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Burgdorf Hausmeister Schulze kennt Schüler, Lehrer, Räume
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Hausmeister Schulze kennt Schüler, Lehrer, Räume
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13:17 28.12.2018
Otto Schulze kümmert sich als Hausmeister der Astrid-Lindgren-Schule auch um die Heizung. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf

 Unterschiedlich viel Arbeit fällt an den verschiedenen Schulen der Stadt für die Hausmeister an – dieses Dilemma wollten einige Politiker auflösen und einen Pool für die Hausmeister bilden. Diesem Wunsch erteilte die Verwaltung indes eine klare Absage und begründete ihre Haltung damit, dass sich ein Hausmeister mit dem Gebäude identifizieren sollte. Wer der Aussage nicht glaubt, sollte sich auf einen Rundgang mit Otto Schulze treffen.

Und das am besten an einem frühen Morgen, wenn noch fünf Minuten bis 6 Uhr fehlen, und der 59-Jährige doch schon mitten in der Arbeit steckt. Denn lange vor dem Unterrichtsbeginn bereitet er den Tag der Erst- bis Viertklässler vor – seit gut vier Jahren. Doch nicht nur während der Schulzeit schaut er nach dem Rechten, auch in den Ferien kommt er aus seinem Heimatort im Landkreis Celle auf Stippvisite: um die Heizung zu kontrollieren, angelieferte Waren anzunehmen oder Handwerker ins Gebäude zu lassen.

Gut 350 Jungen und Mädchen lernen in dem Gebäude an der Lippoldstraße, weitere Kinder besuchen die benachbarte Kita. Für beide Häuser zeichnet Schulze verantwortlich. Er kennt nicht nur sprichwörtlich, sondern auch tatsächlich jeden Winkel. Denn mit der morgendliche Rundgang führt Schulze in alle Räume, weil er die Türen aufschließen muss. Er geht in jede Toilette und überprüft, ob ausreichend Toilettenpapier und Papierhandtücher vorhanden sind. Er öffnet die Tür der Außentoilette, damit frische Luft hineinkommt, und er hat im Blick, ob das Reinigungteam am Vortrag auch ordentlich gewischt hat. Er weiß, welche Lehrer gern mit geöffneten Fenstern unterrichten und in welcher Klasse ein Elternabend ansteht. Er kennt aber auch jene Kinder, die um kurz nach 7 Uhr vor der Schule stehen, weil die Mutter und der Vater arbeiten gehen. Er hat im Blick, wenn Fremde am Fahrradständer warten und geht hin, um sie zu fragen, weshalb sie dort stehen.

„Jeder fühlt sich hier gut aufgehoben“

Zwischen 17.000 und 20.000 Schritte legt er an einem Arbeitstag zurück, dabei gleicht kein Tag dem anderen. „Vieles hängt ja auch von der Saison ab“, sagt Schulze, den Lehrer, Eltern und Schüler nur Otto nennen. Derzeit kontrolliere er, ob Laub auf den Treppenstufen liege und zur Rutschgefahr werde. „Nicht auszudenken, wenn jemand stürzt“, sagt er. Bei Eis müsse er streuen, bei Hitze die Außenanlagen auch mal wässern und die Hecken schneiden. An einem Vormittag stelle er die Mülltonnen heraus, an einem anderen überprüfe er die Spielgeräte auf Sicherheit.

Zudem sitzt er in jeder Woche mit Schulleiter Heiko Blumenstein zusammen für einen Wochenplan, der in Schulzes Büro gut sichtbar hängt. Dass er eingebunden werde in den Alltag von Lehrern und Kindern, sei ihm wichtig. „Ich habe mir meinen Rhythmus für die wöchentlichen Arbeiten angewöhnt, damit die Schule immer gut in Schuss ist“, sagt Schulze und nimmt einem Elektriker, der eine Leuchte in der Toilette repariert, auch gleich das Versprechen ab, eine Abdeckung für eine Steckdose anzubringen.

Seine erste Schicht beendet er um 7.40 Uhr – dann drängeln sich die Schüler vor der Tür. Mit dem Läuten der Glocke schieben sich die Kinder nur wenige Minuten an Schulze im Foyer vorbei und erzählen ihm kurz von Jiu-Jitsu-Stunden, ihrem defekten Fahrrad oder Streit mit Mitschülern. Und mitunter hört der 59-Jährige auch von Problemen daheim. „Man muss Kinder mögen“, nennt der Hausmeister die wichtigste Basis für seinen Beruf, den er eher als Berufung sieht. Und die Erwachsenen – Eltern wie Lehrer – wüssten, dass sie sich auf ihn verlassen können. „Dann fühlt sich jeder gut aufgehoben“, sagt Schulze, ehe er den nächsten Rundgang durch „seine Schule“ startet.

Neue Hausmeister und Helfer für die Stadt

Die Arbeit der Hausmeister an den Schulen verdichtet sich – darauf reagieren nur Rat und Verwaltung mit drei neuen Stellen im Plan 2019. Darin enthalten ist nach Aussage von Stadtsprecher Sebastian Kattler erstmals eine halbe Stelle für einen Mitarbeiter, der künftig den Einsatz der derzeit 15 Hausmeister und beiden Schließdienstmitarbeiter koordinieren und und an der Gebäudewirtschaft angedockt werden soll. Hinzu kommen drei Stellen aus dem Bundesförderprogramm „Teilhabe am Arbeitsmarkt“, das sich an Langzeitarbeitslose richtet.

„Dabei handelt es sich um Menschen, die weitgehend dem Arbeitsalltag entwöhnt sind“, sagt Björn Sund, hauptberuflich im Jobcenter beschäftigt und zugleich Vorsitzender des Ausschusses für Haushalt, Finanzen und Verwaltungsangelegenheiten. Seinen Angaben zufolge übernimmt das Jobcenter die Kosten für fünf Jahre, wenn die Arbeitnehmer zuvor mindestens sechs Jahre ohne Anstellung waren. „Es besteht keine Verpflichtung, sie nach den fünf Jahren zu übernehmen“, sagte Sund jetzt in der Ausschusssitzung und betonte zugleich, diese Kollegen könnten keine Stellen von Hausmeistern sparen, wohl aber die langjährigen Festangestellten entlasten.

Dieser Einschätzung schließen sich die Burgdorfer Kommunalpolitiker mehrheitlich an: „Es ist gut, wenn wir Menschen aus Burgdorf ermöglichen, wieder an den Arbeitsmarkt zurückzukehren“, sagte Rüdiger Nijenhof, Fraktionschef der Freien Burgdorfer. Bürgermeister Alfred Baxmann ergänzte, dass die Verwaltung den Einsatz der künftigen Mitarbeiter nicht nur bei den Hausmeistern, sondern auch auf dem Bauhof und Gärtnerbauhof prüfe: „Sicherlich kann man sich dort auch eine helfende Stelle vorstellen.“

Die drei neuen Hausmeister, die im nächsten Jahr besetzt werden sollen, plant die Stadt insbesondere für die Schulen am Berliner Ring und für die Koordination der Dienste, darunter auch der Vertretungen und Bereitschaften. SPD-Fraktionschef Gerald Hinz plädierte dafür, diese Führungskraft aus dem Pool der dann 14 Hausmeister zu suchen – eine Forderung, die die anderen Fraktionen stützten. Auch wenn Klaus Köneke anmahnte, angesichts des städtischen Defizits alle Kosten zu hinterfragen. „Wie wollen wir sonst je unseren Haushalt auf die Reihe kriegen?“, fragt der Christdemokrat.

Von Antje Bismark

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