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Burgdorf IGS-Schulleiter Rudolf Alker geht in den Ruhestand
Aus der Region Region Hannover Burgdorf IGS-Schulleiter Rudolf Alker geht in den Ruhestand
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00:21 27.01.2019
IGS-Schulleiter Rudolf Alker verabschiedet sich heute in den Ruhestand. Quelle: Joachim Dege
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Burgdorf

Die Schullandschaft in der Stadt muss fortan ohne einen ihrer profiliertesten – und streitbarsten – Köpfe auskommen: Rudolf Alker, Gründungsrektor der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule, verabschiedet sich am Freitagvormittag nach mehr als 40 Jahren aus dem Schuldienst in den Ruhestand. Nicht etwa in den vorzeitigen Ruhestand, wie so viele seiner ausgebrannten Kollegen, sondern mit fast 68 Jahren, die er im April vollendet. Seine Schule, viele Kollegen und seine Vorgesetzten, so ist zu hören, wollen ihm noch einmal den großen Bahnhof machen.

Alker, von allen, die ihn näher kennen, nur Rudi genannt, geht mit einem guten Gefühl: „Ich bin zufrieden. Wir haben hier alles erreicht, was wir wollten“, sagt er über seine nicht einfachen Aufbaujahre an der IGS. Die waren geprägt vom Konkurrenzkampf um Schüler mit dem Gymnasium, von dicken Brettern, die er in der Kommunalpolitik mit Blick auf Ausstattung, Neubau und die Einrichtung der Oberstufe bohren musste, und von Friktionen mit der Realschule, die sich mit Händen und Füßen gegen Abordnungen zur Lehrerversorgung an der von Alker im Nebenjob abzuwickelnden Hauptschule wehrte. Um nur einige der Hürden zu nennen, die Alker an seiner letzten Lehrerstation nahm. Und das alles neben seinem Ehrenamt, das er als Abgeordneter der SPD in der Regionsversammlung wahrnimmt.

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Neben dem Telefon auf Alkers Schreibtisch steht ein gerahmtes Foto, das seine drei erwachsenen Töchter noch im Kindesalter zeigt. Alle drei besuchten ehedem wie die Musikerin Lena Meyer-Landrut die IGS Roderbruch in Hannover, „weil mich das System der IGS überzeugt hat“, sagt der Vater. An seinen eigenen Kindern habe er erlebt, dass die Lernmethoden dort – mit Lernentwicklungsberichten statt Noten und unterschiedliche Lerntempi berücksichtigendem Unterricht – funktionieren. Zumal Kinder pubertätsbedingt sowieso erst nach Klasse 7 oder acht wieder in die Spur fänden.

Ein Haufen Zeitungsartikel an der Büropinnwand dokumentiert die vergangenen vier Jahre, in denen Alker nochmal richtig Gas gab und die IGS zu dem formte, was sie mittlerweile ist: eine „sehr reputierlichen Schule“, wie sein Vorgesetzter, der für Gymnasien und Gesamtschulen zuständige Referatsleiter im Kultusministerium, Andreas Stein, urteilt. Eine Schule, die sich mit der soeben vollzogenen Namensgebung der Stadtgeschichte verpflichtet hat. Eine Schule, in der niemand zurückbleiben, niemand beschämt, aber jeder geachtet werden soll, wie es im Leitbild heißt, das Alker aus Hambühren mitbrachte. Dort hatte er von 2004 als Leiter eine Haupt- und Realschule aufgebaut, mit ihr noch einen Neubau bezogen, bevor der Landkreis Celle die Einrichtung 2015 als Folge damaligen Schülerschwunds wieder schloss – ein Tiefpunkt in Alkers Laufbahn.

Dass sich der Hausmeister seiner Exschule zu seiner Verabschiedung angekündigt hat, freut Alker, der mit seiner Familie, die sein Anker sei, in Ehlershausen lebt. Er sei immer gern Lehrer gewesen, versichert er: „Streng an Regeln orientiert, mit viel Verständnis für die Belange von Kindern.“ Es sei für ihn erfüllend gewesen, dass er seine pädagogischen Vorstellungen in Hambühren und zuletzt in Burgdorf habe umsetzen können. Dabei habe ihn mit der Didaktischen Leiterin der IGS, Saskia Matschke, die er ebenfalls aus Hambühren mit nach Burgdorf brachte, ein blindes Verständnis verbunden. Überhaupt lobt er sein Kollegium über den grünen Klee als bis in die Haarspitzen motiviert und engagiert. Der Oberstufenbeschluss des Rates habe zuletzt einen weiteren Motivationsschub geleistet.

Und nun? Als Student besaß Alker einen aus Schrottteilen selbst zusammengeschraubten R4 mit Che-Guevara-Abbild auf der Heckklappe. „Partisanentaxi“ hätte seine Freunde sein Gefährt genannt. Die Liebe zu alten Autos hat sich Alker erhalten. Gerade erst hat er sich eine „Ente“ angeschafft. Und im März geht es nach Kuba. Mit seiner Frau Sonja will er sich einen lange gehegten Traum erfüllen und auf die Insel fliegen, wo Che mit Fidel Castro einst die Revolution ausrief.

Wer tritt Alkers Nachfolge an?

Da Rudi Alker geht, stellt sich die Frage, wer auf ihn folgt. Und zwar sowohl als kommissarischer Leiter der auslaufenden Rest-Hauptschule wie als Gesamtschulleiter. Für die Hauptschule hat die Landesschulbehörde nach eigener Darstellung noch keinen Nachfolger in petto. Laut Behördensprecherin Bianca Schöneich kann die Aufgabe entweder ein Hauptschullehrer übernehmen. Oder aber Alkers Nachfolger an der IGS macht den Job einfach mit. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Das Gleiche gilt laut Kultusministerium für die Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule. Für die Schulleitung haben sich dem Vernehmen nach drei Pädagogen beworben. Am besten abgeschnitten haben soll Saskia Matschke, die in der Schulöffentlichkeit bereits ganz unverhohlen als neue Schulleiterin gehandelt wird. Zumal die Landesschulbehörde Matschkes Stelle als Didaktische Leiterin ausschreiben wolle, so ist zu hören. „Das Besetzungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen“, teilt eine Ministeriumssprecherin dazu mit. jod

Von Joachim Dege

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