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Burgdorf Hänigsen wird unter Anlieferverkehr leiden
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Hänigsen wird unter Anlieferverkehr leiden
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18:24 11.01.2018
Für Speditionen empfohlene Route zum Kaliwerk in Wathlingen Quelle: Grafik: Llorens Garcia
Hänigsen

 Hänigsen wird die Hauptlast des Zulieferverkehrs für die geplante Rekultivierung des Wathlinger Kalibergs tragen. Mehr als die Hälfte der Fahrten wird durch Hänigsen gehen. Das geht aus den Antragsunterlagen für die Genehmigung des Vorhabens hervor, die die K+S Baustoffrecycling GmbH beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie eingereicht hat. K+S will die 85 Meter hohe Rückstandshalde des stillgelegten Hänigser und Wathinger Bergwerks Niedersachsen-Riedel mit zerkleinertem Bauschutt und Bodenaushub abdecken und anschließend begrünen.

Jährlich sollen 600 000 Tonnen Material an bis zu 250 Betriebstagen im Jahr auf der Halde eingebaut werden. Dafür sind im Schnitt täglich 100 Anlieferungen erforderlich. Wegen der Rückfahrten sind es insgesamt 200 Lastwagenfahrten pro Betriebstag.

Einwohner können Einwände erheben

Gegen die Pläne, den Wathlinger Kaliberg zu rekultivieren, können Einwohner und auch Kommunen während des Genehmigungsverfahrens, des sogenannten Planfeststellungverfahrens, Einwände erheben. Von Dienstag, 16. Januar, bis Donnerstag, 15. Februar, liegen die Antragsunterlagen, die die K+S Entsorgung GmbH beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) eingereicht hat, in den Rathäusern der Gemeinde Uetze sowie der Samtgemeinden Wathlingen und Flotwedel aus. Im Uetzer Rathaus können sich Interessierte die Unterlagen im Zimmer 224 während der allgemeinen Sprechzeiten der Gemeindeverwaltung durchlesen. Besondere Termine kann man unter Telefon (0 51 73) 97 02 67 vereinbaren. Bereits jetzt sind die Unterlagen im Internet auf der Homepage des LBEG einsehbar. Die Einwendungsfrist endet am 15. März.

Etwa 70 bis 80 Prozent des  Bodenaushubs und des Bauschutts kommen voraussichtlich aus der Region Hannover. Damit möglichst wenig Menschen unter der von den Transporten verursachten Lärmbelastigung leiden, schlagen Gutachter eine Verkehrslenkung vor. Möglichst viele Lastwagenfahrer sollen über die Bundesstraße 188 bis zum Schwüblingser Kreisel, von dort aus über die Kreisstraße 125 zunächst nach Hänigsen und dann weiter auf der Landesstraße 311 zum Wathlinger Kaliberg fahren.

Nach den Berechnungen der Gutachter würden so 140 Touren über die Strecke Ortsumgehung Burgdorf-Schwüblingser Kreisel-Hänigsen führen. Nur zehn Fahrten entfielen auf die kürzere Verbindung von der Burgdorfer Umgehungsstraße über Sorgensen und Dachtmissen nach Hänigsen. Weil beide Routen in Hänigsen zusammentreffen, würde dann die L 311 nördlich der Einmündung der K 125 mit 150 zusätzlichen Lastwagenfahrten belastet. Bei dieser Verkehrslenkung müssten die L 311 zwischen Eicklingen und Wathlingen und die Kreisstraße 58 zwischen Nienhagen und Wathlingen die restlichen 50 Fahrten verkraften.

Verkehrsplaner haben auch eine Straßenanbindung des Kalibergs an die Bundesstraße 3 untersucht. Demnach hätten die Lastwagenfahrer die B 3 bei Ehlershausen verlassen und dann zunächst über den Röhndamm und schließlich entweder südlich oder nördlich des Waldgebiets Brand zur Halde gelangen sollen. Diese Streckenführung wurde verworfen, weil der Brand ein schützenswertes Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) ist. 

Die Gutachter lehnen auch eine Materialanlieferung mit Zügen auf der alten Kalibahnstrecke ab, die von Ehlershausen zum Kaliberg führt. Für diese Lösung müsste man einem Umschlagplatz bauen, um das Material von Lastwagen auf die Bahn zu verladen. „Ein Umschlagplatz westlich der vierspurigen Bundesstraße 3 würde im Wesentlichen lediglich eine Verlagerung und Konzentration der Belastungen auf die Einwohner von Ehlershausen bedeuten“, schreibt K+S in den Antragsunterlagen. Weil die Züge mehrmals täglich die B 3 queren müsste, sei diese  Lösung auch wegen der Kosten sowie technischer und genehmigungsrechtlicher Schwierigkeiten ausgeschlossen. 

K+S erteilt auch einem Umschlagplatz auf dem Exxon-Mobil-Gelände, das am Röhndamm liegt und vom Waldgebiet Brand umgeben ist, eine Absage. Gegen diesen Standort spreche das FFH-Gebiet. „Als weitere Alternative wurde die Möglichkeit geprüft, Boden und Bauschutt, der auf einem Platz westlich des FFH-Gebietes Brand entladen wird, per Förderbandanlage durch das FFH-Gebiet zur Kalihalde zu transportieren“, heißt es in den Unterlagen. Bei dieser Varainte seien die Lärm- und Staubemissionen in das FFH-Gebiet sogar noch größer als beim Verladen auf die Bahn. Außerdem müsste K+S entlang der Trasse einen fünf Meter breiten Betriebsweg bauen, um das Förderband installieren und unterhalten zu können.

K+S lehnt Abtragen der Halde ab

Die Bürgerinitiativen Umwelt Uetze und Wathlingen lehnen eine Abdeckung des Wathlinger Kalibergs ab. Sie fordern, die Halde abzutragen und wieder ins stillgelegte Bergwerk Niedersachsen-Riedel zu bringen. Nach Ansicht des Vorsitzenden der Uetzer Bürgerinitiative, Georg Beu, würde sich dann die Diskussion über Verkehrsprobleme erübrigen.

Bergleute nennen das Füllen der unterirdischen Hohlräume Versatz. Laut K+S kommen weder der Versatz mit festem Rückstandssalz noch der Spülversatz infrage, bei dem die Rückstände gelöst und dann die flüssige Lösung ins Bergwerk gepumpt wird. Das Unternehmen verweist darauf, dass schon während der Betriebsphase Hohlräume verfüllt worden sind. Daher passe der Kaliberg schon theoretisch nicht in die verbliebenen Hohlräume. Zudem seien Feststoff- und Spülversatz, in dem zum Teil schon gefluteten Bergwerk, mit außerordentlichen technischen Schwierigkeiten, großen Problemen bei der Arbeitssicherheit und völlig unangemessenen Kosten verbunden.

„Bei der einzig technisch machbaren Möglichkeit der Auflösung von Rückstandssalz und Verbringung als konzentrierte Lösung könnten lediglich zirka 13 Prozent der Rückstandshalde aufgelöst und nach Untertage verbracht werden. Dies würde allerdings die Haldenproblematik nicht lösen. Die verbleibende Halde müsste nach wie vor abgedeckt werden“, schreibt K+S im Genehmigungsantrag.

Ebenso verwirft K+S den Vorschlag, den der Geologe und Geochemiker Ralf Krupp schon vor einigen Jahren gemacht hat, die Rückstände aufzuarbeiten. „Ein vollständiger Rückbau und technische Verwertung durch Aufbereitung zu einem verkaufsfähigen Produkt wie  zum Beispiel Industriesalz oder Streusalz wäre technisch zwar möglich, jedoch unter Kostengesichtspunkten nicht zumutbar“, argumentiert K+S. Wegen des hohen Energieeinsatzes und Anfalls von Rückständen sei auch der ökologische Nutzen zweifelhaft.

Schwerdtfeger befürchtet Verkehrsinfarkt

Sorgensens Ortsvorsteher Dirk Schwerdtfeger glaubt nicht daran
, dass fast der ganze Anlieferverkehr zum Wathlinger Kaliberg einen großen Bogen um seinen Heimatort machen wird. Nach seiner Meinung wird die geplante Verkehrslenkung nicht funktionieren, die Lastwagen über die Bundesstraße 188 zum Schwüblingser Kreisel und von dort aus über Hänigsen zum Kaliberg zu leiten.

Schwerdtfeger erinnert an die ständigen Staus auf der Burgdorfer Umgehungsstraße. Wenn sich der Verkehr auf der Bundesstraße 188 staue, würden sich das die Lastwagenfahrer über ihre Handys oder Funk mitteilen. Sie würden dann an der Kreuzung Ortsumgehung/Landesstraße 311 von der B 188 abbiegen und über Sorgensen, Dachtmissen und Hänig-sen nach Wathlingen fahren. Diese Route würden sie auch auf der Rückfahrt bevorzugen. „Dies stellt einen Verkehrsinfarkt für die Ortschaften dar“, sagt Schwerdtfeger.

Aus seiner Sicht werden nicht nur wegen der Staus auf der Burgdorfer Umgehungsstraße täglich weit mehr als nur die prognostizierten zehn zusätzlichen Lastwagen durch Sorgensen rollen. Die Route über Sorgensen und Dachtmissen sei viel kürzer als die Strecke über den Schwüblingser Kreisel. Außerdem würden die Navigationsgeräte den Lastwagenfahrern empfehlen, über Sorgensen und Dachtmissen die Abraumhalde in Wathlingen anzusteuern.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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