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Burgdorf Prozess lässt tief in Trinkerszene blicken
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Prozess lässt tief in Trinkerszene blicken
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00:20 01.02.2019
Fingerzeig des Amtsgerichts: "Das ist Ihre letzte Chance, Ihr Leben in den Griff zu kriegen." Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Tiefe Einblicke in die Trinkerszene, die am Aldi-Park zwischen Marktstraße und Hannoverscher Neustadt abhängt und Flaschen kreisen lässt, hat ein Prozess am Amtsgericht gewährt. Strafrichterin Stephanie Rohe verurteilte einen 37 Jahre alten Mann wegen Körperverletzung in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Dass die Richterin die Strafe zur Bewährung aussetzte, ist einzig dem Umstand geschuldet, dass der Alkoholiker binnen vier Monaten eine stationäre Entzugstherapie anzutreten hat.

Zwei Taten standen zur Debatte: Im Juni 2018 kam es nach zwei Flaschen Branntwein und einigen „Kurzen“ in der Wohnung eines Saufkumpanen zum Streit mit einem Trinkgenossen. Dieser hatte ihn angegriffen, ihm das T-Shirt zerfetzt, war dann sturztrunken vom Sofa gepurzelt, sodass der schmächtigere Angeklagte Oberwasser gewann und mit geballter Faust das Gesicht des Freundes, wie sich beide gegenseitig nennen, krankenhausreif bearbeitete. – Vorsätzliche Köperverletzung, urteilte das Gericht.

Zwei Monate später schnappte sich der Angeklagte volltrunken einen Schlagstock und marschierte am Aldi-Park vorbei Richtung An der Bleiche, wo er seine Ex mit deren neuem Freund beim Gelage wähnte. Vorausgegangen war ein von Eifersucht geprägter Sprachnachrichtenaustausch via Handy, bei dem auch Vergewaltigungsvorwürfe geäußert wurden. Auf seinem Rachfeldzug traf der Mann erst auf die angeblich von ihm vergewaltigte Frau und zog ihr auf der Straße sofort eins über. Als die Ex hinzueilte, fing die sich gleichfalls einen Schlag ein. Was dann geschah, lässt sich nicht mehr verifizieren. Jedenfalls bezog der Angeklagte so viele Tritte und Schläge, dass sein zugeschwollenes Gesicht einen Atemalkoholtest bei der inzwischen alarmierten Polizei unmöglich machte. Die Schläge, die er mit der Waffe gegen die Frauen ausgeteilt hatte, wertete das Gericht als gefährliche Körperverletzung.

Unter den Zeugen im Gerichtssaal waren wohl auch die Schläger, die den Angeklagten windelweich geprügelt hatten. Nur nachweisen ließ sich denen das nicht. Zumal sie entweder nichts erinnerten, oder aber logen, dass sich die Balken bogen. Einer Frau droht nun ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage.

Mit 22 Vorstrafen, davon 14 einschlägige, hätte der angeklagte Trinker normalerweise keine Aussicht mehr auf eine Bewährungsstrafe gehabt. Weil er aber auf Zureden des als Gutachter bestellten Psychiaters einlenkte und sich bereit zeigte zu einem Klinikaufenthalt, hatte das Gericht ein Einsehen und machte die Therapie zur Bewährungsauflage. „Das ist die letzte Chance, Ihr Leben in den Griff zu kriegen“, schärfte Richterin Rohe dem Mann ein.

Von Joachim Dege

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