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Burgdorf Hornissenumsiedelung mit schwerem Gerät
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Hornissenumsiedelung mit schwerem Gerät
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17:14 20.07.2018
Vorne zieht der Gabelstapler, hinten folgt der Bagger: Die Sprungmatte wird vorsichtig um etwa 10 Meter versetzt. Quelle: Sandra Köhler
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Burgdorf

 Naturschutz kontra Bauarbeiten? Es geht auch anders. Bei Umsiedelung eines Hornissenvolkes auf dem Sportplatz an der Scharlemannstraße, der gerade saniert wird, ziehen Stadt, Planer, Baufirma und Nabu an einem Strang. Und haben einen aufwendigen Umzug für die Insekten organisiert.

Trocken, geschützt und dunkel: So mögen es die nach Paragraf 44 Bundesnaturschutzgesetz unter besonderem Artenschutz stehenden Hornissen. Kein Wunder, dass eine Königin die Sprungmatte auf dem von Gymnasium, Realschule und TSV Burgdorf genutzten Sportplatz extrem anziehend fand. Mittlerweile sind es Hunderte Tiere, die ihr Nest inmitten des Schaumstoffes bewohnen.

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Indes: Die Matte kann an ihrem Standort nicht so lange verbleiben, bis das Volk seinem Auftrag der Arterhaltung nachgekommen ist und neue Königinnen produziert hat. Denn die die Sportanlage ist 30 Jahre alt – und sanierungsbedürftig. Nicht nur die Tragschicht, sondern auch der Untergrund der Laufbahn müssen ersetzt werden. Die Beregnungsanlage hat sich mit Eisen aus dem Brunnenwasser zugesetzt, sodass alle Zuleitungen zu erneuern sind.

885 000 Euro lässt sich die Stadt die Sanierung kosten. Dabei hat Garten- und Landschaftsarchitekt Dieter Grundmann von der Sport- und Freiraumplanung auch Wünsche der Nutzer in die Planung einfließen lassen. So wird das Rasenspielfeld ebenfalls saniert und bekommt Bodenhülsen für Faustballnetze, die Laufbahn wird komplett erneuert und erhält einen Stromanschluss für die elektronische Zeitmessung. Ein Kleinspielfeld wird verbreitert, das andere weicht einem neuen Beachvolleyballfeld. Auf der Hochsprungfläche, auf der sich die Matte befindet, soll eine Kugelstoßanlage entstehen. Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Grundmann hatte, als die Hornissen entdeckt wurden, umgehend die Stadt informiert. Diese vermittelte den Kontakt zu Ernst Schmidt vom Nabu Burgdorf, Lehrte, Uetze. Der Fachmann für Wespen, Hummeln und Hornissen hat in diesem Jahr reichlich zu tun: „Das warme Wetter ist gut für die Tiere. Und die Menschen sind mehr draußen und nehmen sie besser wahr.“ Fünf bis sechs Anrufe erreichen ihn täglich. Grundsätzlich habe er bei seinen Beratungen das Ziel, dass Mensch und Tier friedlich nebeneinander leben könnten. „Umsiedlungen sind erst die allerletzte Option“, sagte Schmidt. Zumal sie nicht immer Erfolg hätten. „Hornissen haben eine Art eingebautes GPS und suchen am alten Platz.“

Im Falle des Sportplatzes ließ sich das aber nicht vermeiden. Weil das Nest in der Sprungmatte verborgen war – lediglich der Einflug an der Unterseite der Matte war anhand eines Bergs herausgenagten Schaumstoffs sichtbar – muss diese mit umziehen. Und zwar in einen etwa 30 Meter entfernten Bereich am Platzrand. „Wir machen es in drei Etappen an mehren Tagen von jeweils nur wenigen Metern“, sagte Schmidt. Weil das Gelände offen und übersichtlich sei, sehe er gute Chancen, dass die meisten Hornissen damit klar kämen.

Um zu verhindern, dass das Nest Schaden nimmt, kam mit Bagger und Gabelstapler schweres Gerät zum Einsatz. Auf der Seite des Einflugsloches fasste der Stapler unter die Matte. Auf der anderen hielt der Bagger sie im Gleichgewicht. „Herr Scheuermann von der Gartenbaufirma hat sich viele Gedanken gemacht und extra eine Verlängerung für die Staplergabel erstellt. Es hat Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuarbeiten,“ sagte Schmidt nach der ersten Etappe.

Zwar waren die Hornissen beim Verrücken verwirrt um die Matte geflogen. Doch nachdem Schmidt die Einflugstelle mit Schaumstoffbrocken und roten Matten wieder wie vorher aussehen ließ, zudem einen direkten Weg zum nun sichtbaren Nest herstellte, beruhigte sich die Schar schnell wieder. Am Montag geht es in die zweite Runde.

Von Sandra Köhler

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