natürlich wie alle anderen Kollegen auch. Aber sie sei schließlich eine Angestellte, die tue, was ihr Arbeitgeber ihr aufträgt, argumentiert Keßling. Etwas anderes sei das bei selbstständigen Ärzten und Rechtsanwälten, wo eine Kammer auf die Einhaltung von Qualitätsstandards achten müsse. Keßling weiß, wovon sie redet. Ihr Mann ist Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Die 52-Jährige, die als Pflegekraft in etlichen Einrichtungen viel gesehen und erlebt hat, hat die von Stefan Cornelius aus Berge bei Osnabrück ins Leben gerufene Onlinepetition gegen die Zwangsmitgliedschaft in der Pflegekammer unterschrieben. Wie fast 42.000 andere Pflegekräfte im lande auch. Mit Kollegen und Freundinnen – auch ihr Mann werde mitkommen – will sie am Sonnabend auf dem Opernplatz protestieren: „Diese Pflegekammer ändert nichts an den zum Teil erschütternden Zuständen in der Pflege.“

Damit sich etwas ändert, müssten Pflegende erst einmal die Möglichkeit haben, der Kammer über Missstände zu berichten, fordert Keßling. Die Kammer müsste diesen dann auch nachgehen und sie sanktionieren. Jede Pflegekraft jeder noch so kleinen Einrichtung sollte sich in den Pflegerat der Kammer wählen lassen können, wo zurzeit aber nur Mitarbeiter der großen Einrichtungen und bei der Gewerkschaft Verdi organisierte Pflegekräfte vertreten seien, weil Kandidaten mindestens 40 Unterstützerunterschriften bräuchten.

„Man müsste uns zuhören. Frühzeitig“, verlangt Keßling. Von Verdi, wo sie ausgetreten ist, fühlt sie sich nicht vertreten: Die Gewerkschaft setze sich ein für 20 Euro Stundenlohn, den Sicherheitspersonal an Flughäfen erhalten sollen nach einem achtwöchigen Qualifizierungskurs. Altenpfleger durchliefen eine dreijährige Ausbildung, kämen aber nie auf 20 Euro in der Stunde, ärgert sich Keßling.

Dass sich in der Pflege dringend etwas verbessern muss, steht für sie fest. Zu gravierend seien die Fehlleistungen in vielen Einrichtungen. Wohl auch in Burgdorf, was sie allerdings nur vom Hörensagen wisse. In Einrichtungen, in denen sie selbst tätig war,, habe sie Schreckliches gesehen und sich stellenweise geweigert, dort noch zu arbeiten: völlig unzulängliche Inkontinenzversorgung Demenzkranker, unversorgte Wundstellen im Intimbereich, mitunter abgestumpftes Personal, das viel arbeiten müsse für wenig Geld. Entsprechend hoch sei die Fluktuation in manchen Einrichtungen.

Die Pflegeunternehmen am Markt

Wer Pflege braucht und keine Angehörigen hat, die diese sicherstellen können, ist auf professionelle Hilfe angewiesen. In Burgdorf sind zahlreiche Unternehmen tätig, die unterschiedliche Dienstleistungen anbieten – von der ambulanten Pflege in den eigenen vier Wänden über die Tagespflege bis hin zur stationären Unterbringung im Heim. Die großen Anbieter sind die AR Gesellschaft für Seniorendienste mbH mit Tagespflege, ambulantem Pflegedienst und Heimen in der Ost- und der Weststadt, die Burchard Führer GmbH mit dem Helenenhof an der Schillerslager Straße sowie die Diakoniestation Burgdorf mit dem größten ambulanten Pflegedienst in der Stadt und ihrer Tagespflegeeinrichtung Café Klönschnack am Rubensplatz. DRK Sozialstation, die Pflegedienste von Steffi Frost am Rubensplatz und Silke Lippert in Otze bieten ebenfalls ambulante Pflege an. In Dachtmissen gibt das das Pflegeheim Bertram, das seinerseits ambulante Pflege im Portefolio hat. Heimplätze bieten das Pflegeheim 1980 an der Neue Torstraße, das Seniorenheim Celler Tor an der Ecke Heinrichstraße und das Alten- und Pflegeheim Kams Hof in Schillerslage. Einen vollständigen Überblick, und zwar anbieterunabhängig, gibt der Pflegestützpunkt Burgdorfer Land in seiner Beratungsstelle an der Hannoverschen Neustadt 53, Telefon (0511) 70020116.

Von Joachim Dege

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