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Burgdorf „Es gab nichts“: Mutige Gründer der Lebenshilfe bekamen beim Start viel Zuspruch
Aus der Region Region Hannover Burgdorf „Es gab nichts“: Mutige Gründer der Lebenshilfe bekamen beim Start viel Zuspruch
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19:00 04.08.2019
Irmgard und Eberhard Popp gehören zu den Gründern und maßgeblichen Wegbereitern der Lebenshilfe. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf

Längst können Familien mit Kindern, die behindert und mit einer Beeinträchtigung auf die Welt kommen, auf Netzwerke zurückgreifen, um nicht nur den schwierigen Start zu bewältigen. Als das Ehepaar Irmgard und Erhard Popp im November 1963 mit Sohn Axel aber ein behindertes Kind bekam, fehlt noch jede Form von Unterstützung. Die beiden Ahltener knüpfen seitdem mit anderen das soziale Netz der Lebenshilfe, von dem inzwischen ungezählte Familien in Burgdorf und den Altkreis-Kommunen profitieren.

„Nichts, es gab nichts für uns“, sagt Irmgard Popp im Rückblick auf die ersten Lebensjahre ihres Sohnes, über dessen Trisomie sie brachial bei einer Mütterberatung informiert wurde. Für die junge Mutter war das ein Schock, den sie überwand, indem sie sich über die Behinderung informierte. „Damals hieß es noch, dass die Lebenserwartung bei 18 bis 20 Jahren liegt“, erinnert sie sich und fügt hinzu, dass ihr Sohn nun seinen 56. Geburtstag feiere. Ob Tennis mit dem Vater, sonnabendlicher Unterricht mit der Schwester in der Schule, Treffen im Wohnort Ahlten: Eine Zurückweisung wegen der Trisomie habe weder Axel noch die Familie erfahren, sagt Irmgard Popp, die ihren Sohn die ersten sechs Jahre zu Hause betreute.

Sozialarbeiter Schütte startet Initiative

Denn an eine Krippe oder Kita gar mit Integration oder Inklusion war zu jener Zeit nicht zu denken. Und doch machte sich zu Beginn des Jahres 1969 der Sozialarbeiter der St.-Pankratius-Gemeinde, Christian Schütte, auf den Weg zu Familien mit behinderten Kindern. „Er wollte den Verein Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind gründen“, sagt Erhard Popp. Die Familie stimmte zu und engagierte sich fortan im Planungsausschuss, bis am 19. Juni 1969 die Vereinsgründung anstand. „Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir Listen herumreichten, in die sich am Gründungstag spontan 85 Mitglieder eintrugen“, sagt Irmgard Popp. Auch Unbetroffene unterstützten das Vorhaben.

Die Plätze in der Tagesstätte der Lebenshilfe waren schnell belegt. Quelle: privat

Anschließend begann für vier Kinder eine heilpädagogische Betreuung von insgesamt sechs Stunden in der Woche – heute gibt es knapp 100 Plätze für Krippen- und Kita-Kinder aus dem Gebiet des einstigen Altkreises. Den Grundstein dafür legten die Eltern und Förderer in den Anfangsjahren: Am 1. März 1970 erkannte das Landessozialamt die Arbeit des Vereins an, erteilte die Genehmigung zur heilpädagogischen Betreuung von 15 Jungen und Mädchen von drei bis neun Jahren. Die Eltern richteten die Räume der Kirche an der Gartenstraße her, sodass 21 Kinder aufgenommen werden konnten.

Im Sommer 1973 öffnet die Tagesstätte

Doch die Kapazität reichte nicht aus: Deshalb plante der Vorstand eine Tagesstätte, die im Sommer 1973 am Wasserwerksweg auf einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Grundstück öffnete – durchaus zum Missfallen einiger Nachbarn, wie Susanne Ruhkopf vom heutigen Team sagt. Das erste Gebäude umfasste sechs Gruppenräume jeweils mit Badezimmer für 48 Kinder, Turnhalle, Küche und Büro. „Die Plätze waren alle sehr schnell belegt“, sagt Irmgard Popp, die wegen der gestiegenen Aufgaben die Verwaltung übernahm. Das hatte bis 1974 die St.-Pankratius-Gemeinde erledigt. Sie sagt heute, dass sie mit ihrem Sohn großes Glück gehabt habe – ein Satz, der für Eltern gesunder Kinder möglicherweise nur schwer nachzuvollziehen ist. „Aber ich habe bei meiner Arbeit viele betroffene Eltern und Kinder mit schweren Schicksalen kennengelernt“, sagt die Ahltenerin.

Geschäftsführer schiebt Bad und Reitanlage an

Sie kümmerte sich fortan um Gehälter der Mitarbeiter und die Pflegesätze der Betreuten – wobei das Aufgabenfeld immer breiter wurde. Sieben Jahre nach der Vereinsgründung erhielt der Kindergarten die Anerkennung als Tagesbildungsstätte für Schulpflichtige, 1981 folgte der Bau der Schule für geistig behinderte Kinder in der Nachbarschaft. Nach dem Ende der Schulpflicht, sagt Ruhkopf wiederum, fanden viele der nun jungen Erwachsenen eine Beschäftigung in der Werkstatt für Behinderte bei der Lebenshilfe Peine-Burgdorf.

„Wir haben immer das erreicht, was wir wollten“, sagt Irmgard Popp im Rückblick, die mit ihrem Mann für das Wirken mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Maßgeblichen Anteil daran trägt auch Jürgen König, der als Geschäftsführer fünf Jahre nach der Vereinsgründung seine Arbeit begann. Er schob Projekte wie die Reitanlage und das Schwimmbad an, von denen die Kinder noch heute profitieren. „Das Bad lag mir am Herzen“, sagt König und fügt hinzu, der Bau habe sich seinerzeit vor allem nur deshalb realisieren lassen, weil Vorstand und Hauptamtliche stets gut zusammengearbeitet hätten. „Wir wir hatten immer die politische Unterstützung in dieser Stadt.“

Von Antje Bismark

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