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Burgdorf Diese Werkstatt hilft Jugendlichen mit Schulproblemen – und bangt um Zuschüsse
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Diese Werkstatt hilft Jugendlichen mit Schulproblemen – und bangt um Zuschüsse
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17:11 12.09.2019
Gunda Obst (rechts) begrüßt mit ihrem Team und einigen Teilnehmern die Geburtstagsgäste. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf

Seit 20 Jahren finden Jungen und Mädchen mit schulischen oder privaten Problemen in der Jugendwerkstatt eine Perspektive – und auch wenn die Einrichtung längst als etabliert gilt, gibt es noch immer Probleme mit einer langfristigen Finanzierung. Leiterin Gunda Obst nutzte deshalb jetzt die öffentliche Geburtstagsfeier, um Unterstützer für die weitere Zusammenarbeit zu mobilisieren.

In einer Zeit hoher Jugendarbeitslosigkeit ging die Jugendwerkstatt am 15. Oktober 1999 an den Start – maßgeblich vorangetrieben von Gertrud Mrowka. „Sie gab seinerzeit den Anstoß, den Jugendlichen nicht nur eine Beratungsstelle anzubieten, sondern sie aktiv zu begleiten“, sagte Obst abseits der Feier mit 80 Gästen, darunter Mitarbeiter und Teilnehmer, Kommunalpolitiker und Kirchenvertreter. Denn der Kirchenkreis bot den anfangs acht Jugendlichen das Dach, später wechselte die Einrichtung zum neu gegründeten Diakonieverband.

Sichtbar: Die Teilnehmer des Dekorations-Gewerkes sorgen für Blickfänge beim Geburtstag. Quelle: Antje Bismark

Jugendwerkstatt übersteht existenzielle Krisen

Der Blick auf die 20-jährige Geschichte offenbart, dass jene, die mit der Jugendwerkstatt zusammenarbeiten, diese wertschätzen. Er offenbart aber auch gesellschaftliche Veränderungen, die das Haus an Drei Eichen immer wieder in existenzielle Krisen führen. So konnten die Mitarbeiter gute Angebote wie die Hauptschule nicht fortsetzen, auch die Qualifizierungsbausteine in Kooperation mit der Handwerks- und der Landwirtschaftskammer gehören der Vergangenheit an. „Dabei halfen sie den Jugendlichen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz“, sagte Obst.

Der ersten Krise im Jahr 2003 wegen unzureichender Finanzierung, bei der Land und Kirchenkreis aushalfen, folgte 2011 die zweite. „Damals bedrohte eine Reform unsere Arbeit, sodass die Teilnehmer bei zwei Demonstrationen gleich politische Bildung live erleben konnten“, sagte Obst. Sie und ihre Mitstreiter sehen für die nächsten beiden Jahre erneut große Probleme, wenn die Förderperiode des Europäischen Sozialfonds ausläuft. „Wir werden einen neuen Antrag stellen, doch angesichts der großen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien oder der Brexit-Auswirkungen gehen wir von einem reduzierten Umfang aus“, sagte sie. Derzeit übernimmt das Land Niedersachsen 55 Prozent der Kosten, aus dem Fonds kommen 45 Prozent.

Leiterin wünscht sich langfristige Finanzierung

„Uns fehlt die Langfristigkeit“, sagte Obst – die bei der Geburtstagsfeier auch den SPD-Europaabgeordneten Bernd Lange begrüßte und ihm ihren Sorgen schilderte. Denn wer beim bunten Fest mit den derzeit 17 Teilnehmern zwischen 16 und 26 Jahren in den Gewerken Garten- und Landschaftsbau, Dekoration sowie Maler und Lackierer ins Gespräch kam, merkte schnell, wie wichtig den Jugendlichen die Einrichtung ist. Zu ihnen gehört die 16-jährige Dagmara, die seit einem Monat die Jugendwerkstatt besucht. Ihr Berufsziel: Friseurin. Bis dahin nutze sie das Angebot, sagte sie und hob vor allem die neue Lernküche hervor, die die Einrichtung mit Spenden finanziert. Bislang habe sie 37.000 Euro gesammelt, sagte Leiterin Obst. Noch fehlten 13.000 Euro – sie suche also weitere Sponsoren.

Die 16-jährige Dagmara lernt seit einem Monat in der Jugendwerkstatt. Quelle: Antje Bismark

Wichtiger Partner für das Jobcenter

Für Dagmara und ihre Mitstreiter bedeutet das Haus an Drei Eichen ein Sprungbrett in den Beruf mit professioneller Begleitung beim Arbeiten, Lernen und zunehmend mit auch psychosozialer Beratung. Dass dies zum Erfolg führen kann, erklärte Björn Sund vom Jobcenter mit einem praktischen Beispiel. Er erinnerte an einen jungen Mann, der „total aus der Spur gefallen“ sei. Als Berufsberater habe er den Jugendlichen in die Jugendwerkstatt Linden geschickt: „Dort hat er sich gefangen und eine Ausbildung begonnen.“ Nach einer jahrelangen Pause hätten sich die Wege gekreuzt: „Inzwischen war er Malermeister und die Jugendsünden längst Geschichte.“

Sund bezeichnete die Jugendwerkstatt als Mutmacher und Chancengeber, die ein wichtiger Partner für die Jobcenter sei. Aus Sicht von Superintendentin Sabine Preuschoff bietet sie jungen Menschen den notwendigen Raum, Bedürfnisse und Fähigkeiten zu entwickeln – im Gewerk, aber auch im Alltag. „Jeder Einzelne erfährt hier Gemeinschaft, erhält Qualifizierung, Integration und eine Perspektive.“

Marianne Lena (rechts) durchschneidet mit Gunda Obst das symbolische Band. Quelle: privat

Von Antje Bismark

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