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Burgdorf Die Reittherapie: Eine Erfolgsgeschichte der Lebenshilfe
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18:53 05.08.2019
Sabine Rolke arbeitet in der Reittherapie der Lebenshilfe. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf

Shadow, Max, Cookie und Sammy heißen vier Tiere, die nicht nur bei den Kindern der Lebenshilfe die Herzen höher schlagen lassen. Auch Mädchen und Jungen, die außerhalb der Einrichtung eine Kita oder Schule besuchen, kennen die vier Pferde bestens: Schließlich erlernen sie nachmittags auf den Tieren das Reiten, während vormittags viele der Kinder mit einer Beeinträchtigung an einer Reittherapie teilnehmen. Den Grundstein für das heute selbstverständliche Miteinander legten Geschäftsführer Hans-Jürgen König, die Mitarbeiter und Eltern in den frühen Achtzigerjahren.

König übernahm im Herbst 1974 die Arbeit als Geschäftsführer. „Die wichtigste Aufgabe war, die Administration aufzubauen“, sagt er und erinnert sich noch immer gern an den hohen Einsatz, den die Eltern seinerzeit geleistet hatten. Dazu gehörte nicht nur die Betreuung ihrer behinderten Kinder, sondern auch die stetige Erweiterung der Tagesstätte am Wasserwerksweg. „Wir haben quasi immer gebaut“, sagt König und meint dabei auch Vogelvolieren und Stallungen. Denn er hatte bei seinem Studium in Bielefeld erfahren, wie wichtig die tiergestützte Pädagogik ist – und dieses Konzept auch für Burgdorf übernehmen wollen.

Reittherapie löst Blockaden

Und so begann im Jahr 1982 die Reittherapie auf dem Gelände, fünf Jahre später errichteten Eltern und Mitarbeiter die Reithalle. Sie musste nach einem Brand im Jahr 1998 neu gebaut werden, ebenso wie der Reitstall. „Für die Kinder war die räumliche Nähe ein Traum“, sagt König, der in jener Zeit viele Spenden für die Bauprojekte sammelte. So hätten die Jungen und Mädchen ohne Fahrweg direkt zu den Tieren gehen können – einen Vorteil, den Reittherapeutin und Erzieherin Sabine Rolke heute noch schätzt. Drei Mitarbeiter kümmern sich derzeit um Kinder mit und ohne Förderbedarf sowie die Tiere.

„Wenn die Kinder durch das kleine Tor kommen, fällt ganz viel von ihnen ab, und sie sind in einer anderen Welt“, hat Rolke beobachtet. Ruhe, Respekt, Vorsicht – all das erlernen die Kleinen beim Umgang mit Pferden. Zugleich helfe das Reiten, das Putzen, das Achtgeben aufeinander, die Wahrnehmung zu verbessern. „Wenn ein Kind mit einer Blockade auf einem Pferd sitzt, spürt es Wärme und gleichförmige, wiegende Bewegungen, die Blockaden lösen“, sagt Rolke. All das brauche Zeit, mitunter viel Zeit. Aber die räumliche Nähe ermögliche eben die notwendigen Begegnungen – auch bei Kindern ohne Beeinträchtigung. „In der heutigen digitalen Welt erhalten sie hier neue Anregungen, sie bewegen sich und sie lassen sich bewegen“, sagt die Reittherapeutin.

Pferdestall und Reithalle als Orte der Integration

Dabei ist sie immer noch dankbar für die Weitsicht des einstigen Geschäftsführers, der früh den Grundstein für die jetzige Arbeit legte. Denn trotz vieler Veränderungen auf dem Gelände der Tagesstätte mit neuen Häusern, Betreuungsangeboten, Schulbau oder Spielplatzumgestaltung blieb das Areal für die Pferde weitgehend unberührt. „Ich hoffe, dass dies auch noch lange so bleibt“, sagt Rolke mit Blick auf die anstehende Parlasca-Erweiterung. Denn letztlich kämen auf dem Lebenshilfe-Areal so Kinder aus Regelschulen mit jenen aus der Tagesstätte oder Förderschule zusammen bei einem Hobby, das alle gleichermaßen begeistere. „Kinder haben keine Berührungsängste, sie sehen, dass es Menschen gibt, die anders sind“, hat die Therapeutin beobachtet, „aber irgendwann ist alles für sie normal.“

Ihr Wunsch für die nächsten zehn Jahre deckt sich mit dem von König: „Mindestens zehn Jahre soll es so weitergehen wie jetzt“, sagt Rolke. Sie wünscht sich, dass das Areal erhalten werden kann. „Es ist ein großes Glück, dass wir hier selbstständig agieren können.“

„Das Bad war mir eine Herzensangelegenheit“

Schon bald nach seinem Amtsantritt beginnt Geschäftsführer Hans-Jürgen König im Zusammenspiel mit dem Vorstand, ein weiteres Projekt voranzutreiben. „Ich hatte mir vorher unterschiedliche Bäder angeschaut, weil ich ein Schwimmbad für Behinderte bauen wollte“, sagt er im Rückblick. Das habe seinerzeit noch nirgendwo existiert, deshalb habe es großes Interesse bei den Burgdorfer Politikern, aber auch über die Stadtgrenzen hinaus geweckt. „Auch Familie Albrecht schaute sich damals den Bau an“, sagt König.

Immerhin: Noch heute bewegen sich die Kinder mit und ohne Behinderung in dem Wärmebecken, lernen die Schwimmbewegungen und nehmen ihren Körper anders wahr. „Das Bad war mir eine Herzensangelegenheit“, sagt König, der 27 Jahre die Einrichtung leitete. Seine Überzeugung habe er nach innen wie nach außen vertreten und manchmal, sagt er mit heutigem Wissen, vielleicht nicht diplomatisch gehandelt. Doch letztlich hätten er und seine Mitstreiter eine große Unterstützung erhalten – beim Badbau ebenso wie beim Errichten eines Erdtrampolins oder weiterer Neubauten.

Von Antje Bismark

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