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Burgdorf Die Lebenshilfe zieht mitten in die Stadt
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Die Lebenshilfe zieht mitten in die Stadt
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09:48 09.08.2019
Unter großem öffentlichen Interesse öffnet der damalige Vorsitzende Ludger Wierling (links) den Treffpunkt an der Hannoverschen Neustadt. Quelle: Archiv
Burgdorf

 Gesellschaftsspiele und Krökelturniere, Kaffeetrinken und Klönschnack: All das steht Woche für Woche auf dem Programm des Treffpunkts, den die Lebenshilfe an der Hannoverschen Neustadt und damit im Stadtzentrum geöffnet hat. Dort kommen Menschen mit einer Behinderung zusammen, um nach der Arbeit außerhalb des Wohnheims etwas zu unternehmen. Unter dem Dach des Ambulanten Dienstes – zu dem der Familienentlastende Dienst und der Freizeitbereich gehören – erhalten knapp 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Unterstützungsbedarf die Hilfe, die sie benötigen.

Verein investiert 70.000 Euro in den Treffpunkt

Dabei begann auch dieses Aufgabenfeld bei der Lebenshilfe klein, wie Geschäftsführerin Barbara Moschüring sagt. Ihren Angaben zufolge startete der Familienentlastende Dienst im vergangenen Jahrzehnt mit drei Kindern aus dem Heilpädagogischen Zentrum, die eine Förderung brauchten. Diese übernahmen zunächst engagierte Ehrenamtliche, viele von ihnen aus pädagogischen oder pflegerischen Berufen. Für die Lebenshilfe durchaus ein Glücksfall, denn die Nachfrage nach dem Angebot stieg stetig. Deshalb bietet der Verein den Ehrenamtlichen längst unterschiedliche Schulungen an und leitet sie kontinuierlich bei der Arbeit an.

Dazu gehört auch der Schritt in die Öffentlichkeit, den die Lebenshilfe mit ihrem Treffpunkt gegangen ist. Er nahm im Mai 2011 seinen Betrieb auf – für 70.000 Euro ließ der Verein den früheren Naturkostladen umbauen. Unter der Regie des heutigen Vorsitzenden Erhard Popp wurden die angemieteten Räume eingerichtet. Das Geld stammte unter anderem von Benefizz, dem Lions Club, dem Verein zur Förderung von Wohnstätten und einem Verein der einstigen Landesmutter Hiltrud Schwetje.

Noch immer erinnert sich Marlies Zimmermann gern an die Ausflüge und Arbeitsgemeinschaften, die sie für behinderte Menschen und ihre Familien organisiert hat. Quelle: Antje Bismark

Beim Konzept für die Freizeitgestaltung konnten sich die Lebenshilfe-Aktiven auf langjährige Erfahrungen stützen. Denn fast mit Beginn der Geschichte der Lebenshilfe finden sich Eltern in der AG Freizeit zusammen, die für Menschen mit Beeinträchtigung wöchentliche Aktionen organisieren. Zu ihnen gehört die Lehrterin Marlies Zimmermann, deren Tochter vor 49 Jahren mit einem Down Syndrom geboren wurde.

Sie beginnt in den Achtzigerjahren mit ihrem Ehrenamt, das sie bis 2010 ausübt. „In jedem Januar konnten die Bewohner aus den Heimen einen Kurs auswählen“, beschreibt Zimmermann das damalige Konzept. Schwarzlicht-Theater und Tanzen gehörten ebenso dazu wie Basteln oder Handarbeiten. An jedem Sonnabend kamen die Gruppen zusammen: „Es ging darum, den Menschen neben Arbeit und Wohnheim etwas zu bieten.“ Die Eltern hätten die Kurse auf die Fähigkeiten der Teilnehmer abgestimmt. „Sie bekamen immer wieder neue Anregungen“, erinnert sie sich – bis heute setzen die Aktiven im Treffpunkt darauf.

Mutter: „Wir waren meist Außenseiter“

„Außerdem haben wir den Menschen damit eine Struktur für die Woche und den Monat gegeben“, erinnert sich die 81-Jährige, die seinerzeit zwischen Burgdorf und Lehrte pendelte. Als feste Termine standen immer Kegeln, Kaffeetrinken oder das Grünkohlessen auf dem Programm. „Mittwochs gingen wir schwimmen. Letztlich war es ein ehrenamtlicher Vollzeitjob“, sagt sie und blättert in unzähligen Broschüren, Fotos und Erinnerungen.

Ihr wie allen anderen Müttern sei es nie nur um das eigene Kind gegangen, sondern um die Gemeinschaft. „Die brauchten wir, wenn wir öffentlich unterwegs waren“, sagt die Lehrterin, die neben den wöchentlichen Terminen auch mehrtägige Freizeiten oder Tagestouren plante. Sie erzählt von einem Ausflug, bei dem die Wirtin die Gruppe mit etwa 20 Behinderten und zehn Betreuern in die pralle Sonne setzen wollte – weit weg von den anderen Gästen. „Wir waren meist Außenseiter“, sagt Zimmermann ohne jede Spur von Frustration in der Stimme, denn: „Ich bin in der Gemeinschaft stark geworden, auch privat.“ Und so habe sie mit wachsender Erfahrung jene Menschen direkt angesprochen, die ihre Tochter geradezu anstarrten.

Längst gehören die Frauen und Männer, die nach der Arbeit in der Werkstatt ihren Treffpunkt aufsuchen, zum Stadtbild – Marlies Zimmermann wünscht sich noch mehr Normalität im Alltag. Dass sich die Einrichtung an der Hannoverschen Neustadt ebenso etabliert hat wie Kita, Schule oder Wohnungen, liegt an Ehrenamtlichen wie ihr, die sich viele Jahre engagiert haben.

Fünf Jahrzehnte Lebenshilfe – fünf Serienteile

Das erste Jahrzehnt: Die Lebenshilfe gründet sich.

Das zweite Jahrzehnt: Die Reittherapie ist bis heute ein Erfolgsmodell.

Das dritte Jahrzehnt: Der Spielkreis bildet die Grundlage für Krippe und Kita.

Das vierte Jahrzehnt: Die Lebenshilfe zieht in die Innenstadt.

Von Antje Bismark

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