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Burgwedel Die neue Försterin in Fuhrberg heißt Kerstin Geier
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Die neue Försterin in Fuhrberg heißt Kerstin Geier
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00:17 06.06.2019
Försterin Kerstin Geier ist im Forstamt Fuhrberg zuständig für Naturschutz. Einen Teil der Landesforsten komplett zum Naturwald ohne menschliche Bewirtschaftung zurückzuführen, ist ein Teil dieser Aufgabe. Quelle: Sandra Köhler
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Fuhrberg

Kerstin Geier ist die Neue im Forstamt Fuhrberg und Nienburg. 25.000 Hektar umfasst das Gebiet, für das sie als Expertin für Waldökologie und Waldnaturschutz zuständig ist. Die 24-Jährige berät als Nachfolgerin von Roman Spenner die Revierförster bei den Naturschutzvorgaben. Gemeinsam mit unserer Mitarbeiterin Sandra Köhler bricht Geier zu einem Spaziergang durch ihr neues Revier auf, zeigt uns einen ihrer Lieblingsplätze, einen nicht so gern gesehenen Exoten und stellt ein erstes Projekt vor, dass sie in den Burgwedeler Wäldern angegangen ist.

Das Kienmoor wird wieder zum Urwald

Mit ihrem geländegängigen Auto geht es tief hinein in den Wald. Rechts und links stehen große alte Bäume. Erster Stopp ist das Kienmoor, ein seit 2000 unter Naturschutz gestelltes Gebiet, das ans Trunnenmoor grenzt. „In Norddeutschland erwartet man eher einen von Buchen und Eichen geprägten Mischwald“, erläutert die junge Försterin. „Das Kienmoor ist eines der wenigen Gebiete, in denen von Natur aus überwiegend Kiefern und Fichten wachsen.“ Um Artenvielfalt und Lebensräume zu erhalten, gibt es die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Zur Umsetzung gehöre auch, erläutert Geier, dass 5 Prozent aller Waldflächen und sogar 10 Prozent der Landesforsten in einen sogenannten Urwald zurückgeführt werden. Dazu gehört auch das Kienmoor, das als Naturwald ausgewiesen ist. Hier greift der Mensch nicht mehr ein. Geier mag diesen Wald.

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Er wird nicht bewirtschaftet. Die Bäume bleiben so lange stehen, bis sie von allein absterben. Das Unterholz wächst herauf, wie es gerade kommt. Abgestorbene Stämme verrotten an Ort und Stelle, sie bieten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und Nahrung. Auf einer einige Hundert Meter entfernten Lichtung ist das bereits gut zu sehen. Dort stehen Fichten ohne Nadeln. „Die sind vom Borkenkäfer befallen“, sagt Geier. Ein mächtiger Baum ist abgebrochen und steht schräg, an großteils verfallenen Stämmen wachsen Pilze. An manchen Bäumen finden sich farbige Markierungen und bunte Ringe. Normalerweise zeigen diese an, welche Bäume gefällt werden sollen. Doch nicht im Kienmoor. Hier handle es sich um Kennzeichnungen der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt für ein Forschungsprojekt, erläutert Geier.

Spätblühende Traubenkirsche macht in Fuhrberg Probleme

Im Auto geht es weiter. Nach einigen Kilometern weist die Försterin auf einen am Wegesrand stehenden blühenden Baum hin. „Diese spätblühende Traubenkirsche macht uns echte Probleme“, sagt sie. Dieses nicht heimische, schnell wachsende Gehölz fühlt sich auf den nährstoffarmen Böden rund um Fuhrberg pudelwohl. Es breitet sich überall aus, nimmt anderen Arten das Licht und den Platz zum Wachsen. Und es sei extrem schwer in Griff zu bekommen. Da kommt uns der zuständige Revierförster Lucas Kubel entgegen. „Das gehört wirklich zur Klette? Hätte ich nicht gedacht“, sagt er. „Er hatte große Blätter am Weg gesehen und mich gebeten, sie einmal anzuschauen, damit er sie, wenn es sich um eine invasive Art handelt, entfernen kann“, erläutert Geier.

Förster kümmern sich auch um Blühwiesen und Froschtümpel

Mittlerweile sind wir außerhalb des Kienmoores an einer Wiese im Wald angekommen. Hier haben Geier und ihr Vorgänger vor zwei Wochen eine Mischung heimischer Blühpflanzen ausgesät. Schon sind die ersten Pflänzchen zu sehen. „Bald wird es hier blühen und damit zusätzliche Nahrung für Bienen und Insekten geben“, sagt die Försterin und freut sich über ihr erstes Projekt im neuen Amt. Den Tümpel mit laut quakenden Fröschen gleich nebenan hat sie erst am Morgen entdeckt. „Da solche Gewässer schnell verlanden, werden sie ausgebaggert, wenn es nötig ist“, sagt sie. „Denn nur so lässt sich der Lebensraum für die Amphibien erhalten“, erklärt die neue Fuhrberger Försterin und macht deutlich, dass sie sich für „ihren“ Wald einsetzen wird.

Das ist Kerstin Geier

Die 24-jährige Kerstin Geier ist gebürtige Schleswig-Holsteinerin und stammt aus der Nähe von Kiel. Bei einem Schulpraktikum entdeckte sie ihre Liebe zum Forstberuf. „Draußen in der Natur sein und dort arbeiten – das ist es“, sagt sie. Nach dem Studium der Forstwissenschaft in Göttingen absolvierte sie ihren Anwärterdienst von Oktober 2017 bis März 2019 im Forstamt Göhrde im Wendland und wurde nach der Laufbahnprüfung als eine von zwölf Absolventen von den Niedersächsischen Landesforsten eingestellt.

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Von Sandra Köhler