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Burgwedel Spaziergang oder Umzug? Ermittlungen gegen Engenser Schützen
Aus der Region Region Hannover Burgwedel Spaziergang oder Umzug? Ermittlungen gegen Engenser Schützen
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18:03 29.07.2019
Die Schützen benutzen bei ihrem Spaziergang brav den Bürgersteig –ist das trotzdem verboten? Quelle: Thomas Oberdorfer
Engensen

Die Umzüge der Engenser Schützen vom Wochenende haben ein juristisches Nachspiel. Das stellte sich im Laufe des Montags heraus. So wird sich der Fachbereich Öffentliche Sicherheit bei der Region Hannover des Themas annehmen.

Der Hintergrund des ungewöhnlichen Vorgangs reicht einige Tage zurück: Die Engenser Schützen hatten – wie jedes Jahr – zu ihrem Fest die Genehmigungsanträge für drei Umzüge gestellt. Zu einem gab die Region ihr Okay, das betraf jenen mit der sich jährlich wiederholenden Route. Zwei anderen verwehrte die Behörde ihre Zustimmung, weil die Anträge zu spät vorlagen. Die Schützen wollten dennoch durch den Ort marschieren, deklarierten zwei Umzüge kurzerhand in Spaziergänge um und waren von Freitag bis Sonntag täglich in Engensen unterwegs – am Sonnabend und Sonntag ohne eine entsprechende Genehmigung.

Polizei meldet Spaziergang an die Region

Diesen Vorgang meldete die Polizei in einem Bericht der Region. Die Behörde nimmt nun ihrerseits Ermittlungen auf und will in den kommenden Tagen auch noch einmal mit den Verantwortlichen im Verein sprechen. „Danach entscheiden wir, ob eine Ordnungswidrigkeit vorliegt und ein Bußgeld verhängt wird“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. „Als oberste Verkehrsbehörde wären wir selbst nicht tätig geworden“, stellt er klar.

Vom Tisch sind damit Überlegungen der Polizei, die Spaziergänge nach Versammlungsrecht zu bewerten. Unterm Strich droht den Verantwortlichen des Schützenvereins nun ein Bußgeld für eine Ordnungswidrigkeit. Ob dieses überhaupt erhoben wird und wenn ja, wie hoch es ausfällt, muss noch entschieden werden.

Anträge lagen der Region zu spät vor

Doch warum versagte die Region den Engenser Schützen die Erlaubnis für ihre Umzüge? „Die Anträge lagen erst am Dienstag vergangener Woche bei dem zuständigen Mitarbeiter vor“, sagt Abelmann. „Die verbleibende Zeit bis zu den geplanten Umzügen am Wochenende reichte dann einfach nicht mehr aus, um die beantragten Routen zu prüfen und eventuell notwendige Absprachen mit der Polizei zu treffen.“

Drei Umzüge in drei Tagen

Das stramme Marschprogramm zum Engenser Schützenfest hat Tradition: Während die Route für den Umzug am Freitag bereits lange im Vorfeld feststeht, werden am Sonnabend und Sonntag die Scheiben zu den neuen Königen gebracht. Und diese Scheiben werden erst zwei Wochen vor dem Fest ausgeschossen. Naturgemäß können die Schützen ihre Anträge erst einreichen, wenn die Ergebnisse des Schießens feststehen. Und das ergibt dann einen engen Zeitplan.

„Die Antragsfrist beläuft sich eigentlich auf 14 Tage“, erläutert Abelmann. „Kommen die Anträge später, dann drücken wir schon mal ein Auge zu. Aber zehn Tage vor dem geplanten Termin müssen die Unterlagen bei uns sein. Danach geht nichts mehr.“

Unterwegs lediglich einem Auto begegnet

Die Engenser Schützen räumen auch ein, dass sie die Unterlagen erst am Mittwoch, 17. Juli, auf den Weg gebracht und auch an ein falsches Faxgerät in der Behörde gesandt hatten. Dennoch: „Auch wenn der Antrag erst am Dienstag vergangener Woche bei dem zuständigen Regionsmitarbeiter auf dem Tisch lag, muss es doch möglich sein, innerhalb von vier Tagen zwei kleine Schützenumzüge zu prüfen und zu genehmigen“, sagt Karsten Müller, Vorsitzender der Engenser Schützen. „Schließlich sind wir ein kleines Dorf und keine Großstadt.“

Ganz von der Hand zu weisen ist Müllers Einwand nicht. Während des gesamten Spaziergangs der Engenser Schützen – auf Bürgersteigen – am Sonnabend traf die Gruppe auf ihrem Weg durch den Ort auf gerade mal ein Auto.

Kommentar: Schließt die Akten – und gut

Welchen Sinn hat es, dass Polizei und Regionsverwaltung jetzt die Spaziergänge von gut 100 Engenser Schützen und zwei Musikkapellen unter die Lupe nehmen? Gar keinen. Klar haben die örtlichen Schützen einen Fehler gemacht, als sie die Anträge für ihre Umzüge zu spät und dann auch noch auf den falschen Weg gebracht hatten. Bei dem ganzen Antragswesen, mit dem die Region mittlerweile alles überzieht, was mit Dorfveranstaltungen zu tun hat, ist das eine verständliche Sünde. Und: Die Schützen haben selbst die Konsequenzen getragen. Statt über die Straßen zu marschieren, ging es über Feldwege und auf Bürgersteigen zu den Königen. Diszipliniert, fast im Gänsemarsch. Und die Hauptstraße wurde brav an der einzigen Ampel des Ortes überquert – selbstverständlich nur, wenn diese auch Grün zeigte. Deshalb müssen sich nun wahrlich keine Mitarbeiter in den Dienststuben der Behörden mit dem Fall herumschlagen. Also: Schließt die Akten – und gut ist.

Thomas Oberdorfer

Von Thomas Oberdorfer

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