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Burgdorf Psychisch Kranker verprügelt Polizisten
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18:00 08.08.2019
Das Amtsgericht Burgdorf setzte den Prozess wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vorläufig aus. Quelle: Joachim Dege (Archiv)
Uetze

Skurriler könnte eine Gerichtsverhandlung kaum verlaufen: Ein aufgeregter Angeklagter aus der Dominikanischen Republik überschüttet die Richterin mit einem konfus klingenden Redeschwall, sodass diese kaum zu Wort kommt. Dann erklärt er der Juristin wortreich, wie Deutschland und die Deutschen seiner Meinung nach ticken und wer gefälligst im Zeugenstand zu erscheinen habe. Schließlich berichtet er auch noch von Engeln, die er bisweilen hinter den Wolken am Himmel sehe. Am Ende muss Strafrichterin Stephanie Lumm die Hauptverhandlung aussetzen, weil sie erst klären lassen will, ob der wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angeklagte Mann zum Tatzeitpunkt überhaupt Herr seiner Sinne war.

Ärzte diagnostizieren beim Angeklagten paranoide Schizophrenie

Fakt ist, dass der Angeklagte im vergangenen Jahr drei Wochen lang in einer psychiatrischen Klinik zubrachte. Dort diagnostizierten die Ärzte bei dem 33-Jährigen, der neben der dominikanischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, eine paranoide Schizophrenie. Dabei handelt es sich um Sinnestäuschungen, bei denen Betroffene etwas zu hören oder sehen glauben, das gar nicht existiert. Dennoch halten Patienten diese Wahrnehmungen für real. Dass er manchmal Engel sehe, bestätigte er der Richterin ausschweifend auf deren Nachfrage. Ob er psychische Probleme habe, das wisse er aber nicht. „Ich bin ein netter Mensch, sympathisch und locker“, fügte er noch hinzu.

So freilich erlebte ihn der 54 Jahre alte Polizist bei seinem Einsatz nicht. Im Gegenteil. Mit seinen Kollegen war er zu einem Haus in Uetze gerufen worden, weil dort ein Mann mit einem Messer eine von ihm auf Hausbesuch einbestellte Sexarbeiterin bedroht und eingeschlossen haben sollte. Die Frau hatte sich befreien und zum Nachbarn retten können und von dort die Polizei alarmiert. Als die Polizei am Einsatzort eintraf und die hinzueilende Hausbesitzerin, bei der es sich um die mittlerweile geschiedene Ehefrau des Angeklagten handelt, die Haustür aufschloss, stand plötzlich der Beschuldigte im Türrahmen.

Polizist erleidet im Einsatz eine schmerzhafte Schädelprellung

Die Polizei forderte ihn auf, seine Hände herzuzeigen und aus dem Haus zu treten. Die Beamten glaubten, der Mann sei bewaffnet. Der aber schleuderte nur Beleidigungen in Richtung der Polizisten, drehte sich auf dem Absatz um und wollte wieder im Haus verschwinden. Ein Polizist stürmte hinterher, um ihn zu überwältigen, bekam etliche Faustschläge ins Gesicht und einen hinter das Ohr. Die Folge: Schürfwunden und eine schmerzhafte Schädelprellung machten einen Klinikbesuch notwendig. Anschließend war der Beamte fast sechs Wochen lang krankgeschrieben.

Die 51 Jahre alte Exfrau des Angeklagten, eine sehr gepflegt erscheinende diplomierte Betriebswirtin, konnte zu der Auseinandersetzung im Zeugenstand wenig sagen. Sie habe das Ganze ja nur aus einiger Entfernung beobachtet. Dass es zu diesem Ausfall ihres Ex, der nach wie vor mit ihr in einem Haushalt lebt, habe kommen können, sei sicherlich dessen psychischer Erkrankung geschuldet: „Ich denke, dass er an diesem Tag einen Schub hatte.“ Darauf lasse eine wirre Messenger-Nachricht schließen, die der Angeklagte ihr an dem Tag gesendet habe.

Gericht will einen Psychiater als Sachverständigen hören

Strafrichterin Lumm hatte damit genug gehört. Sie entließ drei weitere am Einsatz beteiligte Polizisten, die den Wüterich schließlich überwältigt hatten, von der Aussagepflicht und setzte das Strafverfahren aus. Laut Gerichtsbeschluss muss nun ein Psychiater zunächst einmal die Schuldfähigkeit des Angeklagten beurteilen. Erst wenn dieses Gutachten vorliegt, kann der Prozess eine Fortsetzung finden.

Von Joachim Dege

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