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Burgdorf Simulierte Trunkenheitsfahrt soll Berufsschüler aufrütteln
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Simulierte Trunkenheitsfahrt soll Berufsschüler aufrütteln
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00:20 16.06.2019
Auftakt der Kampagne Don’t Drink And Drive: Staatssekretär Berend Linder setzt die Simulationsbrille auf – und los geht die Trunkenheitsfahrt. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
Burgdorf

„Ach, die zwei Biere, das macht nichts, damit kann ich noch problemlos fahren“ – mit einer solch laxen Einstellung gehen zahlreiche Menschen mit ihrem Alkoholkonsum um. Doch schon kleine Mengen alkoholischer Getränke können die Fahrtüchtigkeit erheblich einschränken. Wie sich das bemerkbar macht, erfahren Schüler der BBS Burgdorf jetzt ganz unmittelbar über einen computergesteuerten Promille-Simulator, der erstmals in Niedersachsen zum Einsatz kommt. Erste Eindrücke haben die Jugendlichen schon gesammelt: „Es war verwirrend, nach der Fahrt hatte ich Kopfschmerzen“, berichtet ein BBS-Schüler aus dem Fachbereich Mobilität.

Betreut wird die Aktion von der Don’t Drink And Drive Academy (DDAD). Zehn Berufsschulen in Niedersachsen wollen die Mitarbeiter im Juni und August besuchen. Die Kampagne startete in den Berufsbildenden Schulen (BBS) Burgdorf am Donnerstag. Den Fahrsimulator ausprobieren durften die Schüler des BBS-Fachbereichs Mobilität, in dem unter anderem die Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker angesiedelt ist. „Fahrzeuge führen und Fahrzeuge fahren erleben die Schüler hier doppelt. Zudem haben viele das Abitur und damit meistens auch einen Führerschein“, erklärt BBS-Schulleiter Reiner Behrend.

Simulierte Fahrt mit 0,8 Promille

Zum Einsatz kommt Virtual-Reality-Technik. Der Fahrer nimmt in einem Auto Platz, das entsprechend an den Simulator angeschlossen wurde. Sobald er die Virtual-Realitiy-Brille aufgesetzt hat, startet die Fahrt. „Die Brille vermittelt eindringlich und ohne Filter, wie das Fahrvermögen schon bei etwa 0,8 Promille beeinträchtigt wird“, erklärt Johannes Keßler von der Academy. Der Simulator zeige aus der Fahrerperspektive, wie sich die Sehleistung (Tunnelblick) vermindert, Geschwindigkeiten falsch eingeschätzt, Lenkbewegungen unkoordinierter werden und sich die Reaktionszeiten vor allem beim Bremsen vor plötzlichen Hindernissen verlängern. Diese Erfahrung ließ sich auch Berend Lindner, Staatssekretär im Landesverkehrsministerium, bei seinem Besuch zum Kampagnenauftakt nicht entgehen. Er setzte sich für eine „Trunkenheitsfahrt“ ins Testauto in der BBS Burgdorf.

Auf einer Leinwand kann der Zuschauer beobachten, was der Fahrer mit der Simulationsbrille gerade sieht und wie schnell er fährt – Berend Lindner ist mit 19 Stundenkilometern unterwegs. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Hauptursache schwerer Unfälle ist Alkoholkonsum

Lindner, vor seinem politischen Amt Verkehrsrichter am Land- und Oberlandesgericht, sprach von einem signifikanten Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Unfällen mit Schwerverletzten und Toten. „Dabei sticht die Altersklasse der 18- bis 24-Jährigen mit vielen Verkehrstoten heraus“, sagt er. Die Polizei in Burgdorf bestätigt dies. „Alkohol gehört bei Unfällen mit Schwerverletzten und Toten nach wie vor zu den Hauptursachen“, betont Carsten Bertram, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizei. „Deshalb wollen wir da auch weiter aufklären.“ In Burgdorf haben Polizisten im vergangenen Jahr 40 Autofahrer gestoppt, die unter Alkoholeinfluss standen, in den ersten vier Monaten 2019 waren es immerhin schon 14.

„Fahrer übernimmt große Verantwortung für seine Freunde“

Die Aufklärung der Fahrer zeigt nach Einschätzung Lindners und Keßlers durchaus Erfolg. Bundesweit sank die Zahl der Trunkenheitsfahrten seit 1991 von rund 41.000 auf 35.626 im vergangenen Jahr. 13.916 dieser Fahrten führten zu Unfällen, bei denen 244 Menschen getötet wurden. Fast die Hälfte dieser Unfälle ereigneten sich laut Keßler freitags und sonnabends in den Nachtstunden von 22 bis 6 Uhr. An den Aktionstagen in den Berufsbildenden Schulen suche das Academy-Team auch das Gespräch auf Augenhöhe mit den Schülern und informiere über rechtliche Konsequenzen, Strafen und Versicherungsfolgen, sagt Keßler. Es gehe zudem darum, bei den jungen Leuten das Bewusstsein dafür zu wecken, „dass derjenige, der nüchtern bleibt, um die anderen sicher nach Hause zu fahren, nicht der Looser ist, sondern der Held des Abends, der große Verantwortung für seine Freunde übernimmt“.

Mehr zum Thema Verkehrssicherheit lesen Sie auch unter: Polizei warnt Schüler vor dem Smartpone am Lenkrad.

Von Anette Wulf-Dettmer

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