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Burgdorf Anlieferverkehr zur Kalihalde: Burgdorf sucht Schulterschluss mit Uetze
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Anlieferverkehr zur Kalihalde: Burgdorf sucht Schulterschluss mit Uetze
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12:01 04.11.2019
Auf dem Weg zur Baustelle der Recyclinganlage am Fuß der Wathlinger Kalihalde rollen die voll beladenen Lastwagen teilweise in Kolonne durch Dachtmissen. Ihre Ladung haben sie nicht abgedeckt. Quelle: Dege (Archiv)
Burgdorf/Dachtmissen/Sorgensen

„Gemeinsam mit der Gemeinde Uetze können wir mehr Druck aufbauen“, sagt Barthold Plaß, Vorsitzender des Burgdorfer Ratsausschusses für Wirtschaft, Arbeit, Liegenschaften und Verkehr. Die Politiker sind in großer Sorge, dass der Anlieferverkehr für die geplante, aber noch nicht genehmigte Abdeckung der Wathlinger Kalihalde nicht nur die Lebensqualität der Menschen in Dachtmissen und Sorgensen, sondern auch deren Gesundheit gefährdet.

Der K+S-Konzern will den Kaliberg in der Nachbarkommune abdecken. Das Material dafür – Bodenaushub und Bauschutt der sogenannten Belastungskategorie Z2, die nur auf speziell zugelassenen Deponien gelagert werden dürfen – soll per Lastwagen angeliefert werden, und das rund 25 Jahre lang. Einen Vorgeschmack auf das, was sie erwartet, wenn die Haldenabdeckung genehmigt wird, haben die Sorgenser, Dachtmisser und Hänigser in den vergangenen Wochen bekommen. Denn seit dem 9. September rollten täglich 200 zusätzliche Lastwagen durch die drei Ortschaften: 100 Fahrzeuge hin und 100 zurück zur Baustelle der Recyclinganlage am Fuß der Halde.

Ladungen der Lastwagen sind nicht abgedeckt

Dachtmissens Ortsvorsteher Jörg Neitzel berichtete im Ausschuss sehr eindrucksvoll, was seitdem „in den drei Orten abgeht. Wir sind sprachlos und hilflos.“ Dabei gehe es nicht nur den Lärm und die erhöhte Unfallgefahr durch die Lastwagen. „Große Sorgen macht den Menschen, dass die Ladung der Lastwagen mit abgedeckt ist. Obwohl auch schadstoffbelastetes Material transportiert wird“, sagte er.

Stadtplaner: Unsere Befürchtung hat sich bestätigt

„Damit ist genau das eingetroffen, was wir befürchtet haben“, sagte Stadtplaner Jan-Hinrich Brinkmann. Der Gutachter hatte bezüglich der zu erwartenden Verkehrsströme im Zuge der Haldenabdeckung berechnet, dass nur 5 Prozent des Lastwagen den kurzen Weg über die Landesstraße 311 nehmen würden. „Jetzt sind es 100 Prozent gewesen.“ Und erst durch Intervention bei K+S sei es gelungen, dass die Hälfte der insgesamt 400 Lastwagenfahrten über eine andere Route geführt wurde.

Die Stadt habe in ihrer damaligen Stellungnahme zu den Plänen des Konzerns gefordert, die Belange der betroffenen Menschen in den umliegenden Ortschaften neu zu bewerten, erinnerte Brinkmann in der Sitzung. „Ob das stattgefunden hat, wurde uns nicht mitgeteilt.“

Im Januar verkündet das Bergbauamt seinen Beschluss

„Die Entscheidung im Planfeststellungsverfahren ist für Januar angekündigt“, sagte der Stadtplaner. „Das müssen wir abwarten, bevor wir aktiv werden können.“ Zuvor hatte René Arand, beratendes Ausschussmitglied, die Frage in den Raum gestellt, ob es nicht sinnvoller sei, schon jetzt juristisch vorzugehen, bevor der Planfeststellungsbeschluss auf dem Tisch liegt. „Das ist jetzt noch nicht möglich, weil wir nichts haben, gegen das wir klagen können“, erklärte Ratsherr Rüdiger Nijenhof.

Stadt will Tempomessanlage aufbauen

„Die Stadt kann im Endeffekt gegen den Planfeststellungsbeschluss vor Gericht ziehen“, bestätigte Tiefbauamtsleiter Rainer Herbst. „In der Stadtverwaltung waren wir sehr negativ überrascht, dass das Landesbergbauamt den Bau der Brechanlage genehmigt hat.“ Als es losging mit den täglichen Lastwagenkolonnen durch Sorgensen und Dachtmissen, habe er versucht, auf dem kleinen Dienstweg etwas zu erreichen, berichtete Herbst. Die Polizei zeige Verständnis und versuche, dort vermehrt Tempokontrollen durchzuführen, soweit dies der Personalbestand zulasse. „Die Stadt will deshalb ein zweites Gerät zur Tempoanzeige besorgen“, kündigte Herbst an. Zudem werde mit Hochdruck daran gearbeitet, dass der Verkehr auf der L 311 mittels Seitenradar gezählt wird.

Auf der Baustelle der Recyclinganlage sollte nur bis Ende Oktober gearbeitet werden, hatte ein K+S-Sprecher im September angekündigt. Weitergehen soll es demnach erst im Frühjahr 2020. Deshalb werden in den nächsten Monaten keine Lastwagenkolonnen über die L 311 in Richtung Wathlinger Kaliberg rollen.

„Unsere Argumente brauchen mehr Gewicht“

Der Ratsausschuss fasste nach der Aussprache einstimmig den Beschluss, Kontakt zum Uetzer Fachausschuss und zum Rat aufzunehmen, „damit unsere Argumente mehr Gewicht bekommen“, sagte Ausschussvorsitzender Plaß. „Denn die Region Hannover sieht keinen Handlungsbedarf“, kritisierte er.

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