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Burgdorf Pollehn will Klärschlamm-Verklappung stoppen
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Pollehn will Klärschlamm-Verklappung stoppen
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18:13 28.06.2019
2800 Tonnen Klärschlamm produziert das Klärwerk der Stadt jedes Jahr. Die Stadt lässt die Rückstände aus der Abwasserreinigung von Remondis auf Feldern entsorgen. Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Die Entscheidung des Verwaltungsausschusses der Stadt, ein Klärschlamm-Lager zu bauen und vorerst an der Entsorgung der Hinterlassenschaften aus der Abwasserversorgung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen festzuhalten, scheint nicht das letzte Wort gewesen zu sein. Der designierte Bürgermeister Armin Pollehn (CDU) forderte in der Ratssitzung am Donnerstagabend ein Ende der „Verklappung auf den Feldern“. Er stellte Korrekturen in Aussicht.

Bürgerin hinterfragt Klärschlamm-Entscheidung

Das Streitthema Klärschlamm hätte mit der Entscheidung im nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss vom Dienstag erledigt sein sollen. Im Rat stand es nicht auf der Tagesordnung. Dass sich die Kommunalpolitiker dennoch genötigt sahen, im Rat öffentlich ihre Argumente auszutauschen, dafür sorgte die Hülptingserin Christina Wiese. Sie hinterfragte in der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Ratssitzung die Entscheidung zum Bau eines Lagers bei Hülptingsen, kritisierte die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt und tadelte, dass keine Überdachung vorgesehen sei, so dass „die Scheiße frei gelagert“ werde und zu Geruchsemissionen führe. Betroffene Bürger seien nicht informiert worden. Die Betriebswirtin Wiese zweifelte zudem an, dass eine Investition in ein Lager, das nur im Notfall gebraucht werde, betriebswirtschaftlich sinnvoll sei.

Ratsherr Michael Fleichmann (Die Linke), erklärter Lager-Gegner, nahm die Vorlage auf. Wenn die Stadt 750.000 Euro in ein Zwischenlager investiere, seien andere Entsorgungslösungen vom Tisch, zumal sich das Lager erst nach vielen Jahren rechnen werde. Dabei gebe es längst umweltfreundliche Alternativen.

„Wir wollen keine Verklappung auf Feldern“

CDU/FDP-Gruppensprecher Armin Pollehn, ab November Bürgermeister und Verwaltungschef, sagte: „Wir wollen keine Verklappung auf den Feldern.“ Die Stadt müsse diese nach dem Willen des Verwaltungsausschusses zwar zurückfahren. Wann das geschieht, sei völlig offen. Pollehn kritisierte zudem die hohen Kosten für das Lager, wenn es tatsächlich nur eine zeitlich befristete Zwischenlösung sein solle. Mit Dach, das laut Stadt nur bei bislang nicht definiertem Bedarf gebaut werden soll, summierten sich die Kosten auf fast eine Million Euro. „Wir brauchen eine Alternative in ein bis zwei Jahren.“

Gerald Hinz, Sprecher der SPD-geführten Mehrheitsgruppe im Rat, und Bürgermeister Alfred Baxmann (SPD) verteidigten den Lager-Bau und die damit einhergehende Klärschlamm-Verwertung auf Feldern. Hinz bezeichnete Befürchtungen, dass das Lager stinken werde, als unbegründet. Dies habe eine Berechnung des TÜV Nord ergeben. Die Beteiligung an einer interkommunalen Verbrennungsanlage für Klärschlamm in Hildesheim sei wirtschaftlich keine Option gewesen: „Wir wissen nicht, was rauskommt, und was es kostet.“ Bürgermeister Alfred Baxmann bezeichnete die Entscheidung für ein Lager als „höchst ökologisches und verantwortungsbewusstes Handeln“. Das Lager sei notwendig, um die Stadt nicht „einem Erpressungspotenzial von Entsorgern auszusetzen“.

Interview: „Was nicht mehr im Abwasser ist, ist im Klärschlamm“

Andrea Roskosch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Umweltbundesamts und dort zuständig für die Themen Abwasserbehandlung und die Rückgewinnung von Phosphor aus dem Klärschlamm.

Frau Roskosch, warum düngen Landwirte mit Klärschlamm?

Der ist bis jetzt ein erlaubtes Düngemittel. Die Landwirte haben es sehr günstig bekommen. Er enthält Nährstoffe, unter anderem Phosphor und Stickstoff, und Humus als Bodenverbesserer. Aber leider ist auch das ganze andere drin, was sich heutzutage in unserem Abwasser befindet und das man herausbekommen möchte.

Ist die Entsorgung von Klärschlamm auf Feldern ökologisch noch verantwortbar angesichts der Arzneimittelrückstände und des Mikroplastiks darin?

Aus Vorsorgegründen sagen heute die Fachleute, dass es ökologisch nicht mehr vertretbar ist. Bei der Abwasserbehandlung will man ja möglichst viel entfernen, um das behandelte Wasser in möglichst guter Qualität in die Gewässer einleiten zu können. Alles was nicht mehr im Abwasser ist, ist dann im Klärschlamm. Also Arzneimittelrückstände, Mikroplastik, Nanomaterialien, Chemikalien aus Reinigungsmitteln, Reifenabrieb von den Straßen und Keime. Daher sollte man es lieber nicht auf Feldern ausbringen, sondern die organischen Schadstoffe zerstören über die Verbrennung.

Ist also die Entsorgung von Klärschlamm in Verbrennungsanlagen besser?

Kommt darauf an, wie es gemacht wird. Besser ist es auf jeden Fall, mit der Verbrennung die Organik, resistente Bakterien und Kunststoffe zu zerstören. Das ist dann alles raus. Danach hat man Asche. Unter Berücksichtigung der Abtrennung von Schwermetallrückständen muss man dann den Phosphor zurückgewinnen. Den Stickstoff könnte man vorher herausholen, zum Beispiel mithilfe es Stripping-Verfahrens.

Reichen die zurzeit vorhandenen Verbrennungskapazitäten aus?

Das ist regional zu betrachten. Es werden sicher noch neue Kapazitäten gebraucht, aber die Planungen laufen schon. Ich denke, dass man das so gelöst bekommt, dass keine großen Engpässe entstehen. In Niedersachsen gab es zeitweise Probleme. Nach der Änderung im Düngerecht konnte man nicht mehr so viel Klärschlamm ausbringen wie vorher. Deshalb baut man auch die Zwischenlager, weil man nicht mehr so viel auf einmal unterbekommt.

Welche alternativen Entsorgungswege gibt es?

Es gibt keine großartigen Alternativen zur bodengebundenen oder zur thermischen Verwertung. Bei der Vererdung bleiben am Ende auch die Schadstoffe übrig. Die rechtlichen Vorgaben bei der späteren bodenbezogenen Verwendung müssen auch hier beachtet werden. Die Membrantechnik der sogenannten vierten Reinigungsstufe kann lediglich das Wasser noch sauberer filtern. An den Schadstoffen im vorher abgetrennten Klärschlamm ändert das nichts. Unter Kostengesichtspunkten betrachtet ist es aktuell am günstigsten, den Klärschlamm auf den Acker zu kippen und als Düngemittel zu verwerten. Aus Umweltsicht und Gründen der Vorsorge ist es am besten zu verbrennen und den Phosphor zurückzugewinnen. Oder man holt den Phosphor vorher raus und verwertet den Klärschlamm stofflich in Zementwerken.

Von Joachim Dege

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