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Burgdorf Stadt lässt Schneemassen abtransportieren
Aus der Region Region Hannover Burgdorf Stadt lässt Schneemassen abtransportieren
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15:24 23.01.2019
Kurt Battermann: Damals waren mein Sohn und ich noch mit der Fotogilde Burgdorf auf der Walz. Es gab sogar noch so etwas, was man als Schnee kannte bei uns und das haben ausgenutzt.Einen halben Tag waren wir unterwegs und ich erinnere mich, es hat Spaß gemacht.Ein paar Fotos von damals, frisch umgekehrt und etwas bearbeitet. Quelle: Kurt Battermann
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Burgdorf

Schnee auf den Straßen der Stadt, große Eiszapfen an den Häusern im Zentrum und vollgelaufene Keller – der starke Winter 1978/79 hat auch die Burgdorfer gefordert, wie sich Ernst-August Beneke erinnert. Er gehörte seinerzeit der Freiwilligen Feuerwehr an und erinnert sich noch an etliche Einsätze, die das Wetter verursacht hatte. „Es war schon eine extreme Situation“, sagt er im Rückblick.

So hatte die Verwaltung seinen Angaben zufolge im Laufe des Januars entschieden, die Schneemengen aus der Innenstadt an den östlichen Stadtrand zu transportieren. „Die kamen dann auf die Flächen, auf denen heute die Stadtvillen am Ostlandring stehen“, erinnert sich Beneke und fügt hinzu, dass die Fußwege damals sehr viel schmaler waren als heute. Zu schmal, um Schneemengen von einem Meter Höhe aufzunehmen.

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Fotos der damaligen Landkreiszeitung Nordost dokumentieren jene Tage, an denen das Ortseingangsschild von Sorgensen fast komplett hinter einer Schneewehe verschwinden oder Kinder den Rodelberg im Stadtpark herunterrutschen. Sie zeigen wetterbedingte Autounfälle ebenso wie verschneite Wege in den vier östlichen Kommunen des damaligen Landkreises, meterhohe Schneemänner und Lastwagen, die im Minutentakt von K+S das dringend benötigte Streusalz abholen.

In Burgdorf, erzählt Beneke, beruhigte sich die Lage auf den Straßen, nachdem der Schnee nicht mehr die Wege in der Kernstadt blockierte. Die Jugendfeuerwehr richtete für jene einen Einkaufsdienst ein, die sich nicht auf die Straßen trauten – über mehrere Tage pendelte sich das Leben rund um den Winter und seine Auswirkungen ein. Aber dann bescherte die eisige Kälte mit Temperaturen um minus 20 Grad der Feuerwehr ganz andere Einsätze, sie ließ die Wasserleitungen in etlichen Häusern platzen: „Die Keller waren damals noch nicht so gut wie heute isoliert, so dass der Frost eindringen konnte.“ Damit mussten die Einsatzkräfte die vollgelaufenen Keller auspumpen, um weitere Schäden abzuwenden. Davon sei auch das Finanzamt betroffen gewesen, sagt er.

Als endlich das Tauwetter einsetzte, traten neue Probleme auf: „An den Häusern, zum Beispiel dem Geschäftshaus mit dem heutigen Freyraum, hingen lange Eiszapfen, die wir als Feuerwehrleute abschlagen mussten.“ Doch damit nicht genug: Die Schneemassen, die am Stadtrand lagerten, begannen zu schmelzen, der Boden konnte die Feuchtigkeit nicht aufnehmen. „Das Wasser drang schließlich in die Reihenhäuser am Duderstädter Weg ein, jeden Tag mehr“, sagt Beneke. Um weitere Überschwemmungen zu verhindern, zog der Burgdorfer Carsten Brauer mit einem Radlader einen kleinen Graben, in dem sich das Wasser sammeln konnte. „Damit hatten wir auch das Problem gelöst“, sagt der Burgdorfer.

So ein Irrsinn!

Ja, ich weiß das Datum nicht mehr genau, aber es war Freitag. Wir, mein Mann und ich, wollten zur Weihnachtsfeier seiner Firma. Von Bolzum nach Wehmingen kamen wir mit dem Fahrzeug nicht den Berg hoch nach Müllingen, wir fuhren zurück und versuchten es über Ilten (so ein Unsinn). Dort fuhren schon welche mit Schlittschuhen auf der Straße, aber wir schafften es nach Hannover . Nach der Feier wollten wir ein Taxi nehmen, aber keiner fuhr mehr nach außerhalb. Also liefen wir in der Nacht vom Steintor bis Müllingen zu Fuß, (da ja die Kinder zur Schule mußten und meine Schwester aufgepaßt hatte). Von da aus nahm uns Herr Böhm mit, der auch wegen der Kinder nach Hause wollte. 6:30 Uhr kamen wir dann in Bolzum an, und die Kinder hatten schulfrei (kalt war uns nicht und wir mußten auch sehr aufpassen, da wir immer wieder wegen der runden Straße nach außen rutschten). Vergessen kann ich das nicht, unser Rainer war im September geboren, also 3 Monate alt.

Helga Sulzmann, Sehnde

Chaos im Kreissaal, Chaos auf den Straßen

Nachrichten des Tages: Der tatsächlich erste Eisregen nähert sich vom Westen her kommend Richtung Niedersachsen. Chaos herrschte in Lehrte bei Familie Lohmann: Sie kommen bitte um 11.00 Uhr ins Krankenhaus damit die Geburt ihres 2. Kindes eingeleitet wird. Ohne Widerspruch wurde ich von meinem Ehemann ins Krankenhaus Lehrte gebracht – Männer blieben ja damals noch nicht bei der Geburt dabei – und der Tag nahm seinen Lauf.

17.00 Uhr draußen Chaos, drinnen Chaos! Die Hebamme und der Chefarzt der Gynäkologie wurden im Kreissaal unruhig, die Wehen waren zu spüren, aber unser kleiner Junge wollte und wollte nicht durch den Geburtskanal um die herrliche Welt zu begrüßen. 17.45 Uhr Endlich geschafft, ich hörte nur die Aussage des Arztes: Ist wohl doch zu früh!!! Das Kind musste in ein Wärmebett!! So ist das, wenn dem Arzt mit Grummeln im Bauch blind vertraut wird.

In der Stadt herrschte Chaos, weil wir als Bürger noch gar nicht mit Eisregen vertraut waren. Damit mein Ehemann ins Krankenhaus kommen konnte, hatte er sich alte Socken über die Schuhe gezogen, der Schirm wurde ein Eisschirm, glücklicherweise kam er zu uns ohne Sturz und konnte das kleine Wunder in den Arm nehmen.

Schemenhaft bekamen wir die Hektik im Haus mit, da viele viele Menschen sich durch Stürze auf den glatten Straßen ziemlich arg verletzten. Das ist nun 40 Jahre her, ich selbst bin schon 8-mal Großmutter , der am Eisregentag geborene Sohn hat eine Familie mit 2 Kindern. Am 8.12. wird aber immer wieder die Geschichte vom Eisregen und der Geburt erzählt.

Renate Lohmann, Lehrte

Fahrten wie im Film „Doktor Schiwago“

Der Winter 1978/79 ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. Im Sommer waren mein Mann und ich mit unserem knapp 3jährigen Sohn nach Laatzen in eine größere und verkehrsgünstig gelegene Wohnung gezogen. Zum Jahreswechsel gab es einen Kindergartenplatz und für mich sollte der neue Start als berufstätige Mutter beginnen. Mein alter Arbeitgeber hatte "ja" gesagt. In den letzten Tagen des Jahres versank Norddeutschland im Schnee. Silvester hatte es auch im Raum Hannover ungewöhnlich viel geschneit. Die heutige Erich-Panitz-Straße lag ruhig und verlassen vor dem Haus. Keine Straßenbahn, kein Auto war unterwegs und auf dem hinteren Parkplatz versanken die Autos im Schnee. Der Straßenverkehr kam zum Erliegen. An die geplante Silvesterfeier bei Freunden in Hannover war nicht mehr zu denken. Absage, das Telefon funktionierte noch! So hatte ich mir den Jahreswechsel nicht vorgestellt. Enttäuscht und eher aus Langeweile, entschied ich mich den Müll nach unten zu bringen. Der Sturm hatte viel Schnee in den Laubengang und vor die Wohnungstür geweht und zu allem Überfluss blieb der Fahrstuhl zwischen dem 2. und 1. Stock stecken. Glück gehabt, der Hausmeister konnte mich aus der misslichen Lage befreien. Die ersten Wochen im neuen Jahr waren bei kalten Temperaturen und chaotischen Straßenverhältnissen beschwerlich. Termine einzuhalten oder pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen war ein Lotteriespiel, „Gleitzeit“ war noch ein Fremdwort. Bei meinen Straßenbahnfahrten entlang der Hildesheimer Straße nach Hannover habe ich mich an den Film „Doktor Schiwago“ erinnert. Vereiste Fensterscheiben, verschneite Straßen und zusteigende Personen mit Schnee an Schuh und Kleidung, warm verpackt und die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Die Straßen waren wegen der Schneeberge an den Seiten schmal. Es gab immer wieder Behinderungen und glimpfliche Situationen wenn man mit dem Auto unterwegs war. Bei einem Ausweichmanöver fuhren auch wir in eine Schneewehe, ein Schreck, aber kein Schaden. Dieser Winter kam mir vor wie eine lange Fahrt durch einen dunklen Tunnel, als irgendwann der Frühling ins Land zog, war das wie ein Licht am Ende eines solchen.

Brigitte Urban, Dollbergen

Von Antje Bismark