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Burgdorf Spielkreis bildet die Grundlage für Krippe und Kita
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Spielkreis bildet die Grundlage für Krippe und Kita
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12:58 07.08.2019
Aus dem einstigen Spielkreis entwickelt sich die heutige Krippe Rappelkiste. Quelle: privat
Burgdorf

Zu einem Zeitpunkt, als kaum jemand über Integration oder gar Inklusion spricht, entsteht in der damaligen Tagesstätte der Lebenshilfe Burgdorf ein Spielkreis, in dem Mütter mit ihren Kindern zusammenkommen – einige mit, andere ohne Unterstützungsbedarf. Die Jüngsten zählen gerade ein Jahr, die Ältesten gehen mit drei Jahren in eine Kita. „Die Besonderheit“, sagt Susanne Ruhkopf aus dem heutigen Leitungsteam, „lag darin, dass pädagogische Fachkräfte den Müttern helfend zur Seite standen, deren Kinder Unterstützung benötigten.“

Gemeinsam wachsen die Kleinen, die sich immer mittwochs treffen, auf. Sie machen in der Gruppe die ersten Erfahrungen beim Spielen, kreativen Gestalten, beim Reiten, im Blätterbad oder Experimentieren mit unterschiedlichen Materialien. Ruhkopf erinnert sich an ein Treffen, bei dem eine Mutter eimerweise Gelatine mitbrachte. „Und obwohl wir den Gruppenraum mit Folie auslegten, war das anschließende stundenlange Putzen eine nachhaltige Erfahrung“, sagt sie – gleichwohl hätten die Kinder eine herrliche Sinneserfahrung gemacht.

Krippe Rappelkiste wächst aus dem Spielkreis

So wichtig der Spielkreis zu jener Zeit war: Er überlebte sich, als immer mehr Mütter frühzeitig in den Beruf zurückkehren wollten. „Die Kinder ohne Unterstützungsbedarf gingen deshalb in die Krippe, damit fehlte den anderen Müttern der Austausch im Spielkreis“, sagt Ruhkopf. Sie konnten ihren Nachwuchs mit unterschiedlichen Einschränkungen zu dieser Zeit noch nicht in einer Krippe anmelden, diese Möglichkeit fehlte schlicht in den Neunzigerjahren. „Für uns als Lebenshilfe war das der Ansporn, diese Versorgungslücke mit unserer Krippe zu schließen“, sagt Ruhkopf und verweist durchaus mit Stolz darauf, dass sich die Integrative Krippe Rappelkiste mit zwölf Plätzen längst in der Stadt etabliert hat – ebenso wie die Kooperativen und die Heilpädagogischen Gruppen in der Kita.

Brandstifter wütet bei der Lebenshilfe

Allen gemeinsam ist, dass die Jungen und Mädchen neben dem regulären Betreuungsangebot auch die vier Lebenshilfe-Pferde besuchten und dort erste Reiterfahrungen sammelten. Den Grundstein dafür hatten Geschäftsführer Hans-Jürgen König und sein Team in den Achtzigerjahren gelegt. Im Jahr 1995 mussten die Lebenshilfe-Aktiven sehen, wie der Reitstall in Flammen aufging. Nur drei Jahre später zerstörten Flammen die Reithalle, sie wurde im Folgejahr wieder aufgebaut.

Zu diesem Zeitpunkt trieb ein Brandstifter sein Unwesen in der Stadt – allein dreimal wurde die Lebenshilfe das Ziel das Täters. Nur der Aufmerksamkeit von Spaziergängern war es im August 1998 zu verdanken, dass die Tagesstätte nicht ausbrannte: Unbekannte hatten auf der Terrasse des Kindergartens Gartenmöbel und Sitzkissen an die Holzverkleidung herangeschoben und angezündet. Die Passaten bemerkten das Feuer und alarmierten die Rettungskräfte.

Brandstifter zünden in den Neunzigerjahren die Reithalle an, die Lebenshilfe errichtet eine neue. Quelle: privat

Lebenshilfe investiert 1,44 Millionen Mark in Anbau

Zu den Neubauten dieses Jahrzehnts gehört auch ein Gebäude mit großer Küche, drei Gruppen- und drei Therapieräumen sowie einem großzügigen Sanitärbereich auf insgesamt 420 Quadratmetern. Gut 1,44 Millionen Mark investiert die Lebenshilfe in den Anbau des Heilpädagogischen Zentrums, der eigentlich eine komplette Kita ist. Damit endet ein jahrelanges Provisorium. Allein 380.000 Mark bringt die Lebenshilfe aus eigenen Kräften auf, weitere 300.000 Mark kommen von der Aktion Sorgenkind. Außerdem geben die Kommunen aus dem Einzugsbereich Geld, den Restbetrag muss die Lebenshilfe tilgen.

Im Rückblick sagt Hans-Jürgen König, von 1974 bis 2007 Lebenshilfe-Geschäftsführer, dass Bauprojekte seine Arbeit bestimmt hätten – denn wegen der steigenden Nachfrage reichten auch die im dritten Jahrzehnt errichteten Gebäude in den Folgejahren nicht aus.

Andreas Bielinski gehört zu den ersten Zivis

Im Sommer 1992 besteht Andreas Bielinski sein Abitur am Gymnasium Burgdorf – und statt des Wehrdienstes will er den Zivildienst leisten. „Ich hatte mir damals einige Einrichtungen angeschaut, aber die Hospitation bei der Lebenshilfe hat mir am besten gefallen“, erinnert er sich. Mit Chris Walter startet er als erster Zivi-Jahrgang, und bis heute wirken die Erinnerungen nach. „Wir fühlten uns damals sehr gut einbezogen und mitgenommen in der Arbeit“, sagt der einstige Burgdorfer, der heute im Umweltschutz der Öl- und Gasförderung arbeitet.

Ohne Berührungsängste sei er als Zivi in den Heilpädagogischen Gruppen gestartet. „Die Arbeit reichte vom Brötchenschmieren über das Windelnwechseln der Schwerbehinderten bis hin zu Hausmeister- oder Fahrdiensten“, sagt Bielinski, der sich noch immer gern an jene 15 Monate erinnert. Hilfreich seien die monatlichen Gespräche mit einer Psychologin gewesen, bei denen er die Arbeit habe reflektieren können. „Nach dem Zivi war der soziale Bereich durchaus eine Option fürs Studium“, sagt er. Bielinski entschied sich für einen anderen Studiengang, finanzierte sich das Studium aber über die Arbeit in einem Altenheim.

Bei der Lebenshilfe, sagt der einstige Zivi im Rückblick, habe sich seine Sicht auf Menschen verändert. „Ich habe eher gesehen, was Menschen können, und nicht, was sie nicht können“ – eine Betrachtung, die er bis heute pflege. Rundum positiv falle der Rückblick aus: „Es war natürlich auch eine Zeit, die unbeschwert war, weil ich keine Verantwortung hatte.“

Auch Susanne Ruhkopf, damals die Betreuerin der ersten Zivis, erinnert sich gern an jenes Jahr. „Das Miteinander war einfach gut“, sagt sie und fügt hinzu, dass die Lebenshilfe den Nachwuchskräften auch heute noch offen stehe – sei es als Praktikant, Bufdi, FSJ-ler oder Azubi.

Von Antje Bismark

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