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Burgdorf Burgdorferin für Ceres-Award nominiert
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Burgdorferin für Ceres-Award nominiert
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00:19 19.10.2018
Jana Hansen hat am Stadtrand von Burgdorf ihre Pferdebewegungspension aufgebaut. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
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Burgdorf

Die 33-jährige Jana Hansen hat sich auf dem Gut Backhausenhof einen Traum erfüllt: Sie hat eine Pferdepension aufgebaut, die den Pferden einen Lebensraum bietet, der ihren ursprünglichen Lebensweise nachempfunden ist. Diese Ausrichtung auf das Tierwohl gepaart mit dem Einsatz moderner Arbeitstechniken hat weit über Grenzen Burgdorfs hinaus Beachtung gefunden. Die Fachzeitschrift Agrarheute hat die junge Agraringenieur und Pferdewirtschaftsmeisterin für das Finale in der Kategorie Geschäftsidee nominiert. „Es freut mich so, dass ich für den CeresAward nominiert bin, denn er legt den Fokus auf die Mannigfaltigkeit und Innovationskraft der modernen Landwirtschaft“, sagt Hansen.

Am Donnerstag, 18. Oktober, wird sie erfahren, ob sie zu den Preisträgern gehört. Bei einem Galaabend in Berlin werden die Sieger der einzelnen Kategorien verkündet und der Titel Landwirt des Jahres vergeben. Mit dem CeresAward will das Magazin aus dem Haus des Deutschen Landwirtschaftsverlags Landwirte und Landwirtinnen auszeichnen, die sich vor allem ihrer Verantwortung für Mitmenschen, Tiere und Umwelt bewusst sind und damit nicht zuletzt zu einer positiven Wahrnehmung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit beitragen.

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Das ist auch Hansen, die aus einer 400 Jahre alte Weferlingser Bauernfamilie stammt, wichtig. „Ich sehe den Pferdebetrieb in diesem Sinne auch als Multiplikator, sei mit der Ausrichtung eines Tags der offenen Tür wie im September, dem Besuch von Ferienpasskindern oder bei den täglichen Ausritten mit den Pferden, wo ein gutes Miteinander mit Reitern, Fußgängern und Radfahrer wichtig ist.“

Bevor Hansen sich daran gemacht hat, ihren Traum umsetzen, hat sie eine profunde Marktanalyse über Pferdepensionen in der Region erstellt. Ihre Erkenntnisse goss die junge Frau in ein Geschäftsmodell. Auf dem vier Hektar großem Areal ließ sie zwei Paddockställe mit 18 Quadratmetern großen Boxen mit gemeinsamer Auslauflauffläche für jeweils zehn Pferde bauen. Es entstand ein 20 mal 80 Meter großer Reitplatz, der zur Hälfte überdacht ist. Jedes Detail habe sie sich überlegt und speziell anfertigen lassen, berichtet die junge Frau, die mit elf Jahren ihr erstes Pony bekam.

Für die Pferde gibt es in Jana Hansens Pension viel Platz – auf den Freiluftflächen sind sogar Wassertümpel angelegt. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Für die Gruppenhaltung gibt es große Freiluftflächen mit zwei Bewegungsställe – einer für die Stuten, einer für die Wallache. „Die Trennung ist sinnvoll, denn Stuten und Wallache haben unterschiedliche Ansprüche“, erklärt Hansen. „Die Wallache spielen mehr als die Stuten, sind kumpelhaftiger. Deshalb geht es viel entspannter zu, wenn keine Stuten dabei sind. Das ist wie beim Menschen.“ Jedes Tier in Hansens Pension wird mit einem Transponder ausgestattet. Mit ihnen wird die Freigabe von Futterplätzen und Bewegungsräumen gesteuert. Neben Raufen mit Heu, das samt Analyse geliefert wird, bekommen die Pferde an der Kraftfutterstation über den Tag verteilt 20 kleine Portionen . „Denn der Pferdemagen ist klein.“

Die Auszubildende Lisbeth Hartmann macht ein Pensionspferd für das Longieren fertig. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Die Tiere können selbst entscheiden, wo sie hingehen, wann sie fressen, trinken und ruhen, erklärt Hansen ihr Konzept. Dadurch, dass die Bereiche getrennt voneinander sind, sind sie den ganzen Tag in Bewegung. „Als Steppentiere sind es Pferde gewohnt, den ganzen Tag in Bewegung zu sein und karge Nahrung aufzunehmen.“ 60 Tiere haben Platz in der Pension, mehr als 50 werden von Hansen und ihren drei Auszubildenden derzeit betreut. „Die Pferdebesitzer kommen überwiegend aus Hannover. Inzwischen sind fünf Einsteller nach Burgdorf umgezogen“, berichtet sie. „Es gibt nichts Vergleichbares in der Nähe“, sagt eine Reiterin, die gerade ihr Pferd nach einem Ausritt versorgt. Ein junges Mädchen, das eine Reitbeteiligung hat, pflichtet ihr bei: „Das ist ein Supersystem.“

Jana Hansen Konkurrenten kommen aus Südtirol und Bremen

Die Fachzeitschrift Agrarheute hat ihren Preis, mit dem sie die besten Landwirte und Landwirtinnen im deutschsprachigen Raum auszeichnet, nach der römischen Göttin des Ackerbaus benannt. Schirmherr des Ceres-Award ist der Präsident des Deutschen Bauernverbands Joachim Rukwied. Jedes Jahr – 2018 zum fünften Mal – werden laut Ausschreibung „herausragende Persönlichkeiten gesucht, die sich um die Landwirtschaft verdient machen“. Die 30 Finalisten – drei je Kategorie – wurden in den vergangenen Monaten von fachkundigen Juroren auf ihren Höfen besucht und beurteilt.

Die zehn Kategorien –Ackerbau, Biolandwirt, Energielandwirt, Geflügelhalter, Geschäftsidee, Junglandwirt, Manager, Milchviehhalter, Schweinehalter und Unternehmerin – spiegeln die Vielfalt der landwirtschaftlichen Betriebe wider. Die Sieger in den Kategorien erhalten 1000 Euro. Der Gesamtsieger bekomme den Titel „Landwirt des Jahres“ verliehen und 10 000 Euro für ein Projekt, welches das Ansehen der Landwirtschaft fördere, erklärt Kristina Fischer vom Deutschen Landwirtschaftsverlag, der das Magazin Agrarheute herausgibt.

Jana Hansen Konkurrenten in der Kategorie Geschäftsidee sind: Harje Kaemena aus Bremen, der in seinem Familienbetrieb aus der selbsterzeugten Milch Speiseeis herstellt, und der Biobauer Alexander Agethle aus Südtirol. Er hat den Kauf und Umbau der Dorfkäserei mithilfe von Crowdfunding finanziert.

Von Anette Wulf-Dettmer