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Burgdorf Keine Geburtsurkunde: Standesamt lässt verzweifelte Mutter warten
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Keine Geburtsurkunde: Standesamt lässt verzweifelte Mutter warten
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19:27 16.10.2019
Stolz zeigt Lisa-Marie Runkel ihren zwei Wochen alten Sohn Bjarne – doch sie muss seit seiner Geburt viel Zeit mit Behördengängen verbringen. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf/Hannover

Entspannt verschläft der zwei Wochen alte Bjarne die Tage – zum Glück, wie seine Mutter Lisa-Marie Runkel sagt. Denn sie macht seit der Entbindung am 27. September einen wahren Behördenmarathon durch, um entweder an die Geburtsurkunde für den kleinen Sohn zu kommen oder zumindest eine finanzielle Unterstützung zu erhalten. Doch auch dafür benötigt sie die Geburtsurkunde. „Ich drehe mich seit zwei Wochen im Kreis“, sagt die alleinerziehende Mutter.

Sie hatte ihren Sohn in der Medizinischen Hochschule Hannover zur Welt gebracht. „Die Klinik hatte ich bewusst wegen meines Herzfehlers ausgesucht, damit wir optimal versorgt sind“, sagt sie. Drei Tage nach der Entbindung habe die Entlassung angestanden, und noch im Krankenhaus habe sie wegen der Geburtsurkunde nachgefragt. „Doch dort hieß es nur, das Standesamt Hannover sei zuständig und die Wartezeit lang.“

Stolz zeigt Lisa-Marie Runkel ihren zwei Wochen alten Sohn Bjarne. Quelle: Antje Bismark

Mutter muss wohl wochenlang auf Geburtsurkunde warten

Zurück in ihrer Wohnung in Burgdorf setzte Runkel sich ans Telefon und versuchte, die Behörde in der Landeshauptstadt zu erreichen. „Inzwischen hatte ich gehört, dass es zwölf bis 14 Wochen dauert, bis die Geburtsurkunde ankommt“, sagt sie. Diesen Zeitraum will Udo Möller, Sprecher der Stadt Hannover, nicht bestätigen. „Wir haben eine mehrwöchige Wartezeit, aber kein Vierteljahr“, sagt er auf Anfrage und begründet dies mit Personalengpässen im Standesamt. Diese Aussage beruhigt Runkel keineswegs, denn: „Für mich zählt jeder Tag.“

Als Altenpflegerin erhalte sie im Oktober und November noch 60 Prozent ihres Gehalts vom Arbeitgeber, die restlichen 40 Prozent würde die Krankenkasse auszahlen – wenn sie denn eine Geburtsurkunde vorlegen könnte. Auch den Antrag auf Eltern- und Kindergeld würde sie jetzt gern stellen sowie ihren Sohn bei der Krankenkasse anmelden – aber auch dafür braucht sie den offiziellen Nachweis der Geburt. „Es ist zum Verzweifeln“, sagt die Burgdorferin, die nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen mindestens 15 Stunden am Telefon verbracht hat. „Die meiste Zeit ging für den Versuch drauf, einen Mitarbeiter im Standesamt Hannover zu erreichen“, sagt sie und fügt hinzu, dass sie inzwischen ihre Prepaid-Karte fürs Telefon zweimal mit 15 Euro habe aufladen müssen.

Stadt Burgdorf darf Dokument nicht ausstellen

Gleichwohl kann sie keinen Erfolg vermelden: „Ich höre jedes Mal die automatische Tonbandansage, dann fliege ich komplett aus der Leitung.“ Mit dem Säugling habe sie aber auch die Behörde nicht aufsuchen wollen. „Ich müsste ja sehr früh in Hannover sein und dann Glück haben, dass ich noch an die Reihe komme, ehe der Schalter schließt.“ In Burgdorf könne sie die Geburtsurkunde nicht beantragen, bestätigt Stadträtin Silke Vierke. „Das geht nur im Geburtsort.“

In ihrer Not wandte sich Runkel an das Arbeitsamt, um sich über eine finanzielle Unterstützung zu informieren. „Dabei finde ich es eigentlich bitter, dass ich nun wie ein Bittsteller von Amt zu Amt laufen muss, um am Ende meine Miete zahlen und für uns beide einkaufen zu können“, sagt sie. Denn eigentlich gerate sie in die jetzige Situation nur, weil die Stadt Hannover nicht vernünftig arbeite – denn ihr Problem betreffe nicht nur junge Mütter. „Auch wenn Familien eine Sterbeurkunde benötigen, müssen sie so lange warten. Das ist doch nicht hinzunehmen.“

Lisa-Marie Runkel schaltet einen Anwalt ein

Noch verschläft der kleine Bjarne den großen Stress, doch spätestens in der nächsten Woche betrifft der ihn konkret. „Dann steht die Vorsorgeuntersuchung beim Kinderarzt an, für die ich ja eigentlich eine Krankenversicherung benötige, die wir aber nicht haben“, sagt Runkel. Entweder zeige sich der Mediziner kulant, oder sie erhalte zu allen laufenden Kosten noch die Rechnung für die Behandlung. „Das ist alles sehr frustrierend“, sagt sie. Denn sie würde schon jetzt gern einen Arzt konsultieren, um herauszufinden, ob ihr Sohn den Herzfehler geerbt habe – eine Sorge, die sie umtreibt, weil Bjarne mitunter eine leicht bläuliche Gesichtsfarbe zeige.

Runkel hofft auf eine Lösung, und die könnte sich nach dem Anruf dieser Zeitung kurzfristig ergeben. Stadtsprecherin Konstanze Kalmus kündigt per E-Mail an, dass die Stadt zwischenzeitlich vorläufige Bescheinigungen erstellen werde, mit denen die junge Mutter dann Kinder- und Elterngeld beantragen könne. Für die Burgdorferin, die inzwischen einen Anwalt eingeschaltet hat, hieße dies, dass sie dann endlich die Unterstützung finden würde, um zur Ruhe zu kommen und das Zusammenleben mit Bjarne noch mehr genießen zu können. „Es wäre ein schönes Gefühl zu wissen, dass sich jemand um uns kümmert“, sagt sie voller Hoffnung und ergänzt, dass sie sich als Feuerwehrfrau ehrenamtlich für andere einsetze. „Sogar noch hochschwanger beim Entenrennen auf der Aue.“

Nachtrag: Bjarne besitzt jetzt eine Krankenversicherung

Und tatsächlich: Nachdem die HAZ-Redaktion beim Standesamt nachgefragt hat, erhält Runkel innerhalb von zwei Tagen vorläufige Bescheinigungen zur Vorlage bei den Behörden. Sie kann nun den Antrag auf Elterngeld stellen und den Säugling bei der Krankenkasse anmelden. Für das Kindergeld habe sie die Steuer-ID von Bjarne benötigt, sagt die Altenpflegerin.

Dank der Stadt Burgdorf könne sie die Bearbeitung aber nun beschleunigen: „Ich habe beim Bundeszentralamt für Steuern angerufen, weil die Kindergeldstelle in Celle eigentlich die Originalurkunde benötigt“, sagt Runkel. Dort habe sie den Hinweis erhalten, dass sie Bjarne in Burgdorf mit der vorläufigen Urkunden melden könne. „Zum Glück ging das alles ganz schnell, denn die Geburtsurkunde ist noch in weiter Ferne.“

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Von Antje Bismark

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